CD-TIPP: Beatle zwischen Swing und Jazz
Den Namen Paul McCartney verbinden Fans eher mit den Hits der Beatles oder Wings, doch wenige Monate vor seinem 70. Geburtstag scheint der Brite erst so richtig auf Touren zu kommen. Im Herbst des vergangenen Jahres überzeugte er das New Yorker Publikum mit seiner Musik für das Ballett "Oceans Kingdom", er arbeitet an der Musik für ein Computerspiel und scheint als einer der Höhepunkte der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London diesen Sommer fest gesetzt zu sein. Nun interpretiert der Ex-Beatle auf "Kisses on the Bottom" (HearMusic/Concord Records) Songs von Fats Waller, Irving Berlin sowie Johnny Mercer - und erweist sich dabei als waschechter Crooner.
Der Brite hängte sich im Studio bewusst nicht den Bass um, noch setzte er sich ans Klavier. Vielmehr verließ er sich bei diesem Projekt ganz und gar auf Diana Krall, die eingespielte Band der kanadischen Jazzsängerin und -pianistin sowie den Erfolgsproduzenten Tommy LiPuma, um sich auf stimmliche Nuancen konzentrieren zu können. So setzte sich McCartney für die Aufnahmen in eine emotionale Zeitmaschine, erweist Stücken der Jazz- und Swing-Ära, die seine Kindheit geprägt haben, die Ehre und prägt sie mit smarter Stimme neu. In einer entspannten Kreativität, die ihn laut Booklet an die 60er Jahre mit den Beatles erinnerte, nahm er sich beispielsweise den "Great American Songbook"-Klassiker "Im gonna sit right down and write myself a letter" und die Swingballade "Bye Bye Blackbird" vor und überzeugt als Sänger, der im Stil des frühen Bing Crosby nicht mit Schmelz spart. McCartney lässt sich voll auf die hervorragend arrangierten zwölf Stücke ein.
Er ließ es sich zudem nicht nehmen, zwei Songs ganz passend zum Konzept zu schreiben. In "Only our heart" hört man Stevie Wonder an der Mundharmonika, und im von Eric Clapton mitgeprägten "My Valentine", einem Liebeslied für seine dritte Frau Nancy, beweist diese lebende Legende einmal mehr: Paul McCartney ist einer der unverbesserlichsten Romantiker unserer Zeit - doch sicherlich für die Popmusik noch nicht verloren.
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Autor: UDO EBERL | 04.02.2012
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