Aus ihren Federn fließt Blut
Stuttgart. Sie lachen, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Doch aus ihren Federn fließt Blut: Die "Mörderischen Schwestern" schreiben Kriminalgeschichten. Bei den Stuttgarter Buchwochen stellen sie sich vor.
Zu Fortbildungszwecken ballern sie mit Pistolen auf dem Schießstand. Zur Horizonterweiterung buchen sie Vorträge über das Sezieren. Solche Vorlieben teilen 25 Krimi-Autorinnen aus Stuttgart, Tübingen, Freiburg oder Konstanz. Die Frauen, im bürgerlichen Beruf Apothekerin, Informatikerin oder auch Übersetzerin, haben sich vor zehn Jahren zur Stuttgarter Regionalgruppe der "Mörderischen Schwestern" zusammengeschlossen: Denn Mord ist ihr Metier.
Die Frauen schätzen ihre regelmäßigen Treffen. "Wir wollen uns gegenseitig unterstützen", erzählt die Tübingerin Ulrike Wanner bei der jüngsten Zusammenkunft. Vor den gut gekleideten Krimi-Damen stehen Apfelschorle und Mineralwasser. Honorar-Tipps fliegen über den Tisch. Die Stuttgarter Autorin Gudrun Weitbrecht berichtet von ihrer letzten Lesung. Der Auftritt der "Mörderischen Schwestern" bei den Buchwochen steht auch auf der Tagesordnung. Gudrun Weitbrecht wird etwa aus ihrem Roman "Blutkirsche" lesen. "Mich interessiert der Umgang der Menschen mit Schutzbefohlenen", sagt die gelernte medizinisch-technische Assistentin. "Denn hinter der Maske der Normalität lauern Abgründe."
Sicher würden der Herausgeberin von Krimi-Anthologien auch Männer zustimmen. Doch sie dürfen am offiziellen Sitzungsteil nicht teilnehmen. Erst beim gemütlichen Teil des Abends können Ehegatten und Partner dazustoßen. "Bis dahin vertreiben sie sich die Zeit mit Einkaufen oder im Kino."
350 Autorinnen wie Weitbrecht, Bücherfachfrauen oder weibliche Krimi-Fans tummeln sich bei den Mörderischen Schwestern. Zu ihnen zählt auch die Grande Dame des deutschen Krimis, Ingrid Noll. Das Netzwerk bietet seinen 20- bis 80-jährigen Mitfrauen Mentoring-Programme, Ladies Crime Nights oder den Newsletter "Mordio" mit Fach-Infos. Unter den Schwestern sind Ärztinnen, Juristinnen, Wissenschaftlerinnen, Kommissarinnen und Verlegerinnen.
Zudem unterstützen die Schwestern ihre Mitfrauen mit Lobbyarbeit. "Autorinnen werden häufig benachteiligt, wenn es um Preise und Auszeichnungen geht", weiß Pressesprecherin Christine Sylvester. "Auch die Resonanz in den Medien ist für Autorinnen meist geringer." Und immer noch geistere die Vorstellung von der Hausfrau, die aus Langeweile zur Feder greife und nicht ganz ernst zu nehmen sei, in einigen Hirnen herum.
Solch freundlich herablassendes Verhalten kennen auch etliche Stuttgarter Schwestern. Dabei heimsen sie Stipendien und auch nicht wenige Preise ein. "Wenn Frauen schreiben, wird das gern als Hobby wahrgenommen nach dem Motto: Früher haben sie getöpfert, heute schreiben sie Krimis", hat Sybille Baecker erfahren. Doch niemand könne "nur ein bisschen schreiben", betont die Autorin. Auch Frauen, die nach Feierabend schrieben, brauchen ein hohes Maß an professioneller Disziplin.
Baecker, die Pressereferentin bei einem Sportverband ist, wird auf den Stuttgarter Buchwochen ihren dritten Schwaben-Krimi "Eisblume" vorstellen. "Unterstützt Dich Dein Mann?", will nun eine Schwester wissen. "Ja, sehr", erwidert die 40-Jährige. "Er liest meine Texte und sagt schon mal: So würde ein Mann nie reagieren." Durch diese Zusammenarbeit habe sie ihren Mann besser kennengelernt." Außerdem sorge er in der "heißen Phase" dafür, "dass ich etwas esse." Gelächter. Und anerkennendes Nicken.
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Autor: SYLVIA RIZVI | 02.12.2010
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Ernst in der Sache, fröhlich in der Stimmung - die "Mörderischen Schwestern" der Regionalgruppe Stuttgart (v.l.): Anita Konstandin, Bettina Hellwig, Gudrun Weitbrecht, Ulrike Wanner, Sybille Baecker, Gisela Sachs. Foto: Sylvia Rizvi
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