Guten Tag, die Fahrscheine, bitte!

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Guten Tag. Die Fahrscheine, bitte! Bei diesem Satz bleibt manchem kurz das Herz stehen. Gnadenlos, eiskalt und niederträchtig, so werden sie häufig wahrgenommen. Ein leichter Job, denkt sich mancher. Aber wie ist die Arbeit der Fahrscheinkontrolleure wirklich? Wir haben drei Menschen, die dieser nicht so gern gesehenen Berufsgruppe angehören, einen Tag bei ihrer Arbeit begleitet.

Mit unseren Lehrern Philipp Pielenz und Ruth Schiemanowski haben wir uns auf eine Exkursion der besonderen Art gemacht: Mehrere Stunden sollte die Arbeit der Fahrscheinkontrolleure beobachtet werden. Wir begleiteten eine Schicht, die von mindestens drei Kontrolleuren durchgeführt wird. Nachdem uns Andreas  Ceder, Vertriebsleiter der Stadtwerke, eine Einführung zur Problematik des Schwarzfahrens gegeben hatte, durften wir hautnah bei der Kontrolle in der Linie 1 dabei sein.

Dabei hatten wir die Gelegenheit die Kontrolleure zu befragen und stellten fest, dass es sich um ganz normale, nette Menschen mit Familien und Freunden handelt, die einfach nur ihre Arbeit machen und oft zu Unrecht beschimpft werden. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, einen Kassierer im Supermarkt zu beschimpfen, der kontrolliert, ob noch Waren im Wagen sind.

Die Kontrollen sind notwendig, da die SWU, die ohnehin nur zum geringen Teil aus Fahrscheinverkäufen getragen wird, durch Schwarzfahrer weitere Verluste machen. Jährlich werden in Ulm etwa 8000 Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein erwischt, die meisten Schüler. Würde das so weitergehen, müssten wir möglicherweise auf Straßenbahnen und Busse verzichten, was gerade für Schüler schlecht wäre.

Nur in wenigen Situationen, etwa wenn jemand die Fahrkarte offensichtlich nicht bezahlen kann, drücken die Kontrolleure ein Auge zu. Sobald jemand ohne Fahrkarte fährt, sind sie eigentlich verpflichtet Namen und Adresse der Person aufzuschreiben. Kann man dann einen gültigen Monats- oder Jahresfahrausweis vorweisen, werden nur sieben Euro Bearbeitunsgebühr eingefordert. Andernfalls muss man die „Beförderungserschleichung“ mit 40 Euro begleichen.

Wir haben beobachtet, dass die Fahrscheinkontrolleure sehr freundlich und geduldig älteren Menschen oder Kindern erklärten, wie etwa die Ding-Karte funktioniert, wenn es mal ein Problem gab. Sie versuchen also nicht nur möglichst viele Schwarzfahrer zu erwischen.

Sprachkenntnisse sind in diesem Beruf von Vorteil, denn teilweise sprechen die Fahrgäste kein Deutsch: Wir konnten einen solchen Fall miterleben. Zwei Austauschstudenten aus Brasilien hatten keine gültigen Fahrkarten. Glücklicherweise konnten sie sich ausweisen, sonst hätte die Polizei kommen müssen. Die beiden waren schon eine Weile in Ulm unterwegs und wussten, wie ein gültiger Fahrschein aussieht. Es gibt aber auch die sogenannten „Graufahrer“, die versehentlich ein falsches Ticket lösen oder es nicht abstempeln. Das ist sogar dem Chef, Andreas  Ceder, höchstpersönlich in Karlsruhe passiert, als er sein Ticket zu stempeln vergaß. Er zahlte dann aber auch bereitwillig die Strafe.

Bei unserer Recherche waren die Fahrgäste sehr umgänglich und einsichtig. Dennoch ist die Arbeit der Kontrolleure nicht ungefährlich, denn oft werden sie mit gewalttätigen Personen konfrontiert. Pöbeleien, Schlägereien, Drohungen: 2010 mussten sechs Kontrolleure ins Krankenhaus. Deshalb brauchen sie mittlerweile eine Selbstverteidigungsausbildung. Die SWU schicken zudem immer einen Sicherheitsbediensteten mit auf die Schicht. Aufgrund der Anfeindungen baten uns die Kontrolleure sie nicht zu fotografieren und ihre Namen nicht zu nennen. Alles in allem ist die Arbeit gefährlich und aufwändig. Man betrügt sich eigentlich selbst, wenn man schwarz fährt, denn die Verluste werden durch Steuergelder aufgefangen. Wir haben an diesem Tag viel gelernt und wünschen uns für die Zukunft, dass den Kontrolleuren mehr Respekt entgegen gebracht wird.
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