Uli-Wieland-Schule: 25 Schüler, 13 Sprachen, 5 Jahrgangsstufen, 1 Klasse

Experiment gelungen. Das kann man mit Blick auf die Übergangsklasse der Vöhringer Uli-Wieland-Schule sagen. Dort lernen 25 zugereiste Schüler im deutschen Schulsystem zu bestehen.

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Arnis ist seit mehr als einem Jahr in Deutschland, während viele seiner Klassenkameraden erst vor wenigen Wochen angekommen sind. Doch der 13-Jährige aus Litauen ist ein Beispiel dafür, wie schulische Integration scheitern kann. "Es war schwer Kontakte zu knüpfen. Die Kinder waren nicht sehr nett", erzählt Arnis von seiner ersten Schule. Trotz Top-Leistungen in Mathe und Englisch, versagte er in den Sachfächern, reagierte mit Bauchschmerzen und Schulverweigerung. "Hier bei uns hat er den Respekt der anderen Schüler, der ihm immer gefehlt hat", sagt Lehrerin Petra Donth.

Arnis ist vor den Sommerferien in die Übergangsklasse der Vöhringer Uli-Wieland-Mittelschule gekommen. Er sollte nur schnuppern. "Nach einer Stunde hat er gesagt: Hier bleibe ich", erzählt Petra Donth. Jetzt, im neuen Schuljahr, gehört Arnis zu ihren Stützen. Er besucht in Mathe die Regelklasse, Englisch soll bald folgen. Er springt auch als Übersetzer ein, hilft den anderen. "Es kann schon mal sein, dass er Neuntklässlern ihren Mathestoff erklärt", sagt Petra Donth. Da hilft der Litauer den Polen, der Russe und der Grieche verständigen sich irgendwie, die ungarisch-rumänischen Zwillinge Rebeka und Pal-David sind gleich in zwei Sprachen fit. Dazu kommen Portugiesisch, Spanisch, Türkisch, Thailändisch, Italienisch, Bulgarisch, alles ergänzt durch Hände und Füße.

"Anfangs war das schon sehr ungewohnt", sagt Christian Stehle, der mit Vera Jankowsky für die Nachmittagsbetreuung zuständig ist: "Aber die Kinder lernen unheimlich schnell." Petra Donth ist froh, dass sie jetzt eine offene Ganztagesklasse hat. Denn die Schüler sollen lernen, was Hausaufgaben sind und wie man sie bewältigt. "Im vergangenen Jahr haben wir die Erfahrung gemacht, dass das eben nicht von alleine funktioniert", sagt Donth.

Bestes Beispiel: Boris. Nach vielen Tiefschlägen im Vorjahr hat er jetzt eine Eins geschrieben und sich postwendend bei Vera Jankowsky bedankt. "Ich will nicht lernen, aber sie holt mich immer", sagt er grinsend. "Bevor Hausaufgaben und Lernpensum nicht erledigt sind, haben sie keine Chance", sagt Stehle. 25 Schüler zwischen 9 und 16, von denen der größte Teil eine andere Schrift gelernt hat und mancher ohne Deutschkenntnisse ankommt - für Petra Donth und ihre Kollegen ist das eine enorme Herausforderung. Unterstützung kommt von der Fachoberschule (FOS). Nevra Sert und Orawan Pfluger besuchen dort die 11. Klasse. Immer abwechselnd sind sie eine Woche selbst Schüler an der FOS und eine Woche Lehrer in Vöhringen.

"Ich bin selbst mit acht Jahren aus Thailand nach Deutschland gekommen", erzählt Orawan Pfluger. Sie habe Deutsch vor allem beim gemeinsamen Spiel "auf der Straße" gelernt. Sie wurde eingeschult, bekam bis zur dritten Klasse Förderunterricht. "Ich habe mich eingelebt, weil ich auch die Kultur angenommen habe. Das heißt ja nicht, dass man seine eigene Religion und Kultur vergessen muss." Bei ihr zuhause sei immer Weihnachten gefeiert und trotzdem die Wertvorstellungen des Buddhismus gelebt worden: "Meine Mutter hat mir auch thailändische Bücher bestellt."

Einige von Petra Donth erstem Jahrgang sind in der Klasse geblieben. Zwei sind ans Humboldt-Gymnasium gewechselt, eine Schülerin an eine Ulmer Realschule und zehn in die Regelklassen der Mittelschule. Darunter auch welche, die das Zeug haben Abitur zu machen. Doch in Bayern bleibt ihnen der direkte Weg oft verschlossen, weil sie die Aufnahmeprüfungen nicht überstehen. "Dann muss es über Umwege gehen", sagt Petra Donth. Mittlere Reife am M-Zweig, dann über die beruflichen Schulen - und vielleicht kommt einer als Praktikant zurück.

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