Fortschrittlicher Rektor aus Niederbayern

Karl Reismüller ist mit seinen 84 Jahren geistig noch topfit. Dazu tolerant und aufgeschlossen. Auch vor 50 Jahren war er kein Rektor vom alten Schlag.

|

Es war eine kleine, einzügige Grundschule in alten Gemäuern, wo der Lehrer noch in einer Wohnung über den Klassenzimmern wohnte. Dass Karl Reismüller 1966 für das Rektorenamt in Illerrieden das attraktive Angebot aus Hagnau am Bodensee sausen ließ, hat drei Gründe: Die alte Dorfschule im heutigen Rathaus hatte zumindest neue Fenster. Die Landschaft zwischen Dietenheim und Illerrieden gefiel ihm ausgesprochen gut. Als er sich mit seiner Frau die neue, im Bau befindliche Schule anschaute, kamen die beiden mit einem jungen Mädchen ins Gespräch. "Das Kind war so höflich, offen und aufgeschlossen", erinnert sich Reismüller an die damals 16 Jahre alte Heidi Muhr. "Da dachten wir: Das kann gar kein Fehlgriff sein hier."

Und so bekam die einzügige Grundschule mit den drei Lehrern einen sympathischen und fortschrittlichen Rektor. "Ich werde heute noch von vielen gegrüßt. Arg viel kann ich nicht vermasselt haben", sagt der Senior bescheiden. Streng sei er gewesen, aber gerecht, und auch Späßchen nie abgeneigt. Reismüller, der aus Niederbayern stammt und seinen Dialekt nie ganz ablegte, lehrte die Kinder an ihren Holzschreibtischen nicht nur das Schreiben und Rechnen, sondern auch das Singen. Der erste Illerrieder Schulchor wurde mit den Jahren zum Kinder- und Jugendchor und ging später unter die Trägerschaft des Männergesangvereins, den Reismüller zehn Jahre leitete.

Der Schulleiter legte aber auch Wert auf Sport. "Seine" Kinder sollten des Schwimmens mächtig sein. Weil es in der Nähe kein Lehrschwimmbecken gab, charterte er einen Bus, der die Illerrieder ins 18 Kilometer entfernte Burgrieden brachte. "Die Transportkosten hat die Gemeinde übernommen."

Reismüller dürfte auch einer der ersten Schulleiter gewesen sein, der in den 70er Jahren Mehrtages-Aufenthalte schon für Viertklässler organisierte. Fünf Tage verbrachten er und seine Entlass-Schüler in der Staiger Berghütte in Hirschgund in Österreich zum Wandern. "Das war eine Gaudi für alle, auch für die Eltern, die mitgeholfen haben", erinnert er sich. In seine 26 Jahre dauernde Amtszeit fiel neben dem Schulhausneubau und der Schulreform mit Wiederausbau zur Grund- und Hauptschule auch der Bau der Illertalhalle. In dieser Zeit wirkte er auch zwölf Jahre lang als Gemeinderat an der Entwicklung der Kommune mit. Mit 84 Jahren ist der zweifache Opa noch immer sehr interessiert am Gemeindeleben. Er verreist gern und nimmt sich Zeit zum Lesen und für Spaziergänge.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Tödlicher Verkehrsunfall: Person in Fahrzeug verbrannt - Identität des Toten unklar

Am Mittwochabend wurde der Polizei über Notruf mitgeteilt, dass ein brennendes Fahrzeug neben der Landstraße bei Allmersbach steht. weiter lesen