Die Inklusion steckt fest

Auf dem kleinen Dienstweg will die Stadt auch in naher Zukunft die Inklusion für jeden einzelnen Schüler regeln. Denn das Schulgesetz lässt weiter auf sich warten. Zu viele Fragen sind ungeklärt.

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Die Umsetzung der Inklusion ist kompliziert. "Der aktuelle Stand ist noch nicht so fortgeschritten, wie wir das gerne hätten", sagt Bürgermeisterin Iris Mann. Gerhard Semler, als ein Vertreter der Städte im Expertenrat des Landes, unterstreicht dies: "So wie es momentan aussieht, wird das Schulgesetz auch 2014/15 nicht kommen."

Dabei geht es nicht mal um Details, sondern um grundlegende pädagogische, organisatorische und finanzielle Fragen. Konsens herrsche im Land, dass es kein absolutes freies Elternwahlrecht geben soll, sondern "gruppenbezogene Lösungen", wie Semler sagt. Das bedeutet, dass zwei bis vier Schüler mit ähnlichen Bedürfnissen - wenn die Eltern das wollen - in einer Regelschule unterrichtet werden. Die Lehrer bekommen entsprechende Unterstützung von Sonderpädagogen.

Was ist aber eine "entsprechende" Unterstützung? Das "Zwei-Pädagogen-Prinzip" soll zur Maßgabe werden, so wie es in den Außenklassen gilt. Dafür brauchen die Sonderschulen aber mehr Personal.

Weiteres Problem: Außer in der Gemeinschaftsschule zählen die inkludierten Kinder statistisch nicht zur Regelklasse. Sie werden also nicht mitgezählt, wenn es um die Frage geht, ob eine Klasse geteilt werden kann. Es wird also voller in einer Inklusionsklasse, was die Eltern der Regelkinder auf den Plan ruft. Überhaupt müsse die aufnehmende Klasse besser vorbereitet werden, fordert der Gesamtelternbeirats-Vorsitzende Johannes Zahn.

Nächster Streitpunkt: die Zuständigkeiten. Hier geht es ums Geld. "Ich bin froh, dass dies inzwischen ohne die Eltern geklärt wird. Denn das ist peinlich", sagt Semler. So ist für Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung die Sozialhilfe zuständig, bei seelischer Beeinträchtigung ist es das Jugendamt und ganz schwierig wird es, wenn der Förderbedarf gar nicht anerkannt wird, wie etwa bei Autisten.

Es geht nicht um die barrierefreie Einrichtung der Schulen, womit nicht nur der Lift gemeint ist, sondern auch schalldämmende Decken oder besonderes Licht. Da ist die Stadt in der Pflicht, will aber Geld vom Land. Ob es welches gibt, ist fraglich. Gleiches gilt für die Fahrten zur Schule, für Ganztagesbetreuung und die Schulbegleiter, die ein Kind je nach Grad der Behinderung braucht. "Das ist ein Knackpunkt", sagt Semler: "Welche Ausbildung brauchen sie, welche Rechte haben sie in der Klasse?" Alles unklar.

Die Zahl der Kinder an Ulmer Sonderschulen ist stabil. Nur an der Zulliger-Schule für Erziehungshilfe ist sie im Vergleich zu 2011 zurückgegangen. Dabei ist der Bedarf gewachsen. "Es gibt mehr verhaltensauffällige Schüler, und die Störungen sind gravierender", sagt Schulleiter Werner Pfleghar: "Aber wir können nicht mehr als 24 Kinder aufnehmen." Alle anderen müssen an der Regelschule bleiben. Dabei ist gerade in diesem Bereich Inklusion besonders schwierig.

Die Eltern betroffener Kinder müssen also weiter warten: "Wir haben keine Rechtsgrundlage für die Inklusion. Wir werden versuchen, das im Sinne der Kinder individuell auf dem kleinen Dienstweg zu regeln", verspricht Iris Mann.

Die Zahlen
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