SÜDWEST PRESSE Wanderaktion
Unterwegs im Roggenburger Land
Roggenburg.
Das Roggenburger Land unterscheidet sich erheblich von der kargen Landschaft der Schwäbischen Alb. Kein Fels bricht hier schroff aus magerer Heide hervor, dafür rollen sanfte, bewaldete oder bewirtschaftete Hügel auf der von eiszeitlichen Moränen abgeschliffenen Unteren Iller-Lech-Schotterplatte bis zum Horizont. Dazwischen schlängeln sich die Biber und der Osterbach gesäumt von Schilf, Birken und Weiden. Nur an einer Stelle bricht der Untergrund in Form einer Sandgrube, die unser letzter Tourvorschlag in dieser Serie streift, hervor. Dafür geht es ausgehend vom Hauptort Roggenburg bei der von Alfred Kristen ersonnenen Drei-Stunden-Rundwanderung vorbei an zahlreichen Fischweihern und blitzblanken Dörfern mit schmucken Kirchen samt Kuen- und Huber-Fresken.
„Eigentlich ist die Landschaft nichts besonderes – und doch ganz eigen“, findet der Albvereins-Wanderführer. Ein wenig wie das Allgäu mutet die Gegend um die fast von jedem Punkt der Tour aus sichtbaren Doppeltürme des Prämonstratenser-Klosters an. Nur flacher und von Ulm aus schneller zu erreichen.
Das 1126 gegründete und nach der Säkularisierung von den Patres vor 23 Jahren wieder in Betrieb genommene Kloster als Ausgangs- und Zielpunkt bietet vielfältige Möglichkeiten, der körperlichen Anstrengung geistliche wie intellektuelle Impulse und sinnliche Eindrücke entgegenzusetzen: Nicht nur in der imposanten Rokoko-Klosterkirche finden auf der berühmten Orgel, der „Großen Roggenburgerin“, regelmäßig Konzerte statt, sondern auch in der historischen Bibliothek.
Das Klostermuseum informiert über die Geschichte des Ordens, im Haus für Kunst und Kultur sind wechselnde Ausstellungen zu sehen. Dazu gibt es einen von Gartenbauschülern gepflegten Klosterkräutergarten und den Wallpavillon des Landwirtschaftsamts, wo Broschüren zum kürzeren Weiher- und Osterbachweg ausliegen.
Denn auch die Markierung der Wege unterscheidet diese Tour deutlich von Wanderungen im Württembergischen: Einheitliche Schilder des Albvereins fehlen hier, stattdessen folgt sie zunächst den Holztafeln des Weiherwegs, später geht es grob gesagt immer den Kirchtürmen der Klosterfilialen nach: von der luftigen St. Agatha in Ingstetten (Schlüssel im Nachbarhaus Nr. 17 erhältlich) zur üppig-barocken ehemaligen Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Schießen (Nordeingang offen) und St. Wendelin in Schleebuch, Anmeldungen für Kirchenführungen Tel. (07300) 960 00.
Schon auf dem Weg entlang der Stürzenweiher machen sich Ruhe und Harmonie in der Wanderer-Seele breit. Beim Anstieg durch dichten Wald zur Wannenkapelle scheinen Zivilisation und Alltagsstress vollends weit weg. Das holzgeschindelte Zwiebelturm-Kirchlein ließ der Roggenburger Abt Franz Doser aus Dankbarkeit über seine wundersame Errettung vor wilden Soldatenhorden erbauen. Weiter Richtung Meßhofen bimmelt links eine Kuhglocke, rechts gackert eine Gans, vom nächsten Hügel wiehert ein Hengst und über allem dreht der Graureiher seine Runde. Am renaturierten Osterbach fühlen sich selbst bedrohte Arten wie das Blässhuhn wieder heimisch. Wem das alles nicht reicht, dem sei die Ausdehnung der ruhebankreichen, kinderwagentauglichen Tour um den Besuch der gemütlichen Gaststube von Clemens Kolb in Meßhofen ans Herz gelegt: mit „ungeschöntem“ Hefeweissbier und deftigem Vesper.
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Autor: Claudia Reicherter | 22.10.2009
Wandern macht Spaß. Mit dem Partner oder der Partnerin besonders viel. Die SÜDWEST PRESSE Wanderaktion zeigt Ihnen Touren aus der Region, die Sie so noch nicht erlebt haben. Archivbild
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