SÜDWEST PRESSE Wanderaktion
Durch das Langenauer Ried nach Leipheim
Langenau.
„Wie in einem Fontane-Roman fühle ich mich immer, wenn ich in diese Landschaft der Weite und Stille hineingehe,“ sagt Hans-Jürgen Ohlhoff mit großer Andächtigkeit. Nachvollziehbar, denn Fontane – laut Günther Grass „ein Wanderer wie er im Buche steht“ – taucht in seinem Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ in Landschaften mit ähnlichem Flair ein. Landschaften, die nicht protzen. Auch das Langenauer Ried drängt sich nicht mit höchsten Bergen, tiefsten Tälern und waghalsigsten Schluchten in den Vordergrund. Bescheiden und zurückhaltend wartet es darauf, entdeckt zu werden, um seine Schönheit preiszugeben. Auch für Nicht-Fontane-Fans ist eine Wanderung durch das Donaumoos eine empfehlenswerte Tour durch die Natur.
Vom Langenauer Bahnhof aus geht es nach einem kurzen Weg durch die Stadt vorbei an der Ostermühle mit dem alten Wasserrad. Es dreht sich im Bächlein Nau, Namensgeber der Stadt. Gibt der Rucksack noch ein bisschen Platz her, sollte unbedingt ein Abstecher in den Mühlenladen gemacht werden.
Dann beginnen die Streuobstwiesen. Sie stammen noch aus einer Zeit, in der das durchwässerte Ried mit traditionell bäuerlichen Methoden urbar gemacht wurde. Zusammen mit den zahlreichen Hecken und Kopfweiden – die tatsächlich wie Köpfe mit wilden Frisuren aussehen – sind sie heute ökologisch wertvoll, bieten Tieren Schutz, Nahrung und Lebensraum. Wer ein bisschen Glück hat, entdeckt vielleicht einen Igel, einen Steinkauz oder Specht. Auch der Brachvogel und der Kiebitz fühlen sich in den offenen und nassen Flächen des Rieds sehr wohl. Von einem Aussichtsstand aus kann man die Vögel beobachten. Problematisch war in den letzten Jahren allerdings die intensive Landwirtschaft, die wertvolle Lebensräume durch Entwässern zerstört hat. Dank der vielen Hochwasser ist aber erneut eine Feuchtwiese für Vögel entstanden.
Weiter geht’s Richtung Ried. Kurz vor dem Eingang in die geheimnisvolle Moorlandschaft: Der sagenumwobene Grimmensee. Wer sich durch das niedere Gebüsch gekämpft hat, steht plötzlich vor dem kleinen, wild eingewachsenen „Quelltopf“. Ein Hinweisschild erzählt sogar eine Sage über ihn. Der See ist auch in geologischer Hinsicht ein Besonderheit. Er wird von einer Karstquelle gespeist. Während in der ganzen Riedgegend eine Kies-Ton-Schicht das Wasser vom Versickern abhält, gibt es Stellen, an denen diese Schicht ein Loch hat. Das Grundwasser, das mit hohem Druck aus der Schwäbischen Alb in unterirdischen Wasseradern hier ankommt, sucht sich solche Lücken als Weg nach oben.
Diese Kies-Ton-Schicht ist ein Überbleibsel der Eiszeit, zudem war die gesamte Gegend von der Donau überschwemmt. Das Moor entstand damals genauso wie heute: Vegetation stirbt ab, Regenwasser kann nicht absickern, das Moor wächst heran. Den Moorboden kann man sich als eine Art Schwamm vorstellen, der sich immer wieder mit Wasser vollsaugt.
Passend zur magischen Stimmung des Grimmensees führt uns nun ein Weg in einen kleinen Auwald hinein. Danach tut sich das eigentlich Ried – ein etwa 260 Hektar großes Naturschutzgebiet – auf. Der Boden unter den Füßen gibt immer mehr nach. Springt man in die Höhe, ist wenige Meter entfernt noch eine kleine Schwingung zu spüren. Die Route führt schließlich weiter auf weichen Graswegen, umrahmt von hohem Schilf; Wildschweinspuren kreuzen die Strecke. Weit und breit keine Menschenseele – nichts als Stille. Irgendwann ist ein Birkenwald in Sicht. Seine Wipfel biegen sich im herbstlichen Wind. Dazwischen fließt ein kleiner Bach, der Grenzbach. Zwei Schritte, und Bayern beginnt. An dieser Stelle endet das Langenauer Ried und geht in das Leipheimer Ried über. Ein Bohlenweg bietet hier die Möglichkeit zu einer kleinen Erkundungstour.
Der Rest des Weges verläuft weiterhin flach. Deshalb ist man, wenn man in Leipheim ankommt, nicht außer Atem, sondern beflügelt von genügend frischer Herbstluft in der Lunge. Und wer an seine Gummistiefel gedacht hat, kann sich über trockene Füße freuen.
Hier get´s zum Download der Wanderkarte
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Autor: Isabella Hafner | 20.10.2009
Mit Wanderschuhen und Wanderstock die Region erleben. Die SÜDWEST PRESSE Wanderaktion gibt Tipps, wo es am schönsten in Ulm und Umgebung ist. Archivbild
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