Schauspielerin Sidonie von Krosigk: Zwischen Bühne und Film

Nach drei Jahren verlässt Sidonie von Krosigk das Theater Ulm. Zum Abschluss spielt sie die Hauptrolle in „Dogville“.

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Noch einmal Ulm: Sidonie von Krosigk spielt Nicole Kidmans Rolle in „Dogville“  Foto: 

„O Gott, wie soll man da rankommen!?“ Das fragte sich Sidonie von Krosigk schon, als es am Theater Ulm mit den Proben für „Dogville“ losging. Die 27-Jährige spielt in der Bühnenfassung von Lars von Triers berühmtem Film die Grace, die Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman brillant verkörpert hatte. Aber auch wenn sie die Kinobilder im Hinterkopf hatte, „musste ich meine eigene Grace finden“, sagt sie. Und die wird man nun zu sehen bekommen: Am Donnerstag, 5. Oktober, ist Premiere.

Es ist Sidonie von Krosigks finale Premiere in Ulm. Die vergangene, ihre dritte Spielzeit in Ulm sollte ihre letzte sein, aber als Intendant und Regisseur Andreas von Studnitz sie fragte, ob sie sich vorstellen könne, noch die Grace zu spielen, konnte sie nicht Nein sagen. Es rundet ihre Ulmer Jahre ab, das findet sie richtig schön: ein Abend mit dem fast kompletten Ensemble, noch einmal in einer Studnitz-Inszenierung. Und so steht sie nun, bis kurz vor Weihnachten, 14 Mal in „Dogville“ auf der Bühne des Großen Hauses

Nicht mehr so flirrig

Aber warum hört der Publikumsliebling überhaupt in Ulm auf? „Sicher nicht, weil ich unglücklich hier gewesen wäre!“, betont sie gleich. Sie sei sehr dankbar für eine schöne Zeit mit vielen tollen Rollen. Aber die Münchnerin hatte seit sieben Jahren – auch schon während ihres Schauspielstudiums in Frankfurt – eine Fernbeziehung geführt. Vor kurzem hat sie geheiratet, nun wolle sie auf ihrem Lebensweg weitergehen. „Ein Teil von mir hat sich immer nach München gesehnt.“

Aber wie gesagt: Die Zeit am Ulmer Theater haben Sidonie von Krosigk, die als Jugendliche die Hauptrolle in den beiden „Bibi Blocksberg“-Kinohits gespielt hatte, viel gebracht. Sie hat das Selbstbewusstsein entwickelt, „dass ich das schaffen kann, dass es der richtige Beruf für mich ist“. Sie habe im Repertoirebetrieb „eine Routine im guten Sinn“ erlangt, sie sei handwerklich besser geworden und habe gelernt, „dass ich ruhiger im Körper sein kann, nicht mehr so flirrig“.

Sanft und hart, keck und knitz, anrührend und abgründig hat man sie auf der Bühne erlebt. Als Knappe im Monty-Python-Jux „Spamalot!“ war sie nicht nur komisch, sondern überzeugte auch als Sängerin. Zu ihren liebsten Rollen gehörte Dionysos in der hervorragenden „Bakchen“-Inszenierung. „Glasmenagerie“, „Zorngebete“ und „Platonow“ waren weitere Höhepunkte.

Mehr als ein Dutzend Rollen hat sie in den vergangenen Jahren gespielt, „Schiller, Horvath, Tschechow, Shakespeare, alles dabei“, und auch zwei Märchen mit je 35 Aufführungen. Sie hat gelernt, physisch und seelisch ihre Kräfte einzuteilen, wenn eine Aufführung nach der anderen „runtergerockt“ wird. In den vergangen Spielzeit hatte sie eine langwierige Kehlkopfentzündung, ausgerechnet während des Musicals wurde sie krank.

Nun als noch der Brocken „Dog­ville“. Sidonie von Krosigk spielt Grace, eine Frau, die es in eine abgelegene Dorfgemeinschaft verschlägt, die dort erst wohlwollend aufgenommen wird – doch der Boden der Zivilisation erweist sich als brüchtig. Und auch in Grace lauern Abgründe. Schon im Studium habe sie den in einer nahezu abstrakten Theaterkulisse spielenden Film gesehen, erzählt die Schauspielerin, ihn „erschreckend, bedrückend, aber großartig“ gefunden.

 „Es geht um große moralische Fragen, um Anstand, Gnade, Würde“, sagt die 27-Jährige, „um den Umgang untereinander in einer Gesellschaft und wie schnell das alles kippen kann.“ Eine zentrale Frage: „Wie kann ein Mensch, der einem eben noch die Hand gereicht hat, im nächsten Moment zur Waffe greifen?“ Am Theater Ulm erwarte die Zuschauer eine „kompakte, direkte Fassung“, sozusagen drei Stunden Film in zwei Stunden Theater.

Sidonie von Krosigk und das Kino: Mit Film hatte es für sie in Kindertagen schauspielerisch begonnen, mit einer Film-Adaption endet nun ihr Ulmer Engagement. Und mit Film und Fernsehen soll es bei ihr in der Karriere auch weitergehen. Sie hat eine neue Agentur, „ein paar Projekte zeichnen sich ab, ich bin wirklich gespannt, was kommt“.

Aber ebenso will sie weiterhin auf der Bühne stehen – und warum nicht auch eines Tages wieder mal in Ulm?

Drama Das Stück „Dogville“ basiert auf dem Film Lars von Triers aus dem Jahr 2003 mit Nicole Kidman in der Hauptrolle. Da dieser Film in einer minimalistischen Theaterdekoration gedreht wurde, war es naheliegend, ihn für die Bühne zu adaptieren. Aufsehenerregend war Volker Löschs Inszenierung am Staatstheater Stuttgart in der Spielzeit 2005/06.

Handlung Es war einmal in Amerika: Grace flüchtet vor Gangstern in das Berg­dorf Dogville. Die Bewohner nehmen die junge Frau zunächst großzügig auf – niemand möchte der in Not Geratenen die Hilfe verweigern. Als Gegenleistung für die Gastfreundschaft wird ein wenig leichte Arbeit vereinbart. Doch als bekannt wird, dass Grace von der Polizei gesucht wird, kippt die Stimmung. Grace wird zu einer Gefangenen – doch als die Gangster in das Dorf kommen, wendet sich das Blatt noch einmal.

Inszenierung Regie führt Andreas von Studnitz. Die Bühne ist von Mona Hapke, die Kostüme sind von Gabriele Frauendorf.

Besetzung Es spielen Sidonie von Krosigk (Grace), Jakob Egger (Tom Edison), Peter Reinhard (Thomas Edison Sr.), Fabian Gröver (Chuck), Margarete Lamprecht (Vera), Anna Schlothauer (Jason), Barbara Schmidt (Ma Ginger), Julia Baukus (Gloria), Christian Streit (Bill Henson), Franziska Maria Pößl (Liz Henson), Gunther Nickles (Mr. Henson), Christel Mayr (Mrs. Henson), Götz Burger (Jack McKay), Timo Ben Schöfer (Ben), Michaela Miller-Englbrecht (Martha), Andreas von Studnitz (Der große Mann), Benedikt Paulun (Polizist/Fahrer).

Spieldauer Gute zwei Stunden, eine Pause.

Nachtkritik Rund eine Stunde ist unter www.swp.de eine kurze Kritik zu lesen.

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