Zwei Briten rudern von Ulm nach Istanbul

Mark Hughes und Jonathan Cowie wollen von Ulm bis nach Istanbul rudern. Das Hochwasser hatten sie allerdings nicht auf der Rechnung.

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    Mark (vorne) und Jonathan warten darauf, dass die Donau fällt. Foto: 
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    Noch sitzen Mark (rechts) und Jonathan auf dem Trockenen. Foto: 
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Gebannt schauen Mark und Jonathan auf das, was sich auf dem Vereinsgelände des Ulmer Ruderclubs Donau (URCD) tut. Denn die beiden sitzen ungern auf dem Trockenen. Seit Sonntag warten die 32-Jährigen Briten darauf, dass sie mit ihrer "Fight & Spirit" endlich in See respektive die Donau stechen können. Am Donnerstag soll es nun endlich soweit sein.

„Katastrophenalarm“, das Wort haben die beiden gelernt – der wichtigste Untertitel bei Fernseh-Berichten übers Hochwasser. Der Anblick der Donau bei ihrer Ankunft am Sonntag hat Mark und Jonathan beinahe aus den Schuhen gehauen. „Schlechtes Timing“, meint Mark lakonisch. So haben sie Bilder gemacht von der Flut, haben vor dem Fernseher gesessen und zugeschaut, was der Fluss so alles anrichtet. An einen Start war bei diesem Pegelstand natürlich nicht zu denken - obwohl ihr Boot hochseetauglich ist. „Aber immerhin ist es besser hier zu sein, als wenn uns die Flut eingeholt hätte“, stellt Jonathan fest. Immer positiv denken.

So steht die „Fight & Spirit“ auf einem Bootswagen im Hof des URCD. Sieben Meter lang, 600 Kilo schwer ist das Ungetüm. Der Innenraum sieht aus wie ein zu breit geratenes Rennboot. Rollsitze, Stemmbretter, Ausleger an den Seiten. Geschlafen wird in einer kleinen Kajüte im Heck. „Es ist wie Camping“, sagt Mark. Der Vergleich mit einem Sarg wäre vielleicht passender.

Rudern wollen sie vom ersten Sonnenstrahl bis zur Dämmerung. 100 Kilometer am Tag sollten es sein, denn bei 3200 Gesamt-Kilometern ist nicht viel Zeit. „Wir sind spät dran“, meint Mark mit einem Anflug britischen Humors. Denn der Rückflug aus Istanbul ist bereits gebucht. Nur nachts wird das Boot vor Anker liegen. Alles andere ist zu gefährlich. Zum Essen wird aber nicht an Land gegangen, das geht auch auf dem Fluss. „Nudeln und Porridge“, verrät Jonathan den Speiseplan. Vom schottischen Whisky ihres Sponsors Ardbeg haben sie nur eine Flasche dabei.

„Vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer“ heißt das ehrgeizige und natürlich auch ein bisschen verrückte Projekt. Eigentlich sollte es eine Umrundung der britischen Inseln werden. „Anfangs waren wir acht Leute, die das machen wollten, dann ist einer nach dem anderen abgesprungen. Wir beide sind übriggeblieben“, fasst Jonathan kurz zusammen.
Rund um Großbritannien hätte allerdings Monate gedauert, deshalb suchten der Schotte Jonathan und der Engländer Mark ein neues Ziel: „Die Donau klang spannend. Viele verschiedene Länder und dann noch das Schwarze Meer“, erzählt Mark. Ulm wurde als Startpunkt auserkoren, weil man beim URCD schnell Anschluss fand. Dass das mit dem Schwarzwald geografisch nicht so ganz passt, störte die Briten wenig.

Zweifel am Misslingen der Mission kennen die beiden nicht, auch wenn der Start ins Hochwasser gefallen ist. „Wir sind hier in Ulm toll aufgenommen worden“, erzählt Mark: „Ohne Jörg wären wir sowieso nie angekommen.“ Mit einer Mail an den Verein, die bei Jörg Haußer gelandet ist, hat alles begonnen. Der hat bei der Logistik geholfen, auch von den Ulmer Donaufreunden kam Unterstützung. Größtes Hindernis sind die Schleusen, denn umtragen kann man die mit dem 600-Kilo-Boot nicht. Die vergangenen ungeplanten Nächte des Wartens haben Mark und Jonathan bei der Familie Leibinger verbracht. Damit leidet auch das Reisebudget nicht – schließlich sind sie ja für einen guten Zweck unterwegs.

Bislang ist nur eine weitere Station sicher: Beim Ruderklub in Vukovar werden die Briten erwartet. „Dazwischen wird sich was finden. Wir sind Ruderer, und wir wissen, dass alle Ruderer gute Jungs sind“, sagt Mark. So wollen sie sich heute aufmachen in Richtung Istanbul. Mit einer britischen und einer Ulmer Flagge an Bord, falls sich letztere noch auftreiben lässt. Noch ist nicht geklärt, ob die „Fight & Spirit“ am Donnerstag mit einer Sondererlaubnis durch die Schleuse bei Böfingen fahren kann. 
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