Zwei absolute Könner im Klosterdorment

|

Es war ein sehr ernstes, streckenweise sogar düsteres, in jedem Fall aber ungemein fesselndes Programm, das die Geigerin Nora Chastain und ihr Klavierpartner Friedemann Rieger im holzgetäfelten Dorment des Klosters Blaubeuren ihren Zuhörern präsentierten. Den Gravitationspunkt bildeten zwei schwergewichtige Violinsonaten, die gegen Ende des Ersten Weltkriegs entstanden sind.

Die eine, die berühmtere von beiden, schrieb Claude Debussy 1917, die andere stammt aus der Feder des französisch-schweizerischen Komponisten Artur Honegger. Diese beiden Werke setzen sich auf eine je völlig andere Art und Weise mit dem Weltkrieg auseinander: Entfaltet Debussys Sonate einen genuin französischen Klangrausch, dominiert in Honeggers von Chromatik zerfurchtem Werk ein grüblerischer Grundgestus. Und genau diese unter die Haut gehenden Qualitäten brachten die beiden hoch konzentriert und technisch makellos agierenden Interpreten auch überzeugend zu Gehör.

Als hätten die auf so völlig verschiedene Art sehr ernsten Werke ihre dunklen Schatten vorausgeworfen, erklang auch die einleitende Mozart-Violinsonate in F-Dur gar nicht so unbeschwert, wie man es erwarten würde. Chastain und Rieger präsentierten Mozarts Musik als "Klangrede", um eine berühmte Formulierung von Nikolaus Harnoncourt zu bemühen, und brachten so ein vermeintlich bekanntes Werk neu zum Sprechen. Zwischen Debussy und Honegger war mit Maurice Ravels 1897 entstandener aber erst posthum erschienener Violinsonate ein echter französischer Repertoireklassiker zu hören, ebenfalls fulminant dargeboten. Zwei kurze Zugaben, eine von Frank Bridge, die andere von Lili Boulanger, setzten den gekonnten Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Konzert.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ende der möglichen Jamaika-Koalition kam für viele Ulmer überraschend

Umfrage: Einige Passanten hätten sich eine Einigung gewünscht, manche finden das Handeln der FDP jedoch konsequent. weiter lesen