Zusammenschluss der Bürgerinitiativen kritisiert Bauvorhaben

Die Bürgerinitiativen gegen einzelne Bauvorhaben in Ulm haben sich zusammengeschlossen. Sie kritisieren das Vorgehen der Stadt, wollen eine bessere Bürgerbeteiligung und üben sich im Schulterschluss.

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Die schon wieder! Genervte oder, im besten Fall, gelangweilte Reaktionen kennen die Mitglieder der Bürgerinitiative Türmle inzwischen zur Genüge. Wer außerhalb dieses abgelegenen Wohngebiets am Fuß des Eselsbergs interessiert sich schon dafür, ob und wie dort gebaut werden soll? Das ging anderen Bürgerinitiativen (BI) gegen kleinere Bauvorhaben nicht anders. Doch damit soll nun Schluss sein. Getreu dem Leitspruch "gemeinsam sind wir stärker" haben sich die BI zusammengeschlossen, zu den "Bürgerinitiativen rund ums Bauen in Ulm", kurz: "Bibu".

Als die einen die Proteste der anderen verfolgten, stellten sie Parallelen fest. Überall regte sich der Ärger wegen ihrer Ansicht nach unzureichender Bürgerbeteiligung, wegen des Gefühls, von der Stadtverwaltung und einigen Stadträten nicht ernst genommen zu werden, wegen vorhabenbezogener Bebauungspläne, die Neubauten in bestehenden Wohngebieten vorsehen. "In jedem Einzelfall fällt das nicht auf. In der Masse aber schon", sagt Günter Dobrzewski von der BI Türmle.

Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen wollen nun über Bibu "die Dinge lösen, bei denen sich jeder Einzelne eine blutige Nase geholt hat", wie es Klaus Köppen formuliert. Er wohnt in der Nachbarschaft der früheren Klinik Söflingen und fürchtet eine "massive und überdimensionierte" Neubebauung. Sie soll über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan umgesetzt werden.

Diese Pläne, die sich nur auf ein einzelnes Projekt oder ein kleines Gebiet beschränken, stehen bei den Bibu-Leuten besonders in der Kritik. Diese Pläne hätten stets negative Auswirkungen auf die langjährigen Anwohner. Ihre Bedürfnisse müssten hinter denen des Investors zurückstehen. "Ein Markt, der gerade brummt, wird bedient", sagt Dobrzewski. "Die Investoren sind die treibende Kraft." Häufig werde in diesem Zusammenhang von günstigem Wohnraum gesprochen, der in Ulm fehle. "Gebaut wird er aber so gut wie nicht", meint Regine Bogner, auch sie von der BI Türmle.

Bibu kritisiert auch die Art der Bürgerbeteiligung. Die Betroffenen würden allenfalls informiert, nicht aber wirklich beteiligt. "Ein Investor hat ein Ziel, Architekten planen, eine Jury entscheidet - und dann sind nur noch marginale Änderungen möglich", sagt Köppen. "Das ist das Zuckerle, das man uns hinhält."

Er ist zudem der festen Überzeugung, dass in Ulm deutlich mehr Wohnungen gebaut werden als benötigt. Die Zahl der Wohnungen, die in den nächsten Jahren gebaut werden sollen, wurde 2011 in der Wohnungsbaudebatte festgelegt. Bis 2016 sollen es demnach 1715 Wohnungen sein, sagt Köppen, rund 300 pro Jahr. Er hat akribisch nachgerechnet, Listen angelegt, jeden geplanten Neubau gezählt und dafür abgerissene Häuser abgezogen - und kommt auf eine andere Zahl: 592 Wohnungen pro Jahr.

Eine mühsame Arbeit, sagt Köppen. Wie es ohnehin äußerst schwer sei, den Wissensvorsprung der Verwaltung "wenigstens ein bisschen" aufzuholen. Er und seine Mitstreiter sind davon überzeugt: Auch Stadträte sind überfordert und der Verwaltung nicht gewachsen.

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Kommentare

19.08.2012 11:50 Uhr

Zusätzliche Wohnungen in vorhandenen Wohngebieten

Aus Gründen des Umweltschutzes ist es wesentlich besser, bestehende Wohngebiete etwas zu verdichten als auf der grünen Wiese immer neue Flächen zu verbrauchen. Außerdem lässt sich durch verdichtete Bauweise bzw. höherer Geschosszahl pro Wohnung mit geringeren Kosten bauen. Ich bin klar auf seiten der Stadtverwaltung. Den überzogenen Eigeninteressen Einzelner müssen Grenzen aufgezeigt werden.

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