Zum ersten Mal an der Donau

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Von Chisinau nach Ulm: Als Gasttänzerin wird Diana Baltatescu fünfmal auf der Bühne stehen.  Foto: 

Treibgut: So heißt das choreographische Musiktheater, das der in London lebende rumänische Komponist und Violinist Alexander Balanescu exklusiv fürs Ulmer Donaufest komponiert hat und das am 1. Juli uraufgeführt wird. Der Titel passt auch zu Diana Baltatescu – wenngleich sich für eine zarte Ballerina gewiss charmantere Begrifflichkeiten ziemen. Aber da gibt’s nichts zu deuteln: Das Donaufest hat die 19-Jährige aus der moldawischen Hauptstadt Chisinau nach Ulm gespült. Als Gastänzerin wird sie fünfmal auf der Bühne stehen.

Moldawien, oder korrekt: die Republik Moldau, liegt zwar an der Donau. Aber das hat eigentlich nur statistische Relevanz. Das Land zwischen Rumänien und der Ukraine ist der mit Abstand kleinste Anrainerstaat. Nur auf einer Länge von 570 Metern berührt der Strom den südlichsten Zipfel des Landes. Da überrascht es nicht, dass Diana Baltatescu die Donau während ihrer Ulm-Stippvisite zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hat. Im Bewusstsein ihrer Landsleute spiele die „Dunarea“ keine nennenswerte Rolle, sagt sie. „Früher, als wir mal Teil von Rumänien waren, war das vielleicht anders.“

Seit der zweiten Klasse tanzt Diana. Sechs Jahre lang hat sie eine professionelle Ausbildung an einem Ballettkollegium erhalten. Jetzt studiert sie an der Tanz- und Musikakademie in Chisinau, einer nationalen Hochschule, die den Schwerpunkt auf Volkstanz legt – der freilich wenig mit dem zu tun hat, was Deutsche unter Volkstanz verstehen. Die Erfahrung mit Treibgut sei etwas völlig Neues  für sie. „Ich hatte nicht erwartet, dass ich mit einer Compagnie in einem so langen Stück tanze.“

Auch wenn sie als Tänzerin in Ensembles schon herumgekommen ist – Ukraine, Russland, Rumänien, China– ist ihr Gastspiel in Deutschland der erste Solo-Trip. Klar, haben ihre Eltern, bei denen sie noch lebt, Angst gehabt. Zumal sie die Sprache des Gastlandes nicht spricht und auch kein Englisch kann. Perfekt zweisprachig ist Diana wie das Gros der Moldauer dennoch. Sie spricht moldawisch, das dem Rumänischen fast bis aufs I-Tüpfelchen gleicht, und Russisch, die Verkehrssprache der ehemaligen Sowjetunion, zu der das Land bis 1991 gehörte.

In der Zweisprachigkeit offenbart sich auch die Zwiespältigkeit des Landes. „Ein Teil der Menschen fühlt sich eher zum Osten hingezogen, der andere mehr zum Westen.“ Und sie selbst? „Mir gefällt Moldawien so wie es ist. Als kleines, eigenständiges Land.“

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