Zong raus! Närrisches Wochenende mit Ulmzug und Monsterkonzert

Ulm ist Narrenhochburg. Zumindest war das am Wochenende so. 5500 Hästräger und Musiker liefen beim "Ulmzug" durch die Innenstadt mit, am Abend zuvor bliesen Gugga-Musiken zum Monsterkonzert.

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„Ulmzug“ Der erste Wagen, der den Narrensprung anführte, war kein Fasnetswagen, sondern ein Polizeiauto. Gleich dahinter wurde es lustig – mit Hennen und Hühnern in knalligen Fellanzügen, die auf Spülbecken trommelten. Anschließend trat die Narrenzunft Ulm auf, angeführt vom Bauer, gefolgt von den Schemen Deifl, Narrensamen und Zunftrat.

88 Zünfte und Musikgruppen zogen durch die Ulmer Innenstadt, bei milden Temperaturen und trockenem Wetter. Was sicher auch ein Grund war, dass laut Polizei 15.000 Ulmer am Straßenrand standen. Verkleidet waren natürlich die Kinder. Kleine Polizisten, Hexen und Pippi Langstrumpfs rannten nach den Süßigkeiten. Die Narren brachten nicht nur Bonbons unter die Leute. Da waren etwa die „Brotfresser Bodnegg“, die Brötchen verteilten oder die Affen des Vereins „Affenfamilie Ankenreute“. Sie verteilten Erdnüsse.

Am Ende, kurz nach 16 Uhr, waren alle zufrieden. Das sagt zumindest Bernd Haas, im Zunftrat der Narrenzunft Ulm für die Pressearbeit zuständig. Kann man in Ulm, in einer Großstadt, Narrensprung feiern? Das hätten sich laut Haas viele Auswärtige gefragt. Und erlebt: „Man kann.“ Am Abend hätte der 21 Meter hohe Narrenbaum auf dem Münsterplatz versteigert werden sollen. Hätte. Doch die Stimmung im Festzelt auf dem Münsterplatz war einfach zu gut. „Wir konnten einfach nicht unterbrechen“, sagt Haas. Jetzt wird sich die Narrenzunft etwas einfallen lassen, dass der eigentlich Begünstigte der Versteigerung, das Aufschnaufhaus, zu Geld kommt. Der Narrenbaum bleibt bis Aschermittwoch stehen, damit jeder sehen kann: Auch in Ulm ist Lustigsein erlaubt!

Im Jahr 1992 haben „90 verrückte Narren“ in der Kirche St. Georg die Narrenzunft Ulm gegründet. So erzählte es beim Empfang der Zunftmeister im Kornhaus „Wolle“ Dieminger, der damals bei der Gründungsversammlung zum ersten Zunftmeister gewählt wurde. Grund genug für die Narren, Jubiläum zu feiern. 22 Jahre – ein Jubiläum? „Ja, ein närrisches“, sagt Haas. Mittlerweile hat die Narrenzunft 450 Mitglieder – für Haas ist die sie eine Erfolgsgeschichte, zumal ein Drittel der Mitglieder unter 18 Jahre alt sind.

Der aktuelle Zunftmeister Gerhard „Gegge“ Wies begrüßte nach einem Auftritt der Blech Beat Gugga „Bieranjas“ aus der Schweiz die anwesenden Narren mit „Zong“ – und erntete zunächst nur ein müdes „raus“. Was ihn verleitetet zu fragen: „Schlafet ihr no?“ Der Ulmer Bürgermeister Gunter Czisch gratulierte und applaudierte jenen, „die sich in Ulm die Narretei nicht haben verbieten lassen“. Was wiederum Czisch Applaus einbrachte.

Monsterkonzert Ein ohrenbetäubendes Spektakel – das dröhnte am Samstagabend auf dem Münsterplatz. 21 Gugga-Musiken aus Deutschland, Lichtenstein, Österreich und der Schweiz spielten dabei mehr oder weniger zusammen. Zumal die „Tuarbaguger – Eschen“ aus Liechtenstein noch die Instrumente getauscht hatten. Damit es sich noch schräger als schräg anhört? „Nein“, sagt Schlagzeuger Mike, der sich eine Posaune geschnappt hatte. „Wir tauschen Instrumente, um zu sehen, ob das etwas für den Einzelnen wäre.“

Den gesamten Nachmittag über hatten die Musiker auf Bühnen in der Innenstadt gespielt und zwar auf Einladung der „Blech Beat Gugga“ aus Oberelchingen. Die Musiker feierten auf diese Weise ihr zehnjähriges Bestehen.

Seinen Abschluss fand das im Monsterkonzert. Mike fasst es so zusammen: „Das Publikum ist super, wir haben Lieder, die die Leute mitziehen. Vor dem Münster zu spielen ist unglaublich.“

 

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