Zoff um Sparkassen-Schriftzug

Am Brückenhaus, gleich über der Einfahrt zur Donauinsel und zum Schwal, hängt seit Neuestem der große Schriftzug „Sparkasse“. Darüber wundern sich nicht nur Passanten, sondern auch Stadträte.

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In dieser Woche montiert und schon in der Kritik: Mit diesem Schriftzug am Eingang zur Donauinsel und zum Schwal sind Neu-Ulmer Stadträte gar nicht einverstanden. Und auch in der Stadtverwaltung war die erteilte Befreiung von den Vorgaben des Bebauungsplans nicht unumstritten.  Foto: 
„Sparkasse“. Die Buchstaben sind rot, nachts werden sie leuchten. Der Schriftzug, 1,24 Meter hoch und 7,5 Meter lang, wurde in den vergangenen Tagen an das Brückenhaus der Sparkasse montiert, direkt über der Einfahrt, wo man auf die Donauinsel und weiter bis zum Schwal gelangt. Die einzige Zufahrt übrigens. Passanten bleiben verwundert stehen, mitunter kommt ihnen ein Kommentar wie „Sch. . .!“ über die Lippen. Auch Neu-Ulmer Stadträte sind verwundert, mitunter sogar verärgert.

Beispielsweise Grünen-Fraktionschef Rainer Juchheim: „Monumental und unangebracht“, sagt er. „Damit wird der Eindruck erzeugt, als ob die ganze Donauinsel und der Schwal Eigentum der Sparkasse sind.“ Juchheim wundert sich, warum mit dem Thema nicht der Stadtrat oder ein Fachausschuss befasst waren. „Wir müssen sonst jede Werbetafel absegnen, die am Straßenrand aufgestellt wird.“

Auch FWG-Fraktionschefin Christina Richtmann gefällt der Schriftzug überhaupt nicht: „Das ist im öffentlichen Raum absolut unangebracht. Als ob sich dahinter nur noch die Sparkasse befindet!“ Auf den Plänen, die sie kenne, sei dieser Schriftzug nicht zu sehen gewesen, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Antje Esser. „Ich finde es nicht korrekt, dass sich die Sparkasse so in den Vordergrund stellt. Hinter dem Schriftzug verbirgt sich nicht nur die Sparkasse, sondern eine Vielzahl von anderen Nutzungen.“

In der Tat war der Schriftzug kein Thema im Stadtrat, auch nicht im Fachausschuss für Hochbau und Bauordnung. „Das muss auch nicht sein, das sieht unsere Geschäftsordnung gar nicht vor, denn es handelt sich um einen gültigen Bebauungsplan“, sagte dazu der städtische Justiziar Thomas Hofmann, zuständig auch für die Bauordnung. Hofmann bestätigt aber, dass die Stadtverwaltung den von der Sparkasse Neu-Ulm gestellten Antrag auf eine Befreiung von den ursprünglichen Vorgaben des Bebauungsplans positiv beschieden hat. Sprich: Der Schriftzug war so beim Bebauungsplanbeschluss nicht vorgesehen.

Dem Vernehmen nach sind über den Schriftzug nicht alle damit befassten Stellen in der Neu-Ulmer Stadtverwaltung glücklich, vor allem nicht in der Abteilung Stadtplanung. Das Ganze geschah offensichtlich allein auf Anordnung von OB Gerold Noerenberg, der gleichzeitig Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse ist. Keinen Kommentar wollte Stadtbaudirektor Markus Krämer zu der Sache abgeben. Auf Nachfragen gab er aber zu, „dass schon der Eindruck entstehen kann, als ob es an dieser Stelle allein zur Sparkasse geht“. Was die einst kontrovers diskutierte Frage betrifft, ob das Brückenhaus nicht die Durchlässigkeit zur Donauinsel und zum Schwal beeinträchtigt, „ist der Schriftzug schon kontraproduktiv“, meint Krämer. Die Verwaltung mit dem OB an der Spitze habe aber entschieden, „dass mit dem Schriftzug keine Grundzüge der ursprünglichen Planung betroffen sind“. Auch die Reduzierung der Durchfahrtshöhe wurde als unproblematisch bewertet. Wäre das alles nicht der Fall gewesen, wäre das Thema im Stadtrat aufgeschlagen. Auch wenn er es nicht so deutlich formuliert, geht aus Krämers Aussagen hervor, dass er über den Schriftzug ziemlich unglücklich ist.

Der im Urlaub weilende OB gab dazu keine Stellungnahme ab. Auf die Frage, ob der Schriftzug an dieser Stelle passend ist, antwortete die Pressesprecherin der Stadt: „An Geschmacksdiskussionen beteiligen wir uns nicht, da es hierbei um rechtliche Entscheidungen geht.“

Neue Sparkassen-Geschäftsstelle öffnet am Montag

Rückkehr Die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen kehrt auf die Donauinsel zurück. Die Eröffnung des neuen Service Points im fast fertiggestellten Brückenhaus, wie die alte Schalterhalle jetzt heißt, wird am Montag, 10. August, sein. Die Öffnungszeiten sind montags bis mittwochs von 9 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 16 Uhr. Neu sind Öffnungszeiten samstags von 10 bis 13 Uhr. An den Service Points können Sparkassen-Kunden ihre Geschäfte dann mit einem Mitarbeiter erledigen. Gleichzeitig wird ein 24 Stunden Selbstbedienungsinsel eingerichtet. Integriert wurde dort auch ein Kinderbereich und eine Espresso-Bar.

Einweihung Die offizielle Einweihung des Brückenhauses findet mit einem Festakt am 17. September statt. Am 19. September ist ein Tag der offenen Tür vorgesehen.

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka: Perfekte Seilschaft

Der Vorstandsvorsitzende der Neu-Ulmer Sparkasse Dr. Armin Bruger und der Neu-Ulmer OB Gerold Noerenberg verstehen sich prächtig. Manche sprechen von einer perfekt funktionierenden Seilschaft, die freilich problematisch wird, wo der OB eigentlich die Interessen der Stadt vertreten und als Chef des Verwaltungsrats – also dem Organ, das die Sparkasse kontrolliert – den dort Verantwortlichen auf die Finger schauen müsste.

Die Wünsche der Sparkasse hat der OB immer erfüllt. So musste sich der Stadtrat auf die Hinterbeine stellen, um vor dem Bau des umstrittenen Brückenhauses wenigstens einen kleinen städtebaulichen Wettbewerb durchzuführen. Der OB hatte die ersten Pläne durchgewinkt, am Stadtrat vorbei.

Dass die Sparkasse Zusagen gerne vergisst, zeigen auch die sündhaft teuer verkauften Wohnungen und Geschäftsräume droben im Brückenhaus. Den Stadträten sollte das Objekt einst damit schmackhaft gemacht werden, dass dort der Sparkassen-Saal und eine Aussichtsplattform für alle Bürger eingerichtet werden.

Jetzt ist der Schriftzug am Brückenhaus erneut ein Beleg dafür, wie dreist die Sparkasse ihre Interessen durchsetzen darf. Nein, das durchs Brückenhaus entstandene Portal ist definitiv nicht nur der Weg mitten hinein ins Reich der Sparkasse, sondern auf die Donauinsel samt Schwal. Diesen hat die Sparkasse jetzt für sich vereinnahmt. Der OB hat dafür den Weg bereitet – wieder einmal am Stadtrat vorbei.

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Kommentare

11.08.2015 23:26 Uhr

@ Herrn Bittrich

Es ging darum, was über der Durchfahrt steht, und nicht darum, wie die Bushaltestellen heißen.

Aber kurz dazu: Die Haltestelle heißt ZUP (Zentraler UmsteigePunkt), das ist allerdings nicht weniger grässlich.

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10.08.2015 22:46 Uhr

Antwort auf „Sparkassen-Schriftzug”

Er ist doch nicht erleuchtet oder?

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10.08.2015 22:43 Uhr

Über der Bus-Spur durch die Glacis-Galerie steht auch fett "Glacis-Galerie" und "Media-Markt", und...

Das ist nicht war ! Im Bus steht " Petrus Platz" und als nächstes" ZUB" als Synonym für "Zentralen Umsteige Bereich" . (Grässlich genug)

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10.08.2015 22:23 Uhr

Sparkassen-Schriftzug

Die Kommentare belegen es deutlich!

Man empfindet den " überheblichen Schriftzug " am Bau des millionenverschlingenden Inselbaus als neue Provokation der "Sparkasse" ! Vielleicht kann man ihn noch nachts beleuchten ?

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10.08.2015 20:06 Uhr

Interessant, über was sich Menschen aufregen können. Da steht "Sparkasse" und nicht "Willkommen auf der Sparkasseninsel!" Und wo "Sparkasse" dran steht, ist auch Sparkasse drin. Oder nicht?

Ich finde den Schriftzug ganz hübsch, allerdings würde er besser wirken, wenn die Buchstaben etwas größer und etwas weiter vorne montiert worden wären.

Ach, übrigens: Über der Bus-Spur durch die Glacis-Galerie steht auch fett "Glacis-Galerie" und "Media-Markt", und trotzdem führt der Durchweg in kein Media-Land und auch zu keiner Galerie, sondern zum Bahnhof und zum ZUP. Habt ihr das auch schon bemeckert?

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09.08.2015 11:54 Uhr

Baustelle und Straßenbaustelle "Donauinsel"

Als Anwohner auf der Donauinsel könnte ich ohne Ende Geschichten darüber erzählen, wie die Anwohnern während der Bauzeit unter den (zusätzlichen, zeitverlängerten) Strapazen leiden mussten.
Auch, unsere Privat-PKWs (Betonbelästigungen) könnten berichten.

Nun aber jeden Tag als Sparkasseninselbewohner begrüßt zu werden, geht dann doch deutlich zu weit.

Eine große Portion Donauinsel-Geschichts-Demut würde den Sparkassenverantwortlichen, einschließlich dem OB, nach den vielen vergangenen Kapriolen sicherlich besser zu Gesichte stehen.

Frank Jenkel

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07.08.2015 22:23 Uhr

Bausünde mit Schriftzug

tja, die Sparkasse...schafft es immer wieder negativ aufzufallen...

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07.08.2015 13:42 Uhr

Antwort auf „wenn jeden Tag unzählige Bürger beim Vorbeispazieren”

Das reicht aber nicht man muß die Bank wechseln und das dann am Schalter auch deutlich sagen. Nur über die Finanzen merken sie etwas.

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07.08.2015 11:44 Uhr

wenn jeden Tag unzählige Bürger beim Vorbeispazieren

im neueröffneten SERVICE-POINT (???)
ihren Unmut über diese Geschmacklosigkeit kundtun
und eine Mail nach der anderen beim urlaubenden OB im Postfach liegt, dann werden wir diesen leuchtenden Schriftzug nicht lange ertragen müssen!

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07.08.2015 08:10 Uhr

Und wieder einmal

ist die Politik überrascht, was Banken und Wirtschaft treiben. Kleinerer Maßstab, gleiche Wirkung.

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