Zoff um Anmeldungen bei Ferienfreizeiten

Wohin mit dem Kind in den Ferien? Viele Eltern sind auf die Ferienfreizeiten angewiesen. Dumm nur, wenn man beim Anmeldetermin zwar pünktlich ist, aber dennoch keinen Platz mehr bekommt.

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Anstehen fürs Ruhetal: Schlangen und campende Eltern um sechs Uhr morgens sind keine Seltenheit.  Foto: 
Kinder in Baden-Württemberg haben in diesem Jahr 86 Tage Ferien, Eltern haben jedoch durchschnittlich 30 Tage Urlaub. Wohin dann mit dem Kind? Es mag Eltern geben, die getrennt Urlaub nehmen, nur um ihr Kind zu betreuen. Schöne Familien-Ferien sehen anders aus. Deswegen sind viele Eltern über Ferienfreizeiten froh.

Doch bei der Anmeldung fängt der Ärger mitunter an. Insider ergattern einen Platz, die Mehrheit guckt in die Röhre. So verhielt es sich bei der Anmeldung zum „Sommerrabatz“, dem Ferienprogramm für Grundschulkinder. Kürzlich bewarben Charivari-Mitarbeiter dieses Angebot in den drei Innenstadtgrundschulen, der Martin-Schaffner-, Friedrichsau- und Spitalhofschule. Flyer wurden ausgeteilt. Nur über die Anzahl der Plätze stand darin nichts zu lesen.

Als Anmeldetermin war der 16. Mai um 17 Uhr in der Martin-Schaffner-Schule vermerkt. Als Eltern dort kurz vor 17 Uhr ankamen, waren alle 80 Plätze inklusive der zwölf zusätzlichen Wartelistenplätze bereits vergeben. Wie kann das geschehen? Der Veranstalter hatte schon eine Stunde früher Nummern ausgegeben, die für die Anmeldung notwendig waren. Als dies um 17 Uhr den Leuten klar wurde, schimpften viele: „Ich fühle mich auf den Arm genommen“ und „absolute Verarschung“ hieß es.

Ein Vater (Name der Redaktion bekannt) bringt es so auf den Punkt. „Mir stinkt das Nummernsystem. Woher hätte ich das wissen sollen? Es darf doch nicht sein, dass nur Eltern mit Insiderwissen zum Zuge kommen.“ Andrea Sauter vom Charivari bedauert, die Eltern verärgert zu haben. „Nächstes Jahr werden wir darauf hinweisen, dass die Plätze begrenzt sind und deshalb ein frühes Erscheinen empfohlen wird.“ Der Ablauf sei anders nicht zu organisieren. Man verfahre nach dem Motto: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Die Stadtranderholung  „Ruhetal“  gibt es mittlerweile in Ulm seit 60 Jahren. Und seit dieser Zeit habe man kein System zur Anmeldung gefunden, das „wirklich gerecht“ ist, sagt der Diakon Dietmar Oppermann bedauernd. Oppermann ist im evangelischen Kirchenbezirk unter anderem zuständig fürs Ruhetal.

Das Ruhetal bietet Betreuung in den Sommer- und Pfingstferien an. Für Eltern ist das ein attraktives Angebot. So attraktiv, dass es am Tag der Anmeldung mitunter zu grotesken Situationen kam.  Mitunter campierten die Eltern vor den Anmeldeorten , ließen sich sogar einschneien, um ja zum Wunschtermin einen Platz zu ergattern.

In diesem Jahr wurden die Anmeldungen im Café Jam am Münsterplatz 21 vorgenommen. Nachts um drei Uhr bei minus fünf Grad stand sich da auch Anja Maier aus Ulm die Beine in den Bauch. Die pure Betreuungsnot trieb sie hin, denn die Maiers haben niemanden, der die siebenjährige Tochter in den Ferien aufnehmen kann. „Das Anstehen war auszuhalten“, sagt Anja Maier. Zwei Stunden habe sie gewartet und später dann für ihre Tochter einen Platz bekommen.

„Unser System ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Oppermann. An die Eltern wurden in der Nacht Nummern verteilt und ihnen wurde eine Zeit genannt, zu der sie sich vormittags in Listen eintragen konnten. So habe man die „Situation entzerren“ wollen. „Wir können Eltern nicht stundenlang draußen stehen lassen.“ Zudem fühlten sich Wochenmarktbeschicker von den Wartenden gestört. Aber was ist mit Alleinerziehenden, die sich keinen Babysitter leisten können? Sie gingen oft leer aus. Auch deshalb will Oppermann das System ändern.

Er und seine Mitarbeiter liebäugeln mit einer Online-Anmeldung. Oppermann verspricht sich davon eine „Vereinfachung des Procedere“. Derzeit werde geschaut, wie sie in anderen Freizeitheimen funktioniere. Im Januar wolle man übers Anmeldesystem entscheiden.

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