Zivile Notfallmedizin profitiert von Militär-Erfahrung

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„Unfallopfer und andere Verletzte wissen: Wenn der gelbe Rettungshubschrauber Christoph 22 auftaucht, werden sie gut versorgt.“ Ralf Hoffmann, Chefarzt des Ulmer Bundeswehrkrankenhauses, erinnerte zum Auftakt des Mitteleuropäischen Flugrettungssymposium im Stadthaus daran, dass es die fliegenden Ulmer Notärzte auf 1650 Einsätze jährlich bringen. Das könnten bald noch mehr werden.

Derzeit fliegt Christoph 22 nur tagsüber und bei brauchbaren Sichtverhältnissen. Wenn der ADAC, der den Hubschrauber samt Piloten stellt, die Maschine wie geplant gegen eine neue austauscht, könnte der Ulmer Hangar auf Dauerbetrieb umgestellt werden. So wie vor wenigen Tagen das Flugrettungszentrum in Villingen-Schwenningen. Das werde in Ulm aber frühestens in zwei bis drei Jahren so weit sein, sagte Björn Hossfeld, Oberarzt und einer der Hauptorganisatoren des Symposiums.

Zuerst müssten sich die Rettungsteams an die neue Maschine gewöhnen, die Piloten trainiert werden. Allein das dürfte ein Jahr in Anspruch nehmen, sagte Christian Balta, Regionalleiter Flugbetrieb Süd der ADAC-Flugrettung. Ein Rettungszentrum nach dem anderen rüste man um. Nachts gebe es zwar zahlenmäßig weniger Einsätze als tagsüber. Dafür seien es oft die schwereren, bei denen schnellstens ein Arzt vor Ort sein sollte: die Disco-Unfälle und die frühen Fahrten zur Arbeitsstelle. Bereits jetzt sollen die Einsatzstunden des Hubschraubers deutlich verlängert werden, sagte Hossfeld.  

Gäste aus Europa

Am Symposium im Stadthaus nahmen Notfallmediziner aus Österreich, der Schweiz, Norwegen und Großbritannien teil. Dass Bundeswehrärzte, zivile Notärzte und Polizei gemeinsam Pläne für Kriseneinsätze bei Amokläufen und Terroranschlägen diskutieren, wäre noch vor wenigen Jahren unmöglich gewesen, sagte der Chef der Anästhesie-Chef des Bundeswehrkrankenhauses, Lorenz Lampl.

Bedenken wegen einer befürchteten Militarisierung der Notfallmedizin hätten das unmöglich gemacht. Ereignisse wie der Amoklauf in München oder die Terroranschläge in Europa haben zum Umdenken gezwungen. Es gehe nicht um eine Militarisierung, versicherte Professor Matthias Helm, Leiter der Notfallmedizin am BWK. Die zivile Notfallmedizin könne aus den Erfahrungen der Bundeswehrärzte für solche Einsätze lernen.

Hossfeld und Florent Josse, einer der Intensivmediziner der Klinik, berichteten, was die taktische Notfallmedizin von der zivilen unterscheidet: Beim schweren Unfall auf der Autobahn bestimmen allein die Patienten das Vorgehen der Notärzte. Wenn sie ankommen, ist die Autobahn gesperrt und sie können sich auf die Unfallopfer konzentrieren. Bei einem Terroranschlag bestimmt die taktische Lage ihren Einsatz.

Verletzte aus einem Bereich zu bergen, in dem geschossen wird oder eine Bombe hochgehen könnte, sei allein Aufgabe der Spezialkommandos der Polizei. „Wir müssen da unser Helfersyndrom wegpacken“, sagte Josse. Ein toter Helfer nütze keinem. Erst in einem sicheren Bereich können die Mediziner lebensbedrohliche Verletzungen notdürftig versorgen und die Opfer transportfähig machen. Hubschrauber kommen erst zum Einsatz, wenn es gilt, diese Verletzten so schnell wie möglich in eine Klinik zu fliegen oder überlastete Kliniken zu entlasten, indem sie Patienten auf weiter entfernte Krankenhäuser verteilen.

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