Zeitgemäßer Schluss für Goethes "Stella"

Das Ende von "Stella" hat Goethe später umgeschrieben. Mit der Inszenierung des Stücks an der AdK hat es nun eine weitere Schluss-Variante.

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Reigen der empfindsamen Seelen: "Stella". Foto: Oliver Schulz

Ein Skandal war seinerzeit das Ende von Goethes "Stella". Die Liebe Fernandos zu zwei Frauen ließ der Stürmer und Dränger 1776 in einer Ménage à droit enden. Später schrieb er den Schluss um: zwei der drei Hauptpersonen sterben.

Die Inszenierung an der Akademie für darstellende Kunst hat dem Stück nun einen zeitgemäß offenen Schluss verpasst, wenn es mit Stellas Versen endet: "Wunden die das Herz dem Herzen schlägt. . . die sind unheilbar." Eine Lösung der Liebe von Cäcilie und Stella zu Fernando, die sich in einer Poststation zufällig wieder treffen, gibt es nicht.

Regisseurin Julia Zürcher macht aus "Stella" ein Kammerspiel mit wenigen Requisiten (Bühnenbild: Günther Brendel) und reduzierter Handlung. Helen Hagmüller gibt eine empfindsam-verspielte Stella, die ihren Schmerz durch äußere Heiterkeit zu überspielen versteht; immerhin wurde sie einst von Fernando, mit dem sie 16-jährig durchgebrannt ist, verlassen.

Cäcilie ist, ohne es zu wissen, was Fernando angeht, Stellas Gegenspielerin, denn der ist ihr Ehemann, mit dem sie die Tochter Lucie hat und von dem sie wegen Stella verlassen wurde. Anna-Lena Lennermann spielt die aristokratisch gefasste Cäcilie stoisch-starr, die jegliche Empfindsamkeit in sich verschließt. Empfindsamkeit als innere Haltung wird hier besonders deutlich. Sabrina Arndt gibt die naive Tochter gekonnt verspielt und heiter, wie Birgit Werner als Postmeisterin ein possenstarkes, bürgerliches und leicht ironisches Gegenstück zu den Damen bildet.

Der zwischen Stella und Cäcilie hin und hergerissene Jonas Lüders als Fernando hat es besonders schwer und spielt dann stark, wenn sich seine Gefühle emphatisch äußern. Wieso er in ruhigen Momenten apathisch über die Bühne wanken muss, wird inszenatorisch nicht klar. Trotzdem: Wenn "Stella" für heutige Zuseher mit all den empfindsamen Seelen nicht leicht zu fassen ist, so ist diese Inszenierung eine gelungene heutige Variante.

Info Weitere Vorführungen: 31. Mai und 1. Juni, jeweils 20.15 Uhr.

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