Renovierung Edwin Scharff Museum: Zeit zum Nachdenken

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Die Phase des Destruktivismus hat begonnen. Im Erdgeschoss des Edwin Scharff Museums ist nichts mehr wie es vorher war: Wände sind herausgerissen, ein Berg zerbrochener Rigipsplatten, verbogener U-Schienen und Dämmplatten versperrt den Durchgang vom Flur zum Haupteingang, Kabel hängen von der Decke. „Zurzeit wird nur abgebaut“, sagt Museumsleiterin Helga Gutbrod dennoch gut gelaunt. Schließlich sieht die Zukunft umso besser aus.

Im Oktober haben die Umbauarbeiten des seit 1999 bestehenden Museums begonnen. Für rund 3 Millionen Euro wird unter anderem der Eingang nach links verlegt – er war bisher von der Petruskirche verdeckt, – im Foyer werden die Kasse, der Museumsshop und ein Café eingerichtet. Der Bereich zum Museum soll mit einer beweglichen Glasscheibe getrennt werden, so dass Cafégäste im Sommer in den Garten sitzen können, auch wenn die Einrichtung geschlossen ist.

Ohrstöpsel erwünscht

Das Museum wird barrierefrei gestaltet und es wird „die Technik erneuert“, sagt Gutbrod. Für die Museumsleiterin ein Gewinn, denn bislang verbrachten die Kunstwerke ihr Dasein lediglich in temperierten Räumen. „Künftig sind sie klimatisiert“, sagt sie, was für den Erhalt der eigenen Stücke sowie für wertvolle Leihgaben einfach eine notwendige Voraussetzung ist. Auch die Brandschutz- und die Alarmanlage werden ausgetauscht. Die Umbauarbeiten wurden im Erdgeschossbereich begonnen, auch im Altbau. Dort sitzt Helga Gutbrod zusammen mit ihrem Team noch immer in den Büros im Dachgeschoss – „trotz Bohrgeräuschen, Rumplern und Gehämmer“, wie sie den Baulärm beschreibt. Den eigens zur Verfügung gestellten Fluchtraum im Gebäude der LEW habe man noch nicht genutzt, „aber auf meiner Einkaufsliste stehen Ohrstöpsel“.

Obwohl das Museum geschlossen ist – sämtliche Exponate sind Ende September ausgelagert worden – hat das Team genug zu tun.  Der Bestand wird begutachtet, geordnet, fotografiert und digital erfasst. „Das ist schon eine Menge, schließlich ist nur ein Bruchteil im Museum ausgestellt“, erklärt die Kunsthistorikerin. Der Vorteil: Werke wie etwa 8000 Zeichnungen des Künstlers Edwin Scharff können ins Netz gestellt werden und so den Zugang für Wissenschaftler und Museen erleichtern.  „Momentan wissen wir zwar was existiert, aber wir müssen bei Anfragen danach suchen.“

Zeit zum Nachdenken hat das Team auch über die Konzeption der ständigen Sammlungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger – „wir wollen künftig in die mediale Vermittlung gehen“, sagt Helga Gutbrod. Soll heißen, wer keine Führung in Anspruch nimmt, kann sich künftig per Kopfhörer orientieren und bilden.  „Allein das Füttern der Medien dauert.“ Und die Ausstellungen der kommenden Jahre werden ebenfalls schon geplant.

Wann die Wiedereröffnung ist, vermag Helga Gutbrod nicht zu sagen. „Bei so einer Baustelle geht das gar nicht. Irgendwann im Herbst halt.“ Bis dahin werde das Museum im Rucksack auf Reisen durch die Schulen gehen. Zwei Pädagogen führen mit den Partnerschulen die Ganztages-Arbeitsgruppen weiter. Zudem könnten sich Schulklassen für das Projekt „Museum im Rucksack – das Edwin Scharff Museum unterwegs“ weiter anmelden.

Auch das Team sei in verschiedenen Einrichtungen wie der Stadtbücherei Neu-Ulm, der Frauenakademie und der Ulmer vh unterwegs, hält Vorträge und regt Gespräche über Kunst an. „Das alles sieht man auf der Homepage des Museums, die übrigens auch überarbeitet wird.“

Info Veranstaltungen und den Blog, der über den Stand der Dinge im Museum berichtet, findet man unter edwinscharffmuseum.de

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