Zehn Minuten. . . einen Durchreisenden begleitet

Wie ist es, mit dem Fahhrad in Ulm auf der Durchreise zu sein? Ohne Navigationsgerät. Eindrücke aus zehn Minuten.

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  • Ausnahmsweise auf dem Rad: Andreas Eller durchquert Deutschland von Süd nach Nord zu Fuß. Foto: Lisa Maria Sporrer 1/2
    Ausnahmsweise auf dem Rad: Andreas Eller durchquert Deutschland von Süd nach Nord zu Fuß. Foto: Lisa Maria Sporrer
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Es sind nur acht Sekunden, in denen die Kreuzung nicht befahren ist. Wenn die Autos auf der Neutorstraße gerade Rot bekommen und der Querverkehr in der Karlstraße noch warten muss. In diesen acht Sekunden irrt ein Mann über die Kreuzung. Ohne Eile und den Blick nach oben gerichtet. Andreas Eller sucht das Straßenschild. Sein Fahrrad hat er einfach so am Straßenrand abgestellt. In der Hand hält er einen Stapel Karten, auf denen eine Straße fett markiert ist. Jetzt muss er nur noch herausfinden, welches diese Straße ist.

Aber von Anfang an: Andreas Eller ist Architekt. Eigentlich. Denn der 44-Jährige tourt gerade durch die Lande. Um genau zu sein von Süd nach Nord. Und zwar zu Fuß - vom Allgäu bis zur Nordsee. An die 35 Kilometer pro Tag. Er ist nicht wirklich ein Wander-Freak, und er sucht in der Einsamkeit des Weges auch keine Einsichten in den Sinn des Lebens. Es ist eher eine Einsicht in die finanzielle Notwendigkeit. Denn er ist Produzent und Referent von Multivisionsvorträgen. Er ist schon mit dem Fahrrad durch Ägypten gefahren und hat sich auf den Weg vom Ganges zum Himalaya aufgemacht. Vor zwei Jahren hat er 750 Kilometer durch das Arktische Kanada zurückgelegt. Seine Erfahrungen und Erlebnisse hat er zu Vorträgen verarbeitet.

Das hat er auch mit seiner Deutschlandtour vor. "Es sind die besonderen, nicht alltäglichen Dinge, die mich interessieren", sagt er. Einen Programmpunkt hat er schon: Im Allgäu hat er einen Almhirt bei der Käseherstellung über die Schultern schauen dürfen. Dann hat er sich allerdings nach nur fünf Tagen Wanderung einen Sonnenstich geholt. Vier Tage lag er flach, weshalb er jetzt die verlorene Zeit aufholen muss, um den Zeitplan einzuhalten. "Aus eigener Kraft" will er das Loch schließen. Deshalb hat er nicht viel Zeit gehabt für die Schönheiten der Iller und der Donau. Für die Strecke von Memmingen bis Schwäbisch Hall hat er sich das Fahrrad zur Hilfe genommen. 160 Kilometer in zwei Tagen. Ein gut begangener Pilgerweg wäre nichts für ihn. "Ich such mir lieber meinen individuellen Weg." Und zwar indem er auf der Landkarte den Start- und Zielpunkt mit dem Lineal verbindet. Fluglinie sozusagen. Und ohne Navigationsgerät.

Ulm ist kein Etappenziel. Eller hat gerade Zeit für ein Foto vom Münster, ein alkoholfreies Bier, und dann weiter bis nach Westerstetten. Dafür müsste er nur noch den Weg nach Dornstadt über Lehr finden. Deshalb steht er nun auf der Hauptverkehrskreuzung in der Innenstadt. Das Straßenschild aber findet er nicht und schließlich sieht er ein, dass er nicht länger dort stehenbleiben kann. Er braucht Hilfe.

Wäre ich nicht mit ihm bis ins Lehrer-Tal geradelt, wäre er erstens nach der Neutorbrücke auf den Michelsberg abgebogen und zweitens durch das Brückengewirr beim Alten Fritz auf die Blaubeurer Straße geraten. Zehn Minuten haben wir von der Kreuzung bis zur Ecke Mähringer Straße gebraucht. Getreu Ellers Wander-Motto: "Je langsamer man ist, desto mehr kommt man ins Gespräch." Und getreu seinem Grundsatz: Es kommt sowieso immer anders als geplant.

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