Zehn Minuten . . . im Biergarten

Zehn Minuten im Biergarten? Undenkbar. Eigentlich fast unmöglich. Als beträte man das Paradies und sagte: "Ich gehe gleich wieder." Zumindest im bajuwarischen Kulturkreis gilt er als Biergarten Eden, in den man kommt, um zu bleiben.

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  • Sonne, Kastanien und Bier: ein Bild, das in aller Schlichtheit den vollendeten Biergarten zeigt. Foto: Bernd Rindle 1/2
    Sonne, Kastanien und Bier: ein Bild, das in aller Schlichtheit den vollendeten Biergarten zeigt. Foto: Bernd Rindle
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 Zumal die Versuchungen ständig und in mannigfacher Gestalt an einen herantreten - als Obatzter etwa, Krustenbraten oder frisch gezapfte Maß. So gilt es den Tag gerade jetzt für das Freiluftvergnügen zu nutzen, da das witterungsbedingte Zeitfenster in unseren Breiten ohnehin klein ist und sich auf dem Boden bereits der natürliche Feind des geneigten Biergartenbesuchers breit macht und den Ende des Sommers ankündigt: Laub! Was im vorliegenden Fall regelmäßig geräumt wird, da die uralten, knorrigen Kastanienbäume im Schlössle, die Napoleon Bonaparte einst schon gesehen hat, reichlich Blätter produzieren, die ihrerseits von Mottenlarven bevölkert sind. Aber auch andere Insekten fallen derzeit unangenehm auf: "Wir haben seit zwei, drei Wochen ganz viele Wespen", klagt Wirtin Christa Zoller-Kaltenbacher. Unter denen leidet vornehmlich das Personal am Zapfhahn.

Wobei dessen Leidensdruck steigt, wenn ein Missverhältnis zwischen Mitarbeiterstärke und Gästeaufkommen auftritt, dem im Freiluftbetrieb so einfach nicht vorzubeugen ist. Im sommerlichen Hochbetrieb "brummt" es im Garten mit seinen 500 Plätzen, was vom Stammpersonal nicht gestemmt werden kann. Ergo werden bei entsprechender Wettervorhersage Aushilfen, vornehmlich aus Schüler- und Studentenkreisen, rekrutiert und die Vorratslager angemessen bestückt.

"Wir müssen den Personal- und Wareneinsatz mitunter verfünffachen", lässt Christa Zoller-Kaltenbacher wissen, räumt aber ein, dass vorausschauend zu bestellen nicht ganz einfach ist und auch Risiken birgt. Was vor allem bei unerwarteten Witterungseinbrüchen zum Problem wird. Gemäß Murphys Biergarten-Law: Nicht selten regnet es ausgerechnet an Wochenenden, während die Sonne sich oft nachhaltig die Ehre gibt, wenn die studentischen Hilfskellner Prüfungen haben. Läuft alles ohne größere Widrigkeiten, dauert die Biergartensaison von Anfang April bis Mitte September. Nicht so heuer: "Der Anfang war katastrophal, der Juli dagegen gigantisch", sagt sie und stellt fest, dass mittlerweile "alle Sommer gesättigt sind". Und finanziell nach dem Urlaub etwas klamm: "Es wird nur noch mit kleinen Scheinen bezahlt."

Ganz so dramatisch kann es noch nicht sein, denn kurz vor 18 Uhr füllt sich der Garten zusehends. Im Minutentakt treffen Gäste auf ein Feierabendbier ein, die einen noch mit Schlips, die anderen bereits abgetakelt. Manche kommen, wie zu hören ist, direkt aus dem Urlaub, stimmen mit den Füßen gegen den drohenden Herbst ab und stoßen auf die Jahreszeit an: "Der Sommer ist zurückgekehrt. So lange es warm ist, bleiben wir im Biergarten sitzen." Mit Sicherheit länger als zehn Minuten aber definitiv nur bis 23 Uhr. Dann verlangt die Bayerische Biergarten-Verordnung die Vertreibung aus dem Paradies.

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