Zauberberg

Die Hochschule für Gestaltung ist tot. Es lebe das Vermächtnis der HfG. Ihre Nach-Jahre 1968 bis 2008 sind dokumentiert auf 315 Seiten.

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René Spitz, Regula Stämpfli, Alexander Wetzig (von links): Ein dreifaches Hoch auf Ulm. Foto: Oliver Schulz

"Am I ulmish?" Bin ich ulmisch? Unter diesen 2005 durch John Maeda, Präsident der Rhode Island School of Design, geprägten Satz hatte das Internationale Forum für Gestaltung (IFG) seine gestrigen Veranstaltungen gestellt. Vorgeschaltet war die Vorstellung eines Buches. Es gibt aus Sicht zweier IFG-Protagonisten - der Vorsitzenden Dr. Regula Stämpfli und des Autors Dr. René Spitz - sowie des HfG-Stiftungsratsvorsitzenden Alexander Wetzig Antworten, was ulmisch ist: Es sei die nach Schließung der HfG 1968 ungebrochen fortgesetzte Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den ganz großen Fragen der Zeit.

Allzeit gleichsam disput- und zukunftsträchtige Themen wie Umweltschutz, Mobilität, Medien- und Informationsqualität sowie deren Gestaltungsformen standen im Zentrum. Erst 1969 bis 1972 im in der öffentlichen Wahrnehmung unterbelichteten Institut für Umweltplanung IUP, seit 1988 im IGF. Die demonstrativ in Dreierreihen untereinander stehenden Buchstaben HfG, IUP, IFG ergeben den demonstrativen Titel des Buches, dem klein angefügt ist: "Ulm 1968-2008" (ausführliche Besprechung folgt).

Es ist ein dickes 315-Seiten-Werk. Eine Retrospektive. "Das Buch gibt Auskunft über das, was gewesen ist", sagt René Spitz. Er konnte, wie er und Stämpfli betonten, frei schalten und walten und ein Buch nach seiner Idee gestalten; jenseits aller nach wie vor nicht ausgeräumten Konflikte zwischen Stiftung und ums HfG-Erbe besorgten Eliten wie dem Club off Ulm um Sanierung und Nutzung der Gebäude, zwischen ökonomischen Zwängen und bereits historischer Verpflichtung.

Schenkt man Spitz und Co. Glauben, ist der Kuhberg geradezu ein Zauberberg und der HfG-Gebäudekomplex eine Stätte von magischer Anziehungskraft. Sie bringe Intellektuelle aus der ganzen Welt nach Ulm, die hier über die Stadt hinweg um Sachverhalte streiten, die global dann zehn Jahre später begreifbar werden. Stämpfli: "Die Design-Szene hat stets weit vorausschauende Themen angefasst." Doch leider sei in Ulm nie ganz verstanden worden, "was international scharf wahrgenommen wurde".

Oder, abgewandelt gesagt: Auch das ist Ulm - This is ulmish too.

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