Wunschberuf mit Tücken - Schüler sammeln erste Erfahrungen

"Was will ich werden?" - dieser Frage müssen sich Schüler irgendwann stellen. Ein bis zwei Wochen dürfen Realschüler und Gymnasiasten statt zur Schule zu gehen in ihren Wunschberuf schnuppern.

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Mirjam Duong inmitten der Kinderschar der Regenborgen-Grundschule. Foto: Mattias Kessler

Pausengong, Kindergeschrei. Die Kinder der Regenbogen-Grundschule stürmen die Treppen hinunter und klammern sich an das Bein von Mirjam Duong (15). Sie macht gerade ihr Bogy-Praktikum an der Grundschule in Wiblingen. Mirjam hat sich, wie viele andere auch, für ein Praktikum entschieden, in dem man mit Kindern zu tun hat. "Das ist total süß, die kleinen Kinder sind von mir begeistert, sie hängen den ganzen Tag an mir", sagt Mirjam.

Sie ist zufrieden, auch, weil die Suche nach einem Bogy-Platz für sie einfach und stressfrei verlaufen ist. Sie kann sich gut vorstellen, später etwas mit Kindern zu machen. Deshalb hatte sie an der Grundschule nachgefragt und wurde direkt angenommen. Während ihrer Arbeitszeit von 8 bis 14 Uhr hilft sie den Kindern vor allem in den Fächern Deutsch und Mathe. Außerdem hat sie die Möglichkeit, auch selbst einmal richtig zu unterrichten und damit herauszufinden, wie es sich anfühlt, vor den Schülern zu stehen.

Man sieht ihr den Spaß an der Arbeit an. Allerdings ist sie sich jetzt nicht mehr so sicher, ob sie später wirklich Grundschullehrerin werden möchte. "Das ist schon ziemlich stressig", sagt sie.

Nicht nur Praktika in sozialen Berufen sind bei Schülern beliebt, sondern auch Bürojobs - zum Beispiel in einer Werbeagentur oder als Rechtsanwalt. Letzteres hat sich Rebecca Richter (16) ausgesucht. Ursprünglich wollte sie den Richtern am Ulmer Amtsgericht über die Schulter schauen, das war aber nicht möglich. Begründung: Ein Praktikum von nur einer Woche lohne sich nicht. Deshalb hat sich Rebecca bei der Anwaltskanzlei Doppstadt und Kollegen beworben. Sie wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen - und angenommen. "Das ist wirklich interessant. Ich darf bei Mandantengesprächen mit dabei sein und im Amtsgericht an Verhandlungen teilnehmen", erzählt sie. Rebeccas Suche nach einem Praktikumsplatz war ebenfalls recht unkompliziert, aber sie muss länger arbeiten, als viele ihrer Mitschüler, die oft nur bis 15 Uhr am Arbeitsplatz sitzen. Meistens ist sie von 8 bis 18 Uhr in der Kanzlei.

Die Suche nach einem Praktikumsplatz verlief nicht für alle so stressfrei wie für Mirjam und Rebecca. Die Schulen haben kaum Möglichkeiten, die Praktikanten bei der Suche zu unterstützen. Mittels Persönlichkeitstests, Besuchen im Berufsinformationszentrum und einem Bewerber-Training versuchen die Schulen, die Zehntklässler bei der Berufsfindung zu unterstützen. Einige Praktikanten wurden auch mit Hilfe der Agentur für Arbeit auf Berufe gebracht, für die sie sich dann begeistern.

So war das bei Theresa. Die 15-Jährige wurde auf den Beruf der Ergotherapeutin aufmerksam gemacht. "Mir ist kein Beruf eingefallen, bei dem meine Interessen im Vordergrund stehen. Also habe ich mit Hilfe der Agentur diese ermittelt und bin auf den Beruf der Ergotherapeutin gestoßen", beschreibt sie. Das Praktikum habe ihr großen Spaß gemacht und sie habe viel daraus gelernt, bestätigt sie freudig.

Doch nicht allen Jugendlichen hat das Praktikum in ihrem Wunschberuf zugesagt. Die 16-jährige Carmen konnte sich in ihr Praktikum als Hotelfachfrau überhaupt nicht einfinden. "So habe ich mir mein Praktikum nicht vorgestellt. Ich musste fast den ganzen Tag putzen und die Zimmer für neue Gäste herrichten", sagt sie. Doch auch auf diese Art hat die Woche ihre Berufswahl beeinflusst: Sie weiß, dass sie den Beruf der Hotelfachfrau später nicht ausüben möchte.

Arbeitgeber unterstützen die Praktika Bogy und Bors der Schulen. "Es ist eine gute Chance für Schüler und Betrieb. Die Schüler können sich frühzeitig orientieren, was für einen Beruf sie später ergreifen möchten. Den Betrieben und Firmen wird in manchen Fällen die Vergabe der Ausbildungsplätze erleichtert. Dadurch, dass ein Bewerber schon einmal ein Praktikum absolviert hat, kennt die Firma bereits seine Stärken, Schwächen und seinen Charakter und kann so besser einschätzen, ob er in den Betrieb passt und für diesen Beruf geeignet ist", erklärt Christian Kolb, Geschäftsführer einer Elektrofirma.

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