Wolfgang Ambros zum Abschluss der Blaubeurer Sommerbühne

Zum Abschlusskonzert am Blautopf zieht Wolfgang Ambros unter dauerhaftem Tröpfeln alle Register. Zwischen fröhlich-freudig über albern bis hin zum tieftraurigen „Kaputt Und Munter“ aus dem Jahr 1995.

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Tausende Besucher, viele Bands und Kapellen und 18 teilnehmende Vereine machten das Münsinger Stadtfest zu einer bunten Feier.  Foto: 

Sicher, der Stargast hat schon mal besser ausgesehen. Und das Wetter war auch schon schöner, genau genommen an jedem einzelnen Abend dieser 11. Spielzeit der Blaubeurer Sommerbühne am Blautopf. Dennoch bereitete Wolfgang Ambros am Samstag auf seiner „Ambros pur!“-Tour dem vierwöchigen, rein ehrenamtlich organisierten Open-Air-Festival einen würdigen Abschluss. Das Publikum auf den ausverkauften Rängen vor der malerisch angestrahlten Kulisse der Klosterkirche jedenfalls hielt unter stetig tröpfelndem Regen in bunte Plastikponchos gehüllt nicht nur tapfer, sondern durchweg begeistert aus.

Erst als gegen 22.30 Uhr das eingängig-unvergessliche Riff von Ambros’ größtem Gassenhauer erklingt, stehen viele der mehr als 400 Besucher auf. Aber nicht etwa, um vorzeitig zu gehen. Im Gegenteil: „Schifoan“ wird mit Standing Ovations begrüßt. Am liebsten würden sie ihm noch eine dritte Zugabe aus dem geschundenen Körper leiern.

Auch wenn an jenem Abend am Blautopf keineswegs „de Sunn schaant“ und sich auch die Sehnsucht nach Powderfun im Stubaital im August noch arg in Grenzen hält, muss der Sänger, Songschreiber und Gitarrist, der ab und an auch die Mundharmonika auspackt, da kaum mehr selbst singen. Das nehmen ihm die Fans fast komplett ab, lediglich durch eindeutige Gesten von dem gebürtigen Wiener auf die jeweilige Strophe hingewiesen. Das eingespielte Trio – Ambros ist seit fast zehn Jahren mit Roland Vogl an Bass, Gitarre und Steel Guitar und Günter Dzikowski am E-Piano und Akkordeon unterwegs – verbeugt sich nach dieser zweiten Zugabe nochmal mehrfach tief. Der 63-Jährige dankt für den „wunderschönen Abend“ und kündigt an, er komme gern wieder. Zu Beginn des knapp zweieinhalbstündigen Konzerts hatte er sich bei den Veranstaltern bedankt, „dass wir nach elf Jahren wieder mal drankommen“.

Ob er für seine Rückkehr an die Sommerbühne nochmal so viel Zeit hat, erscheint nach diesem Auftritt allerdings fraglich. Denn der seit Georg Danzers Tod unbestrittene König des Austro-Pop, jüngst mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, erscheint vor allem schwer gezeichnet von Schmerzen. Die konnte eine Wirbelsäulenoperation 2014 offenbar nicht beseitigen.

Der seither stark abgemagerte Sänger betritt die Bühne zwar ohne Stock, geht aber gekrümmt, spielt im Sitzen und verzieht während des Konzerts immer wieder schmerzerfüllt das Gesicht. „Kaputt Und Munter“? Das trifft es. Denn abgesehen vom Rücken scheint der Musiker, der zuletzt durch einen anscheinend benebelten Auftritt beim Münchner Tollwood-Festival negative Schlagzeilen erntete, gut in Form. Er scherzt mit dem Publikum, kichert gerade bei den tieftraurigen Stücken im ersten Teil des Abends kindlich-fröhlich, würdigt Texter Joesi Prokopetz und den „Herrn Danzer“: bis zu seinem „unseligen Tod“ ein „wunderbarer Mensch und mein Lebensbegleiter“. Und liefert sich den einen oder anderen genüsslich sarkastischen Schlagabtausch mit „Multitasking-Talent“ Vogl zu seiner Linken und dem nicht minder versierten Pianisten Dzikowski rechts von ihm.

Dies werde „ein abwechslungsreicher Abend“, hat er die Fans vorgewarnt – „ois kloa?“. Das wird es. Die drei Musiker spielen 24 Lieder aus allen Perioden seines mehr als 40-jährigen Schaffens. Das reicht von seinem ersten Nummer-1-Hit „Da Hofa“ (1971) über „Zwickt’s Mi“ (1975) bis zu „Geburtstag“ von 2012. Dazwischen platziert dieser „John Wayne unter den österreichischen Populärmusikern“ (Prokopetz) einen Tango („Da Ernstl“), ein Wienerlied („Die Reblaus“), einen Blues nach Tom Waits’ „Shiver Me Timbers“ und „Samma Wieda Guat“ – gespielt als Cajunstück.

Bilanz der 11. Spielzeit am Blautopf

Rückblick
„Wir blicken auf eine der erfolgreichsten Spielzeiten der Sommerbühne am Blautopf überhaupt“, sagt Wolfgang Kratzer, einer von zwei Initiatoren des Open-Air-Festivals. Das hat das rund 15 Aktive umfassende Team zwischen 17. Juli und 15. August nach einem Jahr Pause zum 11. Mal organisiert. Die positive Bilanz bezieht sich auf die 2014 verwirklichten Umbauten mit vier neuen Containern, die Stimmung im Team mit etlichen neuen Helfern und vor allem das Verhältnis zu den Anwohnern, von denen diesmal keine einzige Beschwerde eingegangen sei. Das sei der vom Gemeinderat verlängerten Verschiebung der Nachtruhe auf 23 Uhr während der Festivalzeit und dem mit der Gemeinde entwickelten Verkehrskonzept geschuldet, meint Kratzer. Die Bewirtung, die erstmals die Restaurants „Il Gusto“ und „Jägerstüble Seißen“ übernommen hatten, kam bei den Zuschauern „prima an“. Mit dem Kartenverkauf zeigt sich Peter Imhof „ganz zufrieden“. Da die Eröffnungsparty keinen Eintritt kostete, schlug diese Saison eine Veranstaltung weniger zu Buche. Dennoch entsprächen die Einnahmen exakt dem „Level von 2013“. Vier Veranstaltungen waren ausverkauft: der Abend der Arge Blautopf, Hillus Herzdropfa, Passport und Wolfgang Ambros.

Ausblick
Für's nächste Jahr gibt es schon eine feste Zusage: von Kabarettist Gerhard Polt. Zudem sollen die Wellküren kommen – und mit der Band Tower of Power werde verhandelt.

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