Wohin man in Ulm schon überall ging

Wohin in Ulm: Dieses Heft hat jeder schon mal in der Hand gehabt. Es war irgendwie immer schon da. Und ist jetzt tatsächlich 75 Jahre alt.

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55, 56, 57, 58, 59, 60. . . Das Heftchen "Wohin in Ulm" ist nach Jahrgängen in Kladden abgelegt. Foto: Ebner-Verlag

Jetzt wirds schwierig mit der Hosentasche. Üblicherweise hat eine Ausgabe des Veranstaltungsheftes "Wohin in Ulm", unter Insidern liebevoll Wiu genannt, 60 Seiten. Das ist schnell eingesteckt, zumal es überall kostenlos ausliegt. Die Novemberausgabe, die am Montag herauskommt, ist nun aber 100 Seiten dick und nichts weniger als eine Sonderausgabe, denn: Die Broschüre mit Tipps und Terminen ist 75 Jahre alt. 900 Ausgaben sind seither entstanden, das wird mit einem Rückblick gefeiert.

So tauchte das Redaktionsteam vom Ebner Verlag ins Archiv ab und schreibt jetzt anhand des eigenen Produkts auch ein bisschen Lokalgeschichte im Wandel der Zeiten. Das fängt beim Titel an, der zeigt, dass sich das Gesichtsfeld der Stadt in sieben Jahrzehnten extrem erweitert hat. So hieß die Broschüre zunächst "Wohin in Ulm". Dann hieß es "Wohin in Ulm - Wohin in Neu-Ulm". Und heute heißt es "wohin in ulm, neu-ulm und umgebung", nach art der legendären hochschule für gestaltung in typischer kleinschreibung, an die sich zumindest die stadt ulm bei ihren auftritten hält.

Tatsächlich war es das städtische Verkehrsamt, das die Monatszeitschrift von 1938 an zunächst herausgegeben hatte, im Verlag der J. Ebnerschen Buchdruckerei. "Bereits die erste Ausgabe war gespickt mit Veranstaltungstipps und Anzeigen von Gaststätten und Geschäften."

Der Krieg setzte eine Zäsur, 1949 nahm der Ebner Verlag die Idee auf, jetzt ging es ans Format. Einst quadratisch, kam das Heft 1957 in DIN A5 heraus und erreichte 1971 weiter verschlankt die praktische Form für die Hosentasche, schlank wie die Schlangentänzerin Isma Fatma und ihre Pythons, deren Auftritt im Seepark-Kabarett 1953 beworben wurde. Längst Geschichte wie auch die "Höhengaststätte Oberberghof".

Sehr schick sind in der Jubiläumsausgabe die Seiten, auf denen Anzeigen von früher gegen die von heute gestellt sind, ein Potpourri örtlicher Werbekunden, von dem das Heftchen lebt. Knese (Reisen), Vietzen (Blumen), Häfele (Stempel), Drei Kannen (Bier), Löwen (Apotheke) waren alle schon beim Start dabei. Nur aus den Bädern der Stadt Ulm von 1938 ist das werbende Wonnemar geworden. Und aus dem Conditorei-Café Gindele The Lounge.

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