Wo es noch Potenzial für die Energiewende gibt

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Wenn man das Licht anschaltet, will man es nicht warm, sondern hell haben. „Eigentlich aber darf man Glühbirnen nicht als Licht verkaufen, vielmehr als Wärme“, versuchte Gerd Heilscher mit diesem Beispiel seine These zu untermauern, dass die Energiewende in Wirklichkeit ein Transformationsprozess sei. Und an dem werde in Ulm bundesweit beachtet geforscht: Bei der jüngsten Sitzung des Agenda-Forums, die sich mit der Energielandschaft der Zukunft auseinandersetzte, referierte der Professor über das Modellprojekt eines intelligenten Stromnetzes.

Die Forschungsgruppe der Hochschule Ulm hat dafür in Zusammenarbeit mit den SWU das Niederspannungsnetz mit 230 Volt in den Fokus gestellt. Anhand der beiden Testgebiete Hitti­stetten und Einsingen soll die Leistungsfähigkeit von intelligenten Stromzählern erforscht werden, die nicht nur den Verbrauch messen, sondern auch Informationen über Leistung und Spannung direkt an Netzbetreiber weitergeben können. Immerhin gebe es in Ulm rund 5000 Prosumer – Produzenten (producer), die gleichzeitig auch Verbraucher (consumer) sind.

Dieser künftigen Dezentralisierung der Versorgung wollen auch die SWU gerecht werden. „Seit neuestem beraten wir bei Erzeugungskonzepten von Privathaushalten“, erklärte Martin Fiedler, Assistent der Geschäftsleitung, der den Beitrag der SWU zum Klimaschutz aufzeigen wollte: 15 auf Gas basierende Blockheizkraftwerke, neun Wasserkraftwerke und zehn Photovoltaikanlagen. Außerdem gebe es für die E-Mobilität bereits 52 Ladesäulen mit 96 Ladepunkten an 47 Standorten. „Und die künftige Straßenbahnlinie 2 fährt zu hundert Prozent mit regenerativem Strom aus der Böfinger Halde bei null Emissionen“, sagte Fiedler.

„Die Stadtwerke werden beim Thema Energiewende eine zentrale Rolle bekommen“, sagte OB Gunter Czisch und bezog sich auf einerseits komplexer werdenden Anforderungen an Netzbetreiber, aber auch auf den städtischen Anspruch, die Energie- und CO2-Bilanz zu verbessern. Allerdings müsse man in die benötigten komplexen Infrastruktursysteme auch eine Menge Geld investieren. Generell, da waren sich die Referenten einig, müsse man die Bürger stärker in den Energiewende-Transformationsprozess miteinbeziehen.

So zeige das Solarkataster der Stadt, das auflistet, welche Dächer für Photovoltaik und Solar­thermie geeignet sind, noch deutliches Potential. Erst acht Prozent der Dachfläche seien belegt, sagte Heilscher. In den bald entstehenden neuen Wohnquartieren wolle man deshalb Zeichen setzen, sagte Czisch. So bietet sich nicht nur wie im Klimaschutzprogramm 2020 vom Umweltausschuss des Gemeinderats im November vergangenen Jahres beschlossen, etwa für die Hindenburgkaserne eine Fernwärme-Versorgung an. „Wir sollten dort auch in anderen energetischen Bereichen Zeichen setzen, um eine Dynamik ins Spiel zu bringen“, sagte Czisch.

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