Wie lässt sich Weitergabe von Gewalt über Generationen verhindern?

"Meine Kindheit - Deine Kindheit" heißt eine neue Studie, die jetzt an der Universität Ulm beginnt. Ihr Ziel: Den Einfluss von Kindheitserfahrungen auf Mütter und deren neugeborene Kinder untersuchen.

|
Vorherige Inhalte
  • Wie geht die Mutter mit ihrem Kind um? Um diese Frage zu klären, werden in der neuen Studie "Meine Kindheit - Deine Kindheit" Spielsituationen von Mutter und Baby per Video aufgezeichnet und anschließend analysiert. Foto: Uni Ulm 1/2
    Wie geht die Mutter mit ihrem Kind um? Um diese Frage zu klären, werden in der neuen Studie "Meine Kindheit - Deine Kindheit" Spielsituationen von Mutter und Baby per Video aufgezeichnet und anschließend analysiert. Foto: Uni Ulm
  • 2/2
Nächste Inhalte

"Meine Mutter hat mich geschlagen, ich will meinem Kind das nie antun." Diesen Vorsatz fassen viele Frauen, die selbst als Kind Gewalt erlebt haben. Sie haben - statistisch gesehen - ein höheres Risiko, die eigenen Erfahrungen weiterzugeben. "Doch uns geht es nicht darum, das Risiko zu erforschen. Sonder wir wollen von denen lernen, denen es gelingt, den Kreislauf zu durchbrechen", erklärt Prof. Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Ulm, bei der Vorstellung der neuen Studie "Meine Kindheit - Deine Kindheit". "Wir wollen herausfinden, welches die schützenden Faktoren sind, um mit diesem Wissen künftig die frühen Hilfen für Familien weiterentwickeln", so Fegert weiter.

Die nächsten 18 Monate lang werden dazu alle Frauen, die in der Frauenklinik Ulm ihre Kinder zur Welt bringen, um Beteiligung an der Studie gebeten. Wer mitmacht, den begleiten die Forscher an drei Terminen im Lauf des ersten Lebensjahrs des Kindes (siehe Info-Kasten).

Die Studie ist auf drei Jahre angelegt - sie dauert bis Sommer 2016 - und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,4 Millionen Euro unterstützt, mit Geld aus dem Topf "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt".

Der Ansatz ist interdisziplinär: beteiligt sind fünf Arbeitsgruppen mit fast 40 Wissenschaftlern aus den Bereichen Psychologie, Psychosomatik, Sozialforschung und Biologie. Fegert: "Wir wollen hier im größeren Verbund Grundlagenforschung betreiben." Das heißt: Die Untersuchung beginnt nicht erst dann, wenn Schwierigkeiten auftreten, sondern es wird die Beziehung von Mutter und Kind von Anfang an und systematisch untersucht.

Mit im Boot sind vier Einrichtungen der Uni Ulm - außer der Kinder- und Jugendpsychiatrie die Kliniken für psychosomatische Medizin/Psychotherapie und Frauenheilkunde/Geburtshilfe sowie das Institut für Psychologie und Pädagogik, Klinische und Biologische Psychologie. Außerdem im Boot: das Institut für Zoologie und Entwicklungsneurologie der Uni Magdeburg und das Deutsche Jugendinstitut München.

Ziel der Studie ist die Antwort auf Fragen wie: Wie prägend wirken sich eigene Kindheitserfahrungen auf die Beziehung zum eigenen Kind aus? Welche Spuren hinterlassen Kindheitserfahrungen auf körperlicher Ebene? Deshalb umfasst die Studie neben Interviews auch die regelmäßige Untersuchung von Blut-, Speichel- und Haarproben.

Den zoologischen Aspekt liefert die Uni Magdeburg zu. Laut Fegert werden Degus, Nagetiere aus Südamerika, untersucht: "Bei diesen Tieren spielen Väter in der Aufzucht eine wichtige Rolle, anders als bei den allermeisten andere Tierarten. Deshalb soll hier erforscht werden, was passiert, wenn etwas fehlt."

Prof. Iris-Tatjana Kolassa, die Leiterin der Abteilung für Klinische und Biologische Psychologie, macht deutlich, dass es bei der Studie nicht nur um körperliche Gewalt geht, sondern auch um emotionale, psychische und verbale: also Vernachlässigung, Missbrauch und Misshandlung von Kindern - Fachleute verwenden den englischen Begriff "Child Maltreatment".

Ziel der Studie ist es, aus den Erkenntnissen Hilfs- und Unterstützungsangebote für Familien zu konstruieren, um Kindesmisshandlungen besser als bisher vorbeugend entgegenzuwirken.

Drei Untersuchungen von Mutter und Kind im Verlauf des ersten Lebensjahrs
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Auch in Neu-Ulm Tempo 30 in der Nacht

Der Lärmaktionsplan macht es möglich: Im nächsten Jahr gibt es in der Neu-Ulmer Innenstadt von 22 bis 6 Uhr eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30. weiter lesen