Wie der Theodor-Heuss-Platz einmal aussehen soll

Ob der Theodor-Heuss-Platz saniert wird, ist ob der Sparbemühungen des Finanzbürgermeisters ungewiss. Die Pläne jedenfalls liegen vor.

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Entwurfsplanung Theodor-Heuss-Platz.  Foto: 

Die neue Ulmer Sparpolitik lässt sich auf zwei Zeilen zusammenfassen. Überschrieben sind sie mit „Sanierung Theodor-Heuss-Platz“, und dann steht da:

Bisher: 6.400.000.

Jetzt: 0.

Die beiden Zahlen stehen in der zehnjährigen Investitionsplanung der Stadt Ulm, die der Gemeinderat vor der Sommerpause nach stundenlanger Debatte grummelnd zur Kenntnis genommen hat. Zwar sollen dieser und andere strittige Punkte im Herbst nochmal beraten werden. Zunächst lautete die Ansage von Finanzbürgermeister Martin Bendel aber: auf unbestimmte Zeit verschoben.

Nichtsdestotrotz haben sich die Räte in der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vor den Ferien mit dem Platz (früher: Westplatz) beschäftigt – die Tagesordnung stand bereits vor Bendels Bremse. Und es gibt einen Grund dafür, dass der Punkt darauf stand: „Der Theodor-Heuss-Platz ist der zentrale Verkehrsknoten in der Ulmer Weststadt“, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Er weist große verkehrstechnische/städtebauliche Mängel auf und besitzt keinerlei Aufenthaltsqualität.“

Wie der Platz, der seit Jahren saniert werden soll, und die umgebenden Straßenabschnitte dereinst aussehen könnten, stellte Karla Niebling-Junginger vor: „Aus einem Unort könnte ein funktionierender öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität werden, der dem Anspruch aller Verkehrsteilnehmer gerecht wird“, sagte die Prokuristin der Ulmer Sanierungstreuhand über die Pläne der beauftragten Arbeitsgemeinschaft (bbz Landschaftsarchitekten aus Berlin und opb Obermeyer Planen + Beraten aus München).

Deren Entwurf sieht mithilfe zweier klar strukturierter Kreuzungen eine deutliche Vereinfachung der aktuellen, unübersichtlichen Situation vor: Als Hauptachse wird die Söflinger Straße gestärkt, sie verläuft nicht mehr kreuz und quer wie bislang. Einstein-, Moltke- und Wagnerstraße werden jeweils im rechten Winkel an sie angeschlossen – wodurch nördlich und südlich der Söflinger Straße großzügige Plätze entstehen. Im Norden ist ein Brunnen geplant, im Süden Platz für einen Kiosk vorgesehen. Dazu gibt es Radschutzstreifen auf der Fahrbahn. „Zeitlos, einfach und hochwertig“ ist die Gestaltung laut Niebling-Junginger. Für die Straßen ist Asphalt vorgesehen, für den Platz selbst Pflastersteine aus heimischem Granit aus dem Bayerischen Wald, dazu Sitzelemente aus Beton mit Holzauflage. Als Bäume sind Gleditschien vorgesehen.

Knapp 15 Millionen Euro sind insgesamt für das Projekt veranschlagt, wobei allein 6,6 Millionen Euro für die Gleisanlagen veranschlagt sind. Das Problem, von Baubürgermeister Tim von Winning auf den Punkt gebracht: „Bei der Umgestaltung entsteht ein hoher Aufwand, und die Förderung für das Sanierungsgebiet fällt geringer aus als gedacht.“ Die Städtebaufördermittel für den Platz selbst belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro, für den Abschnitt Moltkestraße gäbe es zusätzlich knapp 200 000 Euro (siehe Infokasten).

„Etwas mager“ sei das, fand Helga Malischewski (FWG). Trotzdem: „Wir können das nicht auf den St.-Nimmerleinstag verschieben, das ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt“, urteilte Brigitte Dahlbender (SPD). Annette Weinreich (Grüne) spannte einen weiteren Bogen: „Was passiert mit dem Sanierungsgebiet Weststadt, wenn wir nicht weitermachen?“, wollte sie wissen. Bertram Holz (CDU) befand: „Wir dürfen dieses wichtige Sanierungsgebiet nicht vernachlässigen.“ Denise Niggemeier (Grüne) schlug vor: „Wir sollten uns auf die Verkehrsführung konzentrieren und lieber Chichi wie den Brunnen weglassen.“ Für den Baubürgermeister ist allerdings klar: „Bei diesem Entwurf kann man nicht viel nach unten korrigieren.“

Auch, wenn der Finanzbürgermeister die Stadtkasse noch öffnet – mit einer weiteren Baustelle müssen die Ulmer erstmal nicht rechnen: Selbst, wenn dieses Jahr noch weiter geplant wird, könnten die Bauarbeiten frühesten Mitte 2019 beginnen.

Ganz oder gar nicht

Seinen Namen trägt der Theodor-Heuss-Platz eigentlich zu unrecht. Und zwar nicht, weil er für viele Ulmer immer noch der Westplatz ist – sondern weil von einem Platz im eigentlichen Sinne nicht die Rede sein kann. Die avisierte Neugestaltung will ihn zu einem solchen machen.

Das tut gleich in mehrerlei Hinsicht Not. Denn so, wie der Verkehr momentan geführt wird, geht viel Platz verloren. Den versucht der Entwurf Fußgängern und Radlern zurückzugeben, ohne dabei die Autofahrer einzuschränken. Die klare und deutlich übersichtlichere Neustrukturierung wertet das Gebiet auf und tut allen gut: den Verkehrsteilnehmern ebenso wie den Menschen, die in der Nähe wohnen. Von ihnen wird es auf Sicht durch die Nachverdichtung auch in der Weststadt ohnehin mehr geben. Und damit auch mehr Durchgangsverkehr am Theodor-Heuss-Platz. Damit der fließt, muss der Knotenpunkt leistungsfähig bleiben.

Dass der Finanzbürgermeister nicht alle Wunsch-Investitionen umsetzen kann, ist verständlich. So vieles ist wichtig bis unaufschiebbar, ob Schul- oder Brückensanierung. Die schmerzhafte Aufgabe, manche Projekte zu streichen, fällt nach den Sommerferien den Stadträten zu. Der Umbau des Theodor-Heuss-Platzes sollte nicht dazu gehören.

Förderung Das Sanierungsgebiet „Weststadt II“ läuft im April 2020 aus. Eine Verlängerung um zwei Jahre sei in Absprache mit dem Regierungspräsidium Tübingen (RP) denkbar, heißt es in der Sitzungsvorlage zur Sanierung des Theodor-Heuss-Platzes. Sollte seine Umgestaltung innerhalb des bisherigen Förderzeitraums beginnen, würde ein entsprechender Verlängerungsantrag gestellt.

Frist Beginnt der Umbau erst nach 2020, können demnach keine Städtebau-Fördermittel mehr in Anspruch genommen werden, da die Baumaßnahmen innerhalb des verlängerten Förderzeitraums nicht abgeschlossen würden. Dann sei allerdings auch die Förderung aller bisher entstandenen Kosten mit dem RP zu diskutieren.

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Kommentare

09.08.2017 08:43 Uhr

Antwort auf „so ist es eben”

Wenn man diese Pläne sieht, ist es ganz gut so, dass kein Geld mehr da ist! Bin kein Freund der Linie 2 aber in diesem Fall schon.

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09.08.2017 08:01 Uhr

so ist es eben

wenn man 250 Millionen für die Linie 2 ausgibt bleibt für die Weststadt nichts mehr übrig. Aber dafür dürfen wir uns an den schönen Baustellen und der neuen Strassenbahn erfreuen! Der Rest bleibt dann eben auf der Strecke!

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