Werner Koczwara lichtet den Paragraphen-Dschungel

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Gewichtige Pointen: Werner Koczwara.  Foto: 

Wussten Sie, dass Juristen-Arme länger als normal sind? Wegen der Schlepperei. 2385 Gramm wiegt der rote Schönfelder, das „Deutsche Gesetzbuch“, ebenso viel der rote Sartorius. Trotz Seiten, so dünn wie Gratis-Wurstscheiben für Kinder beim schwäbischen Metzger. Neben der ­Bibel ist der Paragraphen-Dschungel im deutschen Reglementierungswahn für Werner Koczwara Inspirationsquelle  und Fundgrube an „lyrischen Texten“. Beispiel: „Besteht der Personalrat nur aus einer Person, erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern“. Aha! Da wiehert der Amtsschimmel – und das Publikum.

Koczwara gilt als Erfinder des Juristenkabaretts. Der „Pointenpapst“, wie Otti Fischer ihn nannte, ist Preisträger des diesjährigen Kleinkunstpreises Baden-Württemberg. Seine Realsatire „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ ist mit weit mehr als 1000 Aufführungen das meistgespielte Programm des deutschsprachigen Kabaretts.

In „Oxford-Schwäbisch“ begeisterte die Extraklasse des 60-Jährigen im nahezu ausverkauften Stadthaus. Mit der Jovialität eines Winkeladvokaten, der manches, aber nie Jura studierte, rückt er Gesetzestexte, makabres Juristendeutsch  („Ohn-Beiner“ für Beidseitig-Amputierte) und Absurditäten der Rechtsprechung ins Spott-Light. Jede Menge Stoff aus den Rasenmäher-,  Jagd- oder Beförderungsgesetzen  („Als ­U-Bah­nen gelten auch Straßenbahnen, die nicht Seilbahnen sind“). Den demonstrierten Unterschied zwischen Konversations- und Lege-Gegacker der Hühner lernten die über 300 Besucher  ebenso kennen  wie das Strafgesetz, Paragraph 211/212, zur  „Königsdisziplin“  Mord & Totschlag.

Was war zuerst da? Gesetz oder Verbrechen? Der Apfel-Klau sei der Beleg, sagt Koczwara  und belegt das mit der  Bibel. Zuvor habe Gott ein Gesetz mit „Zusatzklausel zum Kündigungsgrund“ erlassen.

Nach Riesenapplaus setzten Fälle aus der Rubrik „dümmer als das Gesetz erlaubt“ noch eins drauf.

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