Wenn Betriebe keine Lehrlinge finden

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Steht noch nicht alleine in seinem Geschäft, aber gegen mehr Auszubildende in seinen Metzgerei-Filialen hätte er nichts einzuwenden: Metzgermeister Martin Bunk.  Foto: 

„Es gibt Berufe, die sind sexy und welche, die sind es eher weniger.“ Zu seinem Bedauern beschäftigt Ralph Seibold in der Schapfenmühle auch Mitarbeiter in letzteren. Zu seinem Bedauern. Nicht, weil er mit dem Beruf  an sich ein Problem hat, sondern vielmehr, weil es mitunter sehr schwer ist, Auszubildende zu finden. „Müller ist so ein Beruf“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. „Viele denken, das sei ein Beruf bei den Entsorgungsbetrieben.“ Die jungen Leute wüssten nicht mehr, was ein Müller sei, „geschweige denn, was er tut“.

Das stellt zunächst vor allem Kathrin Staudenmeyer vor Herausforderungen. Auf der Suche nach Auszubildenden muss sich die Personalleiterin Wege überlegen, wie sie die Jugendlichen auf den Beruf aufmerksam macht. Ein Film, der das Berufsbild des Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft, wie ein Müller korrekt heißt, erklärt, ist in Planung. Zudem präsentiert sich das Unternehmen auf Berufsfindungsmessen, schaltet Anzeigen, bietet Betriebsbesichtigungen bereits für Grundschüler an.

In den Sozialen Medien ist das Unternehmen dagegen nicht aktiv – bewusst. „Wenn wir da nicht schnell genug auf Anfragen reagieren, schadet es mehr“, sagt Staudenmeyer. „Aber wir müssen einen Schlüssel finden, wie wir die jungen Leute für eine Ausbildung bei uns begeistern können.“ Dazu  gehöre etwa auch ein modernes Umfeld und attraktive Angebote während der Ausbildung.

Momentan arbeiten zwölf Müller in der Schapfenmühle, dazu kommen zwei Auszubildende. „Wir könnten mehr ausbilden“, sagt Ralph Seibold. Seine Wunschvorstellung wäre jedes Jahr ein Azubi. Aber nicht um jeden Preis. Die Qualität der Bewerber müsse auch stimmen. „In Mathe eine vier oder fünf geht nicht. Da sind wir rigoros. Das bringt nichts.“

Neben fehlender Qualifikation und Unwissen über die Berufsbilder spüren die Ausbildungsbetriebe auch, dass immer mehr junge Menschen nach der Schule ein Studium einer Lehre vorziehen. „Der Ausbildungsberuf an sich hat per se an Stellenwert verloren“, fasst Seibold die Entwicklung zusammen. Unverständlich seiner Ansicht nach, da die Berufe körperlich nicht mehr so anstrengend seien wie früher noch. „Das ist nicht wie bei Max und Moritz.“ Zudem biete gerade der Berufs des Müllers gute Zukunftsperspektiven. Derzeit sind in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis noch 120 Lehrstellen unbesetzt.

Auch Martin Bunk könnte wie Seibold mehr Lehrlinge in seinem Betrieb unterbringen. In den drei Filialen seiner Metzgerei machen gerade drei junge Frauen eine Ausbildung zur Fleischerei-Fachverkäuferin. Möglich wären in jedem Lehrjahr drei, sprich insgesamt neun. „Vier bis fünf wären mir am liebsten“, sagt Bunk. „Dann kann man auch intensiver schulen.“ Auch ihm macht es der Ruf, der der Arbeit in der Metzgerei vorauseilt, nicht leichter, neue Azubis zu finden. „Wir müssen das Berufsbild besser nach außen tragen“, sagt Bunk und räumt auch ein, dass es in diesem Bereich noch reichlich Nachholbedarf gebe. „Die Vorbehalte sind schon groß.“ Zudem fielen Vegetarier und auch muslimische Jugendliche raus. „Da wird keine Seite glücklich.“

Umschulung als Alternative

Die Azubisuche erschweren Bunks zufolge auch die gute wirtschaftliche Situation in der Region und die fehlenden Jugendlichen. Ein Grund, warum der Metzger auch in anderen Bundesländern und im EU-Ausland nach Bewerbern sucht. „Dabei ergibt sich für uns dann das Problem des fehlenden, bezahlbaren Wohnraums“, sagt Bunk. Während Azubis aus der Region meist bei ihren Eltern leben, müssen Azubis von auswärts hier eine Wohnung oder ein Zimmer finden. „Wir schauen für sie nach Wohnmöglichkeiten und mieten auch Wohnungen an“, erklärt Bunk. Den Auszubildenden müsse genug Geld übrig bleiben, um hier leben zu können.

Bunk überlegt, künftig Leute, die in anderen Bereichen als Verkäufer tätig waren, umzuschulen. „Das wäre eine Win-Win-Situation.“ Sie würden etwa auch die Bereitschaft mitbringen auf Kunden zuzugehen. „Die fehlt häufig und lässt sich auch nicht einfach anlernen.“ Die derzeitige Situation „ist noch nicht der Weltuntergang, aber es ist schwierig“, sagt Bunk. Im täglichen Geschäft gebe es keine gravierenden Einschränkungen, aber im Catering-Bereich habe er schon zurückgefahren. „Der Kunde verlässt sich ja auf die Zusage.“

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