Weltkünstler Bernar Venet zeigt neue Arbeiten

Welcher Künstler kann in Neu-Ulm in einer Galerie ausstellen, die seinen Namen trägt? Bernar Venet! Er zeigt jetzt dort neue Arbeiten und hat für den benachbarten Skulpturenpark eine Arbeit beigesteuert.

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Bernar Venet vor seiner 15 Meter hohen Arbeit "78,5° Arc x 8" für den Skulpturenpark beim Venet-Haus.  Foto: 

Ein 37 Meter hoher Bogen, der aus dem Hausinnern herauszuwachsen scheint und sich weit übers Dach hinaus spannt, bestimmt die Silhouette der Neu-Ulmer Bahnhofstraße. Geschaffen hat ihn documenta-Künstler Bernar Venet. Hausherr ist der Neu-Ulmer Sammler Werner Schneider; er hat den gesamten Komplex an der Kreuzung zur Reuttier Straße nach dem französischen Künstler benannt.

Venet ist alles andere als ein Unbekannter, seine riesigen Skulpturen zählen zum Bekanntesten, was der Kunstmarkt aktuell zu bieten hat - im kommenden Frühjahr wird ihm in New York der Lifetime Achievement in Contemporary Sculpture Award verliehen, den vor ihm unter anderem Frank Stella und Robert Rauschenberg erhielten.

Jetzt kann man gleich mehrere neue Arbeiten Venets in Neu-Ulm sehen: zum einen weitere Kreissegmente, die Venet zum Skulpturenpark Werner Schneiders beigesteuert hat, der im Frühjahr 2016 eröffnet werden soll.

Und in der Venet-Galerie sind jetzt in der Ausstellung "The Hypothesis of the Angle" kleinere Arbeiten zu sehen, die alle in den vergangenen Monaten entstanden sind und sich ausschließlich mit Winkeln beschäftigen. "Die sind eigentlich bemerkenswerter", sagt der Künstler, dessen Sujet die Linie in all ihren Ausprägungen ist. "In dieser Ausführlichkeit habe ich mich bislang noch nicht mit den Winkeln beschäftigt. Vor allem die Zeichnungen davon waren noch nie so realistisch." Im Frühjahr wird er noch weitere ähnliche Arbeiten in New York präsentieren.

Dabei sind die Titel der Arbeiten sehr lakonisch: Wo "Nine Uneven Angles" draufsteht, sind auch neun ungleiche Winkel drin. Bei seinen Kreissegmenten gibt Venet bis auf die Kommastelle der Gradzahl genau an, welches Segment er ausgewählt hat. "Ich halte nichts davon, dass man Kunst interpretieren muss. Ich sage ganz einfach, was es ist." Wichtig sei dabei aber der künstlerische Kontext, das Experimentieren mit Kombinationen, mit Blickwinkeln. "Wenn ich mich anfange zu wiederholen, dann höre ich besser auf", sagt der 74-Jährige schmunzelnd.

Das Kreissegment des Neu-Ulmer Venet-Hauses war bis vor kurzem übrigens die größte Skulptur Venets. Jetzt hält diesen Rekord Seoul. "Die Koreaner haben mich gefragt, was bislang meine größte Arbeit war. Ich habe gesagt 37 Meter in Neu-Ulm. Daraufhin haben sie in Seoul beschlossen, ein 38 Meter hohes Segment aufzustellen."

Rekordbogen hin, Rekordbogen her: "Ein Venet-Haus gibt es aber nur in Neu-Ulm", sagt der Künstler, dem die französische Post 2013 eine Briefmarke widmete, die eine seiner Arbeiten im Schlosspark von Versailles zeigt. 2012 hatte ihn die Nobelmarke Bugatti gebeten, einen ihrer 1200 PS starken Veyron-Grand-Sport-Boliden zu bemalen.

Und es gibt noch ein wenig mehr Bernar-Venet-Bezüge in Neu-Ulm - gleich in der Nachbarschaft des Venet-Hauses liegt die Bernar-Venet-Straße. Es ist die kleine Stichstraße, die das östliche Parkhaus der Glacis-Galerie von der Bahnhofstraße her andient. So gesehen kann Bernar Venet nicht nur in Neu-Ulm in einem Haus ausstellen, das seinen Namen trägt, er könnte auch seinen Wagen in der Venet-Straße abstellen. Wie gesagt: Wer kann das schon?

Vita und Schau

Künstler Bernar Venet wurde 1941 im südfranzösischen Château-Arnoux geboren, arbeitete bis 1963 als Bühnenbildner an der Oper Nizza, unterrichtete an der Pariser Universität Sorbonne Kunst und Kunsttheorie, war 1977 Teilnehmer der documenta 6 in Kassel und 1978 der Biennale Venedig.

Ausstellung Venets aktuelle Arbeiten sind bis 29. November in der Galerie im Venet-Haus (Bahnhofstraße 41) zu sehen: Mi-Fr 16-19 Uhr.

SWP

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