Gewölbe unter der Valentinskapelle hat eine bewegte Geschichte

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Jetzt, wo einmal auf hat, was sonst immer zu ist, muss man schon einen Blick riskieren. Pausenlos lugen Neugierige in den Eingang des Gewölbes unter der Valentinskapelle. Ein kleiner Junge aufgeregt zu seiner Mutter: „Mensch, das ist ja cool, da geht es die Treppen runter. Kann ich da rein?“ Kann er leider nicht. Die Tür zum sonst verschlossenen Untergrund ist am Freitag nur ausnahmsweise und für „Weinseliges und Schmalziges“ geöffnet, den gemeinsamen Benefiz-Abend des  Slowfood Conviviums Ulm und der Aktion 100 000 und Ulmer helft.

Vor 31 Jahren hat Slowfood-Gründer Carlo Petrini in Rom  mit einem Spaghetti-Essen an der Spanischen Treppe gegen die Eröffnung einer Fastfood-Filiale protestiert. Heute widmet Slowfood Ulm den Benefiz-Abend der Aktion Wärmestube, die Obdachlose bekocht.

Das Rezept zu  „Weinseliges und Schmalziges“ hatten sich die Ulmer Conviviums-Leiterin Ingrid Maucher-Marquardt und  Aktion 100 000-Redakteurin Birgit Eberle ausgedacht: Das Motto begegnet den Gästen gleich mehrfach –  nicht nur mit regionalen Genüssen  im Glas und auf dem Brot, sondern auch musikalisch und literarisch. Kaum die Treppe hinuntergekommen, gibt’s gleich ein Glas Sekt, wahlweise auch eine aromatische alkoholfreie Variante. Und zur Begrüßung wird gesungen: Der junge Bariton Tim Lucas und Tim Jäger am Akkordeon machen mit dem lebensfrohen jütländischen  Tanzlied „Guten Abend, guten Abend, euch allen hier beisamm!“ gute Laune.

Das Gewölbe unter der südlich des Münsters gelegenen Valentinskapelle ist speziell. In einem Raum zieht ein eingemauerter Schädel die Blicke auf sich. Warum bloß? Henning Petershagen, der profunde Kenner Ulmer Geschichte, bringt Licht ins Dunkel. Er erzählt auf gewohnt unterhaltsame Art, dass das Gewölbe älter als das Münster ist. Ursprünglich war es der Weinkeller der Mönche von Bebenhausen. Als 1458 die Valentinskapelle errichtet wurde, diente das Gewölbe darunter als Grablege, und hinter der Mauer mit dem Totenkopf ruhen die Gebeine aus dem Münsterkirchhof. Später lagerte und verteilte die Stadt dort Schmalz, daher der Name „Schmalzhäusle“. Die Gegenwart bietet auch anderes: Forelle, knuspriges Brot, vegetarisches Schmalz, Schwabenbohnenaufstrich, köstliche Lammmaultäschchen mit Alblinsa und raffiniert verfeinertem Kürbiskernöl on top. Hinterher noch Kaffee mit Weinbrötle. Das kommt an. „Die Atmosphäre ist total toll. Die Leute sind alle aufgeschlossen, man kommt sofort miteininander ins Gespräch“, freut sich die junge Frau, die mit Freunden da ist. Darauf doch glatt einen Schnaps – aus Jakob-Fischer-Äpfeln gebrannt!

„Es war einmal eine königliche Liebmädchentraube  von blaufränkischem Blut, die lebte in einem Chateau  hoch oben auf dem Nonnenberg“, beginnt Heike Sauers mit intelligentem Wortwitz  durchtränkte „kleine Weingeschichte“,  die sie gemeinsam mit Hanna Münch darbietet und damit die Stimmung im Gewölbe ein Stück weinseliger macht. Tim Lucas, Tim Jäger und Selina Fahrenholz (Klarinette) befördern die Menschen im Gewölbe mit schmalzigen Liedern  vom Weinseligen dann vollends ins Glückselige: Slowfood-Akteure und Gäste sind bei „La Paloma“ und „Griechischer Wein“  nicht mehr zu halten. Schunkelnd singen sie aus vollem Halse mit.

Vorbildliches Miteinander Der Abend im Gewölbe demonstriert den Zusammenhalt, wenn es um die Aktion 100 000 und Ulmer helft geht. Münsterbaumeister Hilbert hat die sonst verschlossenen Türen geöffnet. Aufgetischt haben: Reformhaus Freitag, Fräulein Lecker, Fisch-Manufaktur Lefrank, Kornmühle Bäckerei, Gasthof Krone (Illertissen), Olivgrital, Brennerei Rössle, Kaffeerösterei Kley und Manufaktur Jörg Geiger (Schlat). Das Hotel Ulmer Spatz stellte seine Toiletten zur Verfügung, SHS die Security, Audio Express die Technik.

Initiative gefragt  Sie wollen etwas für die Akton 100 000 und Ulmer helft vorantreiben und haben eine Idee? Ob Theateraufführung, Basar oder anderes: Sprechen Sie mit uns! Bettina Jeretzky ist unter (0731) 156-423 telefonisch erreichbar. E-Mail: B.Jeretzky@swp.de

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