Wasserleck sorgt für überfluteten Keller

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Gurgelt es? Oder gluckst es nur? Fast zwei Wochen war Nadja R. (Name geändert) am frühen Morgen und am Feierabend mit immer den gleichen Aufgaben beschäftigt: Sie trocknete regelmäßig den Boden ihres Heizungskellers und lauschte aufmerksam in Richtung eines Gartenschlauches, dessen Kopf in einer Abwasserleitung steckte. „Wenn es gurgelt, ist alles in Ordnung“, sagte die 50-Jährige am Donnerstagabend. Dann zog sie den gelben Schlauch heraus und demonstrierte, was ihr und ihrer Familie den letzten Nerv tötete: Ein nicht versiegen wollender kräftiger Strom an klarem Wasser, von dem niemand wusste, woher er kam.

Begonnen hatte die Geschichte am Montag, 8. Mai. Sie sei zufällig in den Keller gegangen und habe entdeckt, dass der geflieste Boden unter Wasser stand. „Erst dachte ich, es sei ein Leck im Heizungskessel.“ Aber nein. Dann überlegte sie, ob es stark geregnet hatte – „so wie vergangenes Jahr, da stand unser Keller metertief im Wasser.“ Auch nicht. Gut, dass trotzdem die notwendige Ausrüstung noch immer in der Ecke stand: Gummistiefel, Eimer, Wasserschieber, Lappen.

Kurzfristig habe es gut ausgesehen. Aber dann sei klar geworden, dass die Sache nicht so einfach sei. „Unter der Kellertreppe sammelte sich in Minutenschnelle erneut Wasser.“ Ein Handwerker legte eine physische Sperre, bohrte ein Loch in den Boden, und dank eines Bekannten bekam die Familie eine Pumpe, die das Wasser direkt vom Loch in die Abwasserleitung pumpte. „Es war besser, trotzdem drückte es auch aus dem Boden und den Wänden.“ Anfangs habe immer noch die Hoffnung bestanden, dass die Quelle versiegt. Tat sie aber nicht.

Vergangenen Sonntag wusste sich die Assistentin in einer großen Firma nicht mehr zu helfen, denn weder Feuerwehr noch die EBU und die Stadtwerke fanden die Ursache der Quelle im Keller. Alle seien nur erstaunt über den mächtigen Druck, mit dem das Waser ankam. „Ich war echt am Ende“, sagt sie. Schließlich wirkte sich die Situation auf ihren Job aus – „ich musste ständig kurzfristig Urlaub nehmen“. Und Angst um die Substanz des Einfamilienhauses aus dem Jahr 1979 hatte sie auch. Nadja R. schrieb schließlich an Baubürgermeister Tim von Winning und schilderte ihre Not. Dieser reagierte prompt: Dienstagabend informierte er sie, dass Fachleute der EBU und den Stadtwerken vor Ort kämen.

In der Folge wurden Abwasserkanäle (EBU) und Wasserleitungen (SWU) in der Umgebung gefilmt, untersucht, Farbstoffe eingebracht, um Wasserströme zu orten und Proben genommen: Nichts. So teilte SWU-Pressesprecher Bernd Jünke mit: „Das in den Keller der Familie eindringende Wasser rührt nicht von Leitungsschäden her.“ Es handle sich um Oberflächenwasser. Das habe die Laboruntersuchung ergeben. Grundwasser könne es ebenfalls nicht sein, so eine Mitarbeiterin des Umweltamtes: „Wir befinden uns schließlich am Kuhberg.“ Nadja R. watet zur Quelle und leuchtet mit der Taschenlampe: „Vielleicht kann ich sie als Thermalquelle vermarkten und werde reich.“

Schacht nicht angeschlossen

Aus dieser umwerfenden Geschäftsidee wird nun nichts. Am Freitagmittag war kein Gurgeln, Rauschen, Platschen, Sprudeln mehr zu hören. „Kein Wasser mehr“, sagt die 50-Jährige. Und: Man habe die Ursache gefunden. Ein Schacht am Boden der Treppe vom Garten in den Keller sei nicht an einen Kanal angeschlossen. „Wir haben das Haus nicht gebaut und wussten das nicht.“ Jahrzehntelang habe sich Regenwasser dort unterirdisch gesammelt, so die Erklärung der EBU-Experten, die am Freitagmorgen mit einem Tankwagen vorfuhren und stundenlang Wasser aus dem Schacht pumpten.

Die 50-Jährige, die der Stadt für die Unterstützung mehr als dankbar ist, ist froh, dass der Albtraum vorbei ist. Der Witz: „Wir müssen den Schacht wohl einfach abdecken, dann ist die Sache erledigt.“

Kontrolle Michael Potthast, Leiter der Ulmer Entsorgungsbetriebe (EBU) hatte gestern Morgen bereits vermutet, dass die Ursache ein defektes Abwassersystem am Einfamilienhaus ist: „Wir haben da so unsere Erfahrungen.“ Denn leider vernachlässigen viele Hauseigentümer die Kontrolle der Schächte und Leitungen, obwohl Schäden daran oft zu noch größeren Schäden führen. „Alle zehn Jahre sollte man sie durchleuchten lassen.“ Das sei vorgeschrieben. Fließe Regenwasser nicht in einen Kanal ab, bilde sich zum Beispiel unterirdisch Schlamm, eine Wassersäule oder eine Art Bassin. Irgendwann werde der Druck zu hoch: Das Wasser sucht sich seinen Weg – es ist immer der leichteste –  etwa durch Boden, Wände und in diesem Fall unter der Kellertreppe.

Informationen Auf der Internetseite der Ulmer Entsorgungsbetriebe (http://www.ebu-ulm.de/downloads.php) kann man sich über Abwasserkanäle am Haus, die möglichen Schäden und die Maßnahmen informieren. Dort gibt es auch die Broschüre zum Download „Ist Ihr Kanal noch dicht?“

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