Bundestagswahl-Kandidat Eugen Ciresa: Zurück zum alten Familienbild

Der AfD-Kandidat für den Wahlkreis Ulm/Alb-Donau Eugen Ciresa über Asylpolitik, Energiepolitik und die Schwierigkeiten, einen Veranstaltungsort für die Partei in der Stadt zu finden.

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Der Kandidat für ein Mandat im Bundestag, Eugen Ciresa, im Gespräch mit einem Passanten. In Ulm findet der Wahlkampf auf der Hirschstraße statt: Kein Lokal wollte an die AfD vermieten.  Foto: 

Wieso sind im wöchentlichen Prospekt eines deutschen Discounters Familien zu sehen, die unterschiedliche Hautfarben haben? Wieso werden in TV-Serien fast nur noch kaputte Familien gezeigt? Zum Beispiel gerade in des Deutschen Lieblingskrimi, dem Tatort. „Was uns da vorgemacht wird, spiegelt doch gar nicht die Wirklichkeit wieder“, sagt ein Mann in kurzer Hose und Polo­shirt. Gerade etwa Kommissare hätten als gut verdienende Beamte oft drei Kinder. Stattdessen: Schwule, die heiraten, Geschiedene, Alleinerziehende – „da stellt sich doch die Frage: Ist die Ausnahme jetzt normal?“

Die anderen nicken. Der Mann sitzt zusammen mit fünf Parteikollegen am Tisch eines türkischen Lokals in der Hirschstraße. Unter ihnen ist auch Eugen Ciresa, der für die Alternative für Deutschland (AfD) als Abgeordneter nach Berlin will. Er sagt nicht viel. Es ist kurz vor 14 Uhr am Samstag und der AfD-Kreisverband Ulm/Alb-Donau beendet seinen Bundestagswahlkampf nach rund vier Stunden.

So richtig rund lief es auch an diesem Tag nicht. Der Grund: Mitglieder der Ulmer Antifa sind wie jeden Samstag aufgetaucht und haben versucht, den Info­stand der AfD zu sabotieren. Zum Beispiel halten sie Leuten, die einen Flyer der Partei mitnehmen, einen Plastiksack hin mit dem Angebot, „den Müll sofort zu entsorgen“. Ciresa versucht, seinen Frust zu verbergen: „Zum Mittagessen gehen die dann heim zu Mutti.“ Einmal kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung. Jetzt taucht die Polizei öfter auf. Die AfD stört das nicht. Im Gegenteil, sagt der 59-Jährige: „Mehr Leute solidarisieren sich mit uns.“

Auch andere scheuen eine argumentative Auseinandersetzung mit der AfD und befeuern deren inszenierte Opferrolle: „Heute hat uns ein Passant auf den Tisch gerotzt“, erzählt Ciresa. Ein Lokal für eine Veranstaltung war in Ulm auch nicht zu bekommen. „Niemand wollte uns eines vermieten, aus Angst vor Schäden.“

Bleibt die Fußgängerzone. Ciresa sagt, unterm Strich laufe es gut. „Viele reden mit uns.“ Im Mittelpunkt der AfD-Strategie steht die Angst der Bürger. „Es geht um Überfremdung, um die nächste Eurokrise“, zählt Ciresa auf. Und die Rente, mit der viele nicht auskommen. Dass die AfD die Rente nach Arbeitsjahren bemessen will und damit etwa Frauen sowie Menschen, die phasenweise arbeitslos waren, schlechter gestellt würden, sagt Ciresa nicht.

Natürlich sei auch die Angst vor der Islamisierung groß „und den Männern, die unsere Töchter belästigen“. Die Systempresse verschweige die Straftaten. Noch schlimmer: Selbst Straftäter würden nicht abgeschoben: „Das regt die Leute maßlos auf.“

Der 59-Jährige aus Allmendingen zieht an seiner Zigarette. Auch am Infostand hält er sich eher im Hintergrund, spricht ungern Leute an. So kennen ihn seine Parteikollegen. „Er braucht lang, bis er was sagt“, meint einer am Stand. Andere könnten sich besser verkaufen. Es sei aber auch schwer Politiker zu sein, wenn man „wie Ciresa erst mit 55 Jahren“ eingestiegen sei. Aber er habe die Partei im Land aufgebaut und sich verdient gemacht, deshalb sei er wohl auch Kandidat.

Der geborene Redner ist Ciresa nicht. Seine Antworten hören sich an, als habe er sie eingeübt. Ihm liege der Umwelt- und Naturschutz am Herzen, sagt er und nennt in diesem Zusammenhang den „Atom- und Kohleausstieg einen Irrsinn, dessen Folgen niemand bedacht hat“. Etwa den Anstieg der Stromkosten. Und die enorme Zahl der „Vogelschredder“, so nennt er Windräder, die den „Restbestand an Rotmilanen auch noch killen“. Die Grünen hätten ihre Ideale verraten.

Ideale hat Ciresa auch. Sie sind konservativ und nationalistisch. Zum Beispiel wünscht er sich die traditionelle Familie zurück. Frauen, die wegen der Kinder zuhause blieben, würden heutzutage diskriminiert – „da läuft was falsch“. Zudem sei es erschreckend, wie viele alleinerziehend seien. Auch seine Tochter. Wegen der Enkelkinder habe er sich entschlossen, in die Politik zu gehen. Und die AfD gewählt.

Früher war der 59-Jährige SPD-Anhänger. Bis Gerhard Schröder mit seiner Agenda kam und mit Hilfe von Hartz-Gesetzen und Aufwertung der Leiharbeit „Fabrikarbeiter und Handwerksbetriebe kaputt gingen“. Auch diese Aussage passt nicht zum Wahlprogramm der AfD, die alles dem freien Markt überlassen will und wo Arbeitnehmerrechte kein Thema sind.

Emotional wird Ciresa, wenn es um die Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur zum Völkermord an den Juden geht. Einen Strich will er ziehen: „Der Kult um die Schuld ist doch maßlos übertrieben.“ Parteikollege Björn Höcke hätte gesagt, was viele denken, als er vom Denkmal der Schande gesprochen habe. „Nur der Zeitpunkt war falsch.“


Biographie Eugen Ciresa ist 59 Jahre alt und in Schelklingen geboren. Er ist verheiratet, hat eine Tochter. Gearbeitet hat er im Zementwerk, bis er sich als Kran-Sicherheitstechniker selbstständig gemacht hat. Inzwischen arbeitet er für eine Landtagsabgeordnete der AfD im Stuttgarter Landtag. Ciresa hat die AfD 2013 im Land mitgegründet und ist seither Sprecher des Kreisverbands Ulm/Alb-Donau. Bei der Landtagswahl reichte es nicht für ein Mandat.

Letztes Wort
„Ich stehe für ein Land, in dem auch die Deutschen wieder gerne leben. In dem unsere Frauen ohne Pfefferspray ausgehen und unsere Kinder ohne Aufsicht in das Freibad gehen können.“

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Kommentare

15.09.2017 16:50 Uhr

Voll normal

Zitat: "Wieso sind im wöchentlichen Prospekt eines deutschen Discounters Familien zu sehen, die unterschiedliche Hautfarben haben?"
Tja, warum nicht? Was genau stört den AfD-Fragesteller daran? Ist er der Meinung, das es das nicht gibt (oder geben darf)? Oder ist er gar der Meinung, dass andere Hautfarben wie die vermutlich von ihm bevorzugte weiße bzw. helle weder in Deutschland oder schon gleich gar nicht innerhalb einer Familie vorkommen dürfen (von wegen "Rassegesetze", hatten wir alles schon mal)?
Man weiß es nicht (und will es eigentlich auch gar nicht wissen).

Zitat:"Stattdessen: Schwule, die heiraten, Geschiedene, Alleinerziehende – „da stellt sich doch die Frage: Ist die Ausnahme jetzt normal?“
Nun, ungefähr 10 Prozent der Menschen sind homosexuell, das ist völlig normal (und wenn es nur 1 Prozent oder 50 Prozent wären, wäre das auch völlig normal)
Heutzutage wird ungefähr jede zweite Ehe geschieden, das ist völlig normal.
Es gibt sehr viele Alleinerziehende (siehe oben: Geschiedene), das ist auch völlig normal.
Das alles sind keine Ausnahmen, sondern völlig normal. Und wenn es nicht "normal" wäre, sondern die Ausnahme, würde es auch nichts machen. Jeder Mensch ist ein Individuum und deswegen ist die Welt bunt.
Willkommen in der Wirklichkeit, Herr AfD-Fragesteller!

Zitat Ciresa: "Zum Beispiel wünscht er sich die traditionelle Familie zurück. Frauen, die wegen der Kinder zuhause blieben, würden heutzutage diskriminiert – „da läuft was falsch“. Zudem sei es erschreckend, wie viele alleinerziehend seien. Auch seine Tochter."
Nun ja, wenn Frauen zu Hause bleiben und sich auf ihren werten Gatten verlassen, sind sie im Falle einer Scheidung nicht nur, aber vor allem finanziell schwer in den Arsch gekniffen. Einen Unterhaltsanspruch an den Ex-Gatten haben sie nicht, währen der Ehe erworbene Rentenansprüche werden geteilt, so dass keiner von beiden noch eine auskömmliche Rente haben wird.
Ungefähr die Hälfte der Ehen werden geschieden (siehe oben).
Ein Mann ist keine Altersvorsorge!
Einen halbwegs anständig bezahlten Job zu finden nach jahrelanger Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ist auch heutzutage sehr schwierig. Für diese Frauen ist Altersarmut so gut wie sicher. Aber vielleicht wünscht sich Ciresa ja genau das, das Muttchen am Herd, das den Mund hält , wenn der Herr des Hauses spricht und vom "Familienernährer" auch finanziell abhängig ist?
Man weiß es nicht (und will es eigentlich auch gar nicht wissen).

Auf eine hohe Wahlbeteiligung!

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