Warnstreiks von Verdi mit Kundgebung auf dem Münsterplatz

Die Gewerkschaft Verdi hat gestern mit ihren Warnstreiks im öffentlichen Dienst zahlreiche Einrichtungen lahmgelegt. Alle Kitas in Ulm waren geschlossen. Auf dem Münsterplatz gab es eine große Kundgebung.

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Rund 3000 Gewerkschaftsmitglieder des öffentlichen Dienstes waren der Aufforderung von Verdi gefolgt, sich auf dem Ulmer Münsterplatz zu eine Kundgebung zu treffen.  Foto: 

Die Gewerkschaft Verdi hat am Donnerstag mit ihren Warnstreiks im öffentlichen Dienst zahlreiche Einrichtungen lahmgelegt.

Wenn die Beschäftigten im öffentlichen Dienst mehr Lohn fordern, wollen sie auf diese Weise auch mehr Wertschätzung für ihre Arbeit erreichen. Das war der Tenor bei einer Verdi-Kundgebung im Rahmen der laufenden Warnstreiks auf dem Münsterplatz. Die regionale Verdi-Chefin Maria Winkler begrüßte fast 3000 Gewerkschaftsmitglieder, die nach einem Sternmarsch teils mit Müll- und Bauhoffahrzeugen auf den Platz kamen.

Wegen der Schließung aller 33 Kitas in Ulm waren auch viele Kindergärtnerinnen vor Ort, außerdem – wie Winkler betonte – erstmals Mitarbeiter der Sparkasse Ulm. Allein die SWU waren demnach mit etwa 300 Streikenden vertreten. Das Kundencenter im Glaspalast und das Servicecenter Neue Mitte waren zu. Das galt auch für die Rathaus-Tiefgarage, das Jobcenter Alb-Donau und die Küche der Rommelkaserne.

Zudem kamen Busse mit Verdi-Mitgliedern aus Oberschwaben, Aalen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim. Dort sei die „halbe Stadtverwaltung“ geschlossen, berichtete Winkler. Auch eine Abordnung der Stadt Neu-Ulm war vertreten.

Die Verdi-Geschäftsführerin verlangte mehr Anerkennung für die Arbeit der Beschäftigten, die in vielen Berufen rund um die Uhr tätig sind. Die Tarif-Forderung nach 100 Euro Sockelbetrag bevorzuge diesmal die unteren und mittleren Lohngruppen. Darüber hinaus wolle man 3,5 Prozent: „Das ist für die öffentlichen Haushalte bezahlbar.“

Auch Roland Eckrich vom Baubetriebshof war bei seiner Ansprache sicher: „Es ist genügend Geld in der Kasse“. Man brauche einen Ausgleich für gestiegene Lebenshaltungskosten. Für die Kitas forderte Doris Fuchs eine angemessene Entlohnung in dem schönen, jedoch anstrengenden Beruf. Der neue Betriebsratschef der Stadtwerke, Dr. Claus Deyle, griff das Management an. Die Mitarbeiter trügen jedenfalls keine Schuld an Kraftwerken, die sich nicht rechnen oder nicht funktionieren, und seien – mit Blick auf das neue Gebäude K 3 – nicht für die Büropaläste verantwortlich. Jeder Mitarbeiter müsse wegen der finanziellen Schieflage der SWU jährlich auf 1000 Euro verzichten.

Verdi-Landeschefin Leni Breymaier aus Stuttgart überbrachte auch eine Solidaritätsadresse an die streikenden Tageszeitungs-Journalisten. Warnstreiks wie auf dem Münsterplatz sollen aus ihrer Sicht bewirken, „dass der Wert unserer Arbeit begreifbar wird“. Wie auch ihre Vorredner übte sie scharfe Kritik an der Diäten-Erhöhung des Bundestags. Die Spreizung zwischen großen und kleinen Einkommen nehmen ständig zu. Deutschland mache jede Sekunde 170 Euro Schulden, aber die privaten Vermögen stiegen in der Zeit um 10 000 Euro. Das sei ein Skandal. Breymaier: „Geld ist genug da.“ Es müsse eine Vermögenssteuer und Vermögensabgabe geben. Dann seien auch Infrastruktur und Pflege finanzierbar.

Die großen Lebensrisiken wie Krankheit, aber auch die Altersrente, müssen ausreichend abgesichert werden. Die Spitzenmanager der Dax-Konzern hätten zuletzt sage und schreibe 450 000 Zuschuss für die Altersvorsorge erhalten. Der Mindestlohn gehe in Ordnung, es müsse mehr um den Wert der Arbeit gehen: „Wir erwarten mehr Respekt für unsere Tätigkeit.“

 Reaktionen auf dem Münsterplatz "Streiken, um wachzurütteln"

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Kommentare

27.03.2014 19:29 Uhr

Nur keine Blöße!

Spätestens seit der Veröffentlichung der Marx'schen Kritik an etlichen nicht nur damals vor weit über einhundert Jahren auf Abwegen wandelnden Vertretern der Politischen Ökonomie gilt unabweisbar die Voraussetzung allen Handelns, dass die für Dritte unentgeltlich erbrachte Arbeit dafür maßgeblich ist, welche Leistungen gegen Entgelt verbleiben, um die eigene Existenz zumindest materiell absichern zu können (ders.: Capital. A Critique of Political Economy. Volume One, London, 1976, p. 646: Penguin Books). Insofern befindet sich gegenwärtig die Gewerkschaft ver.di in der Bringschuld einerseits zu belegen, warum der Anteil des Ersteren angeblich sinkt und daher andererseits eine Erhöhung der Löhne insbesondere von öffentlich Bediensteten zur Erfüllung der Zwecke des Letzteren erforderlich ist. Gibt es für das Führen eines solchen Nachweises sozial keine Anhaltspunkte, bleibt die Tarifforderung willkürlich erhoben und legt dadurch das ganze Elend der dort in derselben Weise zugleich hinreichend kritisiert in die Irre gehenden Teile der Arbeiterbewegung vor aller Augen bloß.

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