Walter Spira: Clown, Philosoph und Sex-Symbol

Willkommen in der Welt der Liedermacher, der Welt von Mey, Moustaki, Brel oder Hoffmann, der Welt des Walter Spira.

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Die inzwischen sechste Ausgabe der „Nacht der Liedermacher“ am Freitagabend für die Aktion 100.000 im ausverkauften Edwin-Scharff-Haus war wieder einmal vollgepackt mit großartigen Liedern von großartigen Künstlern – und doch war der Abend noch viel mehr. Und darum: Willkommen im „Cirque du Spira“, hereinspaziert in seine bunte Welt mit Musikanten und Tänzern, brennenden Fackeln und glitzernden Kleidern, verführerischen Strapsen und eindrucksvollen Stimmen.

Walter Spira schaffte es gleich mit den ersten Takten von „Über den Wolken“ sein Publikum stimmungsvoll hineinzuziehen in seine Welt. Nach diesen ersten leisen Tönen wurde es gleich pompös. Denn Walter Spira hatte natürlich auch in diesem Jahr wieder musikalische Freunde um sich geschart. Neben seiner hochkarätig besetzten Begleitband konnte er als musikalische Verstärkung die Ulmer Iveco BigBand gewinnen und als optische Zugabe eine Tanzformation von Ritmo Latino aus Neu Ulm. Mittendrin, gleichsam als Zirkusdirektor, Walter Spira, der noch in viele andere Rollen hineinschlüpfte. Spira, der traurige Clown und schöne Gigolo, der schillernde Transvestit und einfühlsame Frauenversteher, der Lebensphilosoph und das Möchtegern-Sexsymbol.

Musikalisch und optisch kennt der Mann keinerlei Berührungsängste. Zu den Klängen der Filmmusik „Conquest of Paradise“ erschien Spira der Guru und Heilsbringer samt Jüngern in wallenden Goldgewändern um gleich darauf als perfektes Wolfgang Petry-Double einen heimlichen Traum erfüllt zu bekommen. Endlich fliegen auch bei ihm weibliche Dessous auf die Bühne, ein echter „Wahnsinn“. Der wahre Walter Spira erfüllte sich noch einen echten musikalischen Traum. Einen seiner populärsten eigenen Songs „Mein Lieblingsscheißgefühl“ gab es zum Verzücken seiner Fans an diesem Abend mit Big Band-Begleitung. Das Orchester mit seinen beiden Sängern war eine echte Bereicherung zur ohnehin glänzend besetzten Begleitband von Walter Spira. Swingklassiker wie „In The Mood“, „Sway“, „Mack the Knife“ oder Benny Godmans „Sing Sing Sing“ bildeten einen wohlklingenden Kontrast zu den Liedern die Walter Spira für diesen Abend ausgewählt hatte. Und diese zeugten von hoher Qualität, musikalisch und textlich. Dem ironischen „Uschi“ von Stephan Sulke folgte ein intensives „Wenn du liebst“ von Klaus Hoffmann. Zärtlich verspielt der Anfang des Stückes, fröhliche Sirtaki-Klänge am Ende. Angetrieben von Ritmo Latino hielt es niemanden mehr auf den Stühlen.

Auf die Ausgelassenheit setzte Spira an diesem Abend musikalische Kontrapunkte. Dem lasziv-erotischen „Salambo“, samt perfekter Sexclub-Atmosphäre, folgte eine tiefe musikalische Verbeugung vor dem im letzten Jahr verstorbenen George Moustaki. Seine Persiflage auf „Volare“ (bei ihm „Voll Haare“) zwang förmlich zum Mitsingen, gleich darauf erlebte man eine echten Gänsehautmoment, als er Michael Jacksons „Earth Song“ mit eindringlichem deutschen Text förmlich zelebrierte. Spielerisch schaffte Walter Spira den Spagat zwischen herzlicher Fröhlichkeit und zu Herzen gehender Nachdenklichkeit.
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