Königsfischen: Vorwurf der Tierquälerei

Fischer fangen Signalkrebse und verspeisen sie nach dem Königsfischen. Tierrechtler sind gegen die Tötung im heißen Wasser.

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Der Signalkrebs macht heimischen Krebsarten zu schaffen.  Foto: 

Beim Königsfischen des Fischereivereins Ulm/Neu-Ulm werden am kommenden Sonntag wieder die Angler mit den dicksten Fischen gekürt. Das ist Tradition des 1880 gegründeten Vereins. Was am Haken hängt, behalten die Angler und verzehren es später. Zum Königsfischen im Baggersee Am Sandhaken im Donautal gehört inzwischen auch, dass dort schon dieser Tage Reusen ausgelegt werden, um Signalkrebse zu fangen und sie dann am Sonntagmorgen zum Abtöten in heißes Wasser zu werfen und später bei einem Glas Wein zu verspeisen.

Diese kulinarische Gepflogenheit ist jetzt der bundesweiten Tierrechtsorganisation Peta übel aufgestoßen. Dies sei tierquälerisch und rechtswidrig, schreibt Denis Schimmelpfennig von der Peta-Pressestelle. Laut Tierschutzgesetz dürften Wirbeltiere nur aus einem „vernünftigen Grund“ getötet werden. Und als solcher gilt der Verzehr. Aber beim Wettbewerbsfischen trete dieser in den Hintergrund. Deshalb hat Peta das Ulmer Veterinäramt aufgefordert, das Fischerfest zu untersagen. Peta beklagt, dass „zur Unterhaltung ein Wettfischen stattfindet und zur Verköstigung Krebse lebendig gekocht werden“. Solche Praktiken dürften nicht mehr erlaubt sein, denn inzwischen gebe es wissenschaftliche Untersuchungen, die bestätigten, dass Fische, Hummer und andere Krebse „Schmerzen und Angst empfinden“.

Dazu sagt Thomas Ley, der Leiter des städtischen Veterinäramtes: Er werde die Veranstaltung nicht unterbinden. Erstens sei das Königsfischen kein Wettangeln, bei dem es darum geht, wer die meisten Fische fängt, die dann wieder ins Wasser geworfen werden. Sondern es werde zur Lebensmittelgewinnung geangelt. Zweitens sei das Töten von Hummern und Krebsen in heißem Wasser zulässig. „Jedoch müssen die Tiere vollständig mit kochendem Wasser bedeckt sein und es muss so lange sprudeln, bis die Krebse weich sind“, sagt Ley.

Es seien niedrige Tiere, die unter anderem auf Reize wie hell und dunkel reagieren. Im Handel sei ebenso die Schockfrostung eine erlaubte Methode. Und Restaurants dürfen Hummer mit zugebundenen Scheren im Wasserbecken halten und frisch zubereiten. Aber davon sollte sich die Haute Cuisine trotzdem langsam verabschieden, findet der Veterinär. Verboten sei es lediglich, lebende Krebse auf Eis frisch zu halten.

Holger Plangl, Vorstandsmitglied des Fischereivereins, kann über die Anschuldigungen Petas nur schmunzeln: Der Signalkrebs sei ein „gut schmeckender Schädling“, denn er schade dem heimischen Edelkrebs und fresse Fischlaich.

Die Fremdlinge gelangten ursprünglich aus einer Zucht in die Iller und vermehrten sich massiv, weil sie gegen die Krebspest resistent sind, was der Edelkrebs nicht ist. Der Verein hatte zwar Fische ins Gewässer eingesetzt, die die Signalkrebse fressen wie Zander und Barsch, aber das habe nicht geholfen. Deshalb halte der Fischereiverein die Population nun niedrig, indem der Krebs gefangen wird.

Fürs Königsfischen am Sonntag werde man aber höchstens 200 Signalkrebse fangen. Und: Dieses Tier in heißem Wasser zu töten, sei die einzige schnelle Variante. „Dann kommen drei bis vier auf jeden Teller und wir können die Krebsschwänze zu einem Glas Weißwein genießen.“

Kommentar zum Verzehr von Hummer und Co.: Ablehnen statt sich Auflehnen

Die Tierrechtsorganisation Peta ist mal wieder übers Ziel hinausgeschossen. Da klagt sie einen kleinen Fischereiverein an, weil er bei seinem Fest 200 Krebse in der Küche ins heiße Wasser wirft, um sie zu verzehren. Keine Frage, schön ist das nicht. Aber vorher müsste man die Fischindustrie verbieten, Schlachthöfe schließen und Vegetarier werden.

Leider ist noch nicht bewiesen, ob niedere Tiere beim Getötetwerden Schmerzen empfinden. Fest steht, sie alle haben Nerven. Es gibt Versuche, bei denen Forscher Strandkrabben, die wie Hummer und Garnelen zu den Krustentieren gehören, in einem Aquarium mit Elektroschocks sichtbar irritierten.

Denkt derjenige, der sich im Supermarkt Garnelen aus der Tiefkühltruhe holt, übers Abbrühen oder das Schockfrosten nach? Mitnichten. Übrigens stammen preiswerte Garnelen oft aus asiatischen Zuchtanlagen und sind mit Antibiotika vollgepumpt. Wie die Hummer, die mit zusammengeklebten Scheren im Aquarium eines Restaurants auf ihr Ende warten. Es ist kein Trost, dass Köche vor dem Abkochen noch mit dem Messer in den Kopf stechen.

Sich aufzulehnen gegen die gängigen Methoden bringt nichts. Also hilft nur, diese überflüssigen Speisen abzulehnen. Wo keine Nachfrage, gibt es auch bald kein Angebot mehr.

Ein Kommentar von Carolin Stüwe.

Namen Der Signalkrebs ist ein dem Edelkrebs sehr ähnlicher aus Nordamerika stammender Flusskrebs, der nun in Europa als Neozoon (Neu-Tier) vorkommt. Die Scherenoberseite ist am Gelenk des Scherenfingers mit einem weiß-türkisen Fleck gezeichnet, der dem Krebs den Namen gab.

Größe Mit 12 (Weibchen) und 16 Zentimetern (Männchen) ist der Signalkrebs etwas kleiner als der Edelkrebs. Die Männchen wiegen bis zu 200 Gramm, die Weibchen an die 80. Die Tiere werden etwa 7 bis 10 Jahre alt. Bei hohen Bestandsdichten können Signalkrebse einen beträchtlichen „Räuberdruck“ auf bevorzugte Beutearten ausüben, heißt es in der Fachsprache.

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Kommentare

05.09.2017 13:32 Uhr

Halb oder ganz im Wasser?

Ich finde die Reaktion des Veterinäramtes durchaus in Ordnung, denn es vertritt das geltende Recht.

Es mag durchaus eine kleine Gruppe von Extremisten geben, die das Töten von Tieren zum Verspeisen nicht richtig findet, das ist durchaus in Ordnung. Diese sollten aber auch respektieren, dass die weitaus größte Mehrheit da anderer Meinung ist.

Leider haben die veganen Fundamentalisten im Internet einen solchen Kommentarstellenwert erreicht, der die wirkliche Meinungsverteilung in keinster Weise rechtfertig.

Natürlich ist es ein Unterschied ob das Tier halb oder ganz mit Wasser bedeckt ist. Diese Aussage zeugt von Unwissenheit.

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05.09.2017 09:24 Uhr

Tradition ist keine Rechtfertigung für Grausamkeit

Ich finde die Reaktion des Veterinäramtes nicht in Ordnung, da seine Aufgabe u.a. im Schutz von Tieren besteht und nicht in der Rechtfertigung grausamer Tötungsmethoden. Das Gesetz, das das Verbrühen von Schalentieren am lebendigen Leib erlaubt, ist offensichtlich nicht auf dem neusten Stand, da mittlerweile bekannt ist, dass den Tieren durch das kochende Wasser große Schmerzen zugefügt werden. Dabei ist es dem Tier völlig egal, ob sein Körper nun ganz oder nur halb mit heißem Wasser bedeckt ist oder ob es am Ende weich oder hart ist. Kein Lebewesen auf der Welt sollte für den schnellen Gaumengenuss derartige Qualen durchleben; Nur weil etwas legal ist, ist es noch lange nicht richtig.

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