Campus-Vorschlag des SSV: Stadt ist „offen für Kooperationen“

Auf den Vorschlag des SSV 1846 Fußball für einen gemeinsamen Campus mit den Basketballern gibt es gespaltene Reaktionen.

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Der Orange-Campus nach der Idee von Ratiopharm Ulm.  Foto: 

Von denen, um die es geht, kommt am Mittwoch: nichts. Eine Stellungnahme von Ratiopharm Ulm, sagte Pressesprecher Martin Fünkele auf Anfrage, werde es erst im Lauf der Woche geben. Denn vom Angebot des SSV 1846 Fußball, über ein gemeinsames Nachwuchszentrum aller Ulmer Spitzensportler nachzudenken, haben die Basketballer laut Fünkele erst am Mittwochmorgen aus der SÜDWEST PRESSE erfahren. Wie berichtet will Fußball-Vorstand Anton Gugelfuß „die Idee eines Campus retten“.

Seit Monaten schwelt der Konflikt um die Finanzierung des 23-Millionen-Projekts Orange Campus zwischen der Stadt und der Geschäftsführung der BBU ’01. Ihre Idee sehen Aufsichtsrat und Vorstand der Fußballer als einen Ausweg aus dieser Krise. In einer aktuellen Stellungnahme schreibt Oberbürgermeister Gunter Czisch, die Stadt stehe „Vorschlägen zu Kooperationen sehr offen gegenüber, wenn dadurch Risiken und Verantwortung sinnvoll geteilt werden können“. Schließlich wolle „jede einzelne Vereinssportstätte betrieben, unterhalten und auf Dauer solide finanziert werden“.

Sportgroßprojekte seien eine große Herausforderung für die überwiegend ehrenamtlich geführten Vereine. Czisch wiederholte seine Forderung, dass „Konzeption, Finanzierung und Kompetenz der Vereine, die solche Projekte auf den Weg bringen wollen, zukunftsfähig, nachhaltig, solide und überzeugend“ sein müssten. Sein letzter Satz: „Es liegt in der Hand der Verantwortlichen in den Vereinen, Allianzen zu schmieden und gemeinsame Lösungen zu ermöglichen.“

„Nett, aber unrealistisch“

Die Fraktionen reagierten unterschiedlich: Die Grünen ließen wissen, dass sie es begrüßen würden, wenn sich die Verantwortlichen einigten. Der Gedanke der Share Economy sei auch im Sport nicht falsch. Zurückhaltender gab sich Reinhold Eichhorn für die FWG: „Das ist eine nette Idee, ich halte es aber für unrealistisch.“ Die Vorstellungen gingen zu weit auseinander. Ralf Milde (FDP) hingegen findet: „Das geht auf keinen Fall, das lässt sich nicht mischen.“ Es handle sich um verschiedene Wege. Richtung SSV 1846 Fußball sagte er: „Trittbrettfahrer können wir in dieser Diskussion gar nicht gebrauchen.“

Ähnlich sieht das CDU-Fraktionschef Thomas Kienle, der vermutet, die Fußballer wollten ihre Probleme in der Friedrichsau „mit dem Geld der Basketballer finanzieren“. Seine Fraktion freue sich über jede Idee, die den Sport und die Stadt voranbringe. „Wir können aber erst etwas dazu sagen, wenn es einen konkreten Antrag gibt.“ Die SPD, die als einzige Fraktion im Rathaus vorab ihre Zustimmung zum Orange Campus signalisiert hatte, war überrascht von dem Vorstoß. „Ich will das nicht von vornherein verwerfen“, sagte Fraktionschefin Dorothee Kühne. Man müsse aber genau überlegen, was der Vorteil gegenüber dem Einzelprojekt wäre.

„Verfahrene Situation“

„Der müsste jetzige Nachteile kompensieren.“ Kühne glaubt, der Standort auf dem alten Donaubad-Gelände wäre günstiger für Schulen, um Hallen zu nutzen. Dass auch der SSV Bedarf hat, bestreite sie nicht. „Aber dass die Idee tatsächlich diese verfahrene Situation klären kann, kann ich mir nicht vorstellen.“

Walter Feucht, der den Orange Campus vielfach kritisiert hat, begrüßte das Gesprächsangebot. Feuchts Antrag auf einen zusätzlichen Zuschuss für sein Sportopia-Projekt der TSG Söflingen war vom Gemeinderat abgelehnt worden. Er befürchtet, dass der Orange Campus mehr kosten wird als veranschlagt. Deshalb sei es „eine wichtige Diskussionsgrundlage, über eine breite Basis für den Ulmer Sport nachzudenken.“

Vorschlag Vorstand und Aufsichtsrat des SSV 1846 Fußball hatten am Dienstag ein gemeinsames Nachwuchszentrum für alle Ulmer Spitzensportler ins Gespräch gebracht. Es gebe viele Synergien. Auf einen Standort wollte man sich nicht festlegen.

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Kommentare

12.10.2017 08:06 Uhr

Teilung der Risiken?

Das wäre keine "Teilung der Risiken", sondern eine Addition der Risiken. Denn es würde bedeuten, dass beim Ausfall/Konkurs eines der Partner der andere dessen Part noch mitstemmen und dafür entsprechende Finanzmittel vorhalten müsste.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Stadtrat so einem Konstrukt zustimmen würde. Dazu müssten BEIDE (alle) Partner jeder für sich die exorbitanten Anforderungen der Stadt erfüllen. Und dass das leichter sein soll, als wenn das nur einer davon (BBU) leisten muss, erschließt sich mir nicht.

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