Vorgezogene Abschiedsparty für den OB am Schwörmontag

Gönner, zum 24.: An einem Schwörmontag wie aus dem Bilderbuch trugen die Ulmer und ihre Gäste Ivo Gönner in Sympathiewogen über den Tag. Selbst beim Nabada war das Stadtoberhaupt das Maß der Dinge.

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Es ist obligatorisch, dass sich die Besucher der Schwörfeier zum Schwur des Oberbürgermeisters erheben und dem OB im Stehen Beifall spenden. Am Schwörmontag artete der Applaus in stehende Ovationen aus, nachdem zuvor die eine oder andere Träne unterdrückt worden oder auch geflossen war: Ivo Gönner hatte seine 24. und wegen seines bevorstehenden Rückzugs im März 2016 letzte Schwörrede gehalten. Und die Ulmer und ihre Gäste, in vieltausendfacher Zahl wie noch nie vormittags um 11 Uhr auf dem Weinhof erschienen, verbeugten sich mit nicht enden wollendem Beifall unter den festlichen Tönen der durch Josef Christ dirigierten Jungen Bläserphilharmonie Ulm.

Der Applaus galt natürlich der Person Gönner. Aber auch einer Rede, in der er deutliche politische Aussagen traf, die weit über die Stadtpolitik hinausreichen. Etwa die, dass es zum geeinten Europa keine Alternative gebe und gerade in Zeiten der Krise ein jeder entschlossen und überzeugt dafür eintreten solle. Und die, dass menschlicher Umgang und menschliche Unterbringung von Flüchtlingen Grundprinzipien einer menschlichen Stadtgesellschaft seien.

Gönner war noch am Morgen eine Unterschriftenliste aus Wiblingen überreicht worden mit der Forderung, auf ein in den Eschwiesen geplantes Flüchtlingswohnheim zu verzichten. Diesem Ansinnen und jeglicher Form des Schürens von Ressentiments erteilte der OB eine deutliche Absage: "Die Stadtgesellschaft muss alles tun, den Menschen in Not eine sichere Heimat zu geben."

Auch dafür erntete er wenig später hohen Respekt: den des Ministerpräsidenten. Winfried Kretschmann war erstmals bei einer Schwörrede - und schwer beeindruckt. Die Ulmer Stadtverfassung toppe sogar die bemerkenswerte Verfassung des Landes Baden-Württemberg, sagte Kretschmann beim Empfang im Rathaus nach der Schwörfeier: "Das war etwas Besonderes für mich. Ich habe einen großartigen Eindruck von Ulm."

Zu diesem Zeitpunkt war Gönner bereits angekommen auf der Welle von Sympathiebezeugungen durch seine Ulmer, die ihn über seinen letzten Schwörmontag als OB trugen. Sie gipfelten in einem neuen Schlachtruf, der während des Nabada vom Wasser aus immer wieder angestimmt wurde und aus jungen wie älteren Kehlen gleichermaßen ertönte: "Ivo, du bist ein geiler Typ." Und dieser Typ hatte Mühe, die jugendhaft-lässig formulierte Wertschätzung mit der ihm angeborenen Bescheidenheit zu überspielen. So stand er auf der am Ufer festgezurrten Schachtel und sah bisweilen vor lauter wilder Nabader das Donauwasser nicht mehr.

Wie schon am Morgen auf dem Weinhof waren auch am Nachmittag auf der Donau abertausende überwiegend junge Menschen auf dem Weg in die Friedrichsau hinunter. In den trüben Fluten fast untergegangen sind in diesem Jahr die Themenschiffe, die zwar reichlich lokale Themen aufgegriffen haben, angesichts der unüberschaubaren Zahl wilder Bader aber wenig zur Geltung kamen.

Dreimal Münsterturm, dreimal Gönner, die SWU und nur einmal die Kanzlerin - das war ganz nach dem Geschmack der Ulmer Seele. Vor allem das Schiff der Klinik für Strahlentherapie der Uni und der HNO-Klinik am Bundeswehrkrankenhaus hatte es den Zuschauern angetan. Sie haben die Situation der Stadtwerke thematisiert und einen scheidenden Geschäftsführer gezeigt, der - durchaus symbolhaft - Kohlen schleppte. Auf großes Hallo traf auch das Themenschiff "Tatort" von Fan-Attack der Ulmer Basketballer. Deren Tatort wird aber nicht im Fernseher gezeigt, sondern jeden Tag in Ulm gespielt: "Ob Straßenbahn, Sedelhöf', Glühwein ohne Schuss; der Ulmer Tatort: spannend bis zum Schluss."

Anschließend gingen die einen "end Au na", die anderen in die Stadt und die nächsten nach Söflingen, wo traditionell im Klosterhof gefeiert wird. Auf den Münsterplatz pilgerte das U-30-Publikum zur 90er-Jahre-Party, während in der Friedrichsau wieder die Kindergärten und Biergärten bespielt wurden. Auf die längste Geschichte hierbei kann sicherlich der Elterninitiative-Kindergarten gleich am Eingang zurückblicken, in deren Chormuschel bereits zum 27. Mal Robbi & Friends die Hits der Rock- und Pop-Geschichte spielten.

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