Vorbereitungen für "Ulmer Oratorium" laufen

In knapp einem Jahr geht das spektakuläre "Ulmer Oratorium" auf dem Münsterplatz über die Bühne. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Komponist Marios Joannou Elia berichtet über das Projekt.

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"Alsdann wird euer Licht hervorbrechen": Als der Hauptturm des Münsters anno 1890 vollendet war, da feierten die Bürger diese Spitzenleistung von 161,53 Metern mit einer Aufführung des Oratoriums "Elias" von Felix Mendelssohn Bartholdy. 125 Jahre später wird zum Jubiläum auch ein großes musikalisches Werk erklingen: "Kreuzblume - Eine Turmfantasie. Ein Ulmer Oratorium". Und wie heißt der Komponist? Ausgerechnet Elia. Dass seine Partitur 125 Stimmen auflistet, ist dagegen kein Zufall. "Die ganze Welt ist Harmonie und Zahl", sagt der Zyprer mit Pythagoras.

Marios Joannou Elia, der international gefragte Komponist und Event-Künstler, hat sich intensiv mit der Geschichte des Ulmer Münsters auseinandergesetzt, um das Auftragswerk für die Stadt Ulm zu realisieren. In dieser Woche ist er angereist, um erneut mit dem Produktionsteam zu sprechen und zum Beispiel auch die Glocken des Münsters und anderer Ulmer Kirchen zu "casten", wie man neudeutsch sagt. Das Glockenspiel von Abt komme dagegen nicht zum Einsatz: Die Kosten für eine Reparatur und eine digitale Aussteuerung seien zu hoch. Aber Steine - die Bausteine des Münsters - möchte Elia als Klangkörper nutzen. Ein nur klassisches Konzert darf man von ihm nicht erwarten: 2011 führte er in Mannheim, 125 Jahre Automobil galt es zu feiern, das Multimediaspektakel "Autosymphonic" auf, für das eine Hundertschaft Perkussionisten auch Oldtimer klangmäßig bearbeitete und Xavier Naidoo mitsang.

Und jetzt in Ulm? Am Dienstagnachmittag stellte sich der 39-Jährige im Rathaus gut gelaunt und offen den Fragen der Presse. 18 Minuten hat Elia bereits fertig komponiert - gut 45 Minuten sollen es werden. Die zwei Open-Air-Aufführungen am 29. und 30. Mai 2015 (Freitag und Samstag nach Pfingsten) werden ein musikalisches Großereignis sein, wie es Ulm in dieser Dimension noch nicht gesehen und gehört hat (und dessen Kosten mindestens 300.000 Euro betragen werden).

Rund 400 Mitwirkende zählen zum Aufgebot: Philharmonisches Orchester, Münsterkantorei, Oratorienchor, Ulmer Spatzen, Junge Bläserphilharmonie und eine Reihe von Solisten, darunter auch Jazztrompeter Joo Kraus. Alle sind dabei, denn bejubelt werde schließlich eine "Bürgerinitiative" des Jahres 1377, wie Elia sagt. Kein Klerus, kein Fürst - die Ulmer Bürger selbst hatten im Mittelalter beschlossen, diese Kirche zu bauen.

Aufführungsort des "Ulmer Oratoriums" ist natürlich der Münsterplatz: Auf drei Hauptbühnen und anderen Schauplätzen, darunter die Münsterbauhütte, wird gespielt. Mindestens 4000 Zuschauer werden Platz haben, sagt Sabrina Neumeister von der Kulturabteilung, die diese Eigenproduktion organisiert. Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland hat die musikalische Leitung, Regie führt Matthias Kaiser, Operndirektor am Theater Ulm. Und dieser nennt ein Beispiel für die Größenordnung des Projekts: Man werde nächstes Jahr in den Ulmer Messehallen proben, um die Münsterplatz-Bühne simulieren zu können. "Jedes Detail zählt", ergänzt Elia. Vor allem die Akustik müsse perfekt ausgesteuert sein, meint der Zyprer.

Der österreichische Autor Robert Kleindienst hat das Libretto ("Eine Turmfantasie") geschrieben, auf dem das Oratorium basiert. Sein Werk erzähle in acht Szenen eine nachvollziehbare Geschichte und befrage die Zukunft, sagt Elia: "Was wäre Ulm ohne das Münster? Je höher man baut, desto tiefer muss das Fundament sein - und wenn man entdeckt, dass der Turm Risse bekommt, dann muss das Fundament gestärkt werden und die Gemeinschaft zusammenhalten."

Viel möchte das Produktionsteam noch nicht verraten über ein auch teuflisches zeitgenössisches Drama, in dem Kinder eine große Rolle spielen. Aber die Botschaft ist klar: Dieses "Ulmer Oratorium" soll bewusst machen, welche Bedeutung das gewaltige Bauwerk für die Stadt besitzt und dass es eine große Aufgabe ist, es zu erhalten. Ob es ein Happy End gebe in seinem Oratorium, wisse er noch nicht, sagt Elia lachend. "Wir haben eines bestellt", kontert Sabrina Neumeister schmunzelnd.

Und die Szenerie? Es gebe noch Gespräche, um eventuell die Kunstaktionen zum Münsterturmjubiläum in das "Ulmer Oratorium" zu integrieren, sagt Matthias Kaiser. Natürlich werde auch viel mit Licht und Video-Wänden gearbeitet. Aber das hauptsächliche Bühnenbild steht ja da: das Münster.

Der Komponist für Events

Zur Person Marios Joannou Elia, geboren 1978 auf Zypern, hat am Salzburger Mozarteum und an der Wiener Musikuniversität studiert. Er schreibt spektakuläre Werke und führt sie an ungewöhnlichen Orten auf. 2011 erlebten rund 17 000 Menschen sein Event "Autosymphonic" am Mannheimer Wasserturm. Aktuell ist Elia auch künstlerischer Direktor der Europäischen Kulturhauptstadt 2017: Pafos auf Zypern.

SWP

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