Von Ulm aus in die ferne Welt

"Die Tochter des Tuchkaufmanns" heißt der historische Roman von Susann Rosemann. Er spielt im spätmittelalterlichen Ulm.

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Ulm, 1485. Jolanthe, die jüngste Tochter des Tuchhändlers Winald Kun, möchte im väterlichen Kontor mit dem Einstieg in den Gewürzhandel expandieren. Nach einem unglücklichen Unfall des Vaters will die kaufmännisch talentierte Jolanthe ihren Geschäftssinn beweisen und eckt damit nicht nur beim sturen Vater an.

Die älteste Tochter des Tuchkaufmanns, die häusliche Sieglinde, kann das Gehabe der Schwester nicht nachvollziehen und tolerieren. Ihr ist das moderne Verhalten der Schwester zuwider, und sie spielt den Vater gegen die verhasste Schwester aus.

In diese Intrigen mischt sich ein zwielichtiger - vom Vater verschmähter - Händler namens Pascal Pallets ein. Er umgarnt die junge Tuchkaufmannstochter und gewinnt mit viel Charme ihr Vertrauen.

Die beiden reisen in die Handelsmetropole Venedig, denn im Fernhandel sieht Jolanthe die Rettung für das väterliche, vom Niedergang bedrohte Kontor. Jolanthe und Pascal kommen sich schnell näher und aus dem geschäftlichen Verhältnis wird eine absehbar komplizierte Liebesgeschichte. Doch der eloquente Franzose führt offenbar mehr im Schilde. . .

Susann Rosemann bezeichnet ihr Buch als historischen Kriminalroman. Doch von einem Krimi hat die Geschichte wenig. Die Spannung bezieht das Buch vor allem aus dem undurchsichtigen Charakter Pascals. Die Rivalität der Schwestern nutzt Susann Rosemann, um das weibliche Rollenverständnis im Mittelalter herauszuarbeiten.

Und das historische Ulm? Das liefert eben die Schauplätze: Ulmer Handelshäuser, das Ulmer Münster, der Münsterplatz, das Gerberviertel. Die hat die studierte Archäologin für ihre Recherche auch aufgesucht. In dem historischen Roman geht es der gebürtigen Bremerin, die jetzt in der Nähe von Stuttgart wohnt, darum, "die spätmittelalterliche Welt wieder aufleben zu lassen und das so anschaulich wie möglich".

Das traditionelle Handelsmilieu mit Leinen und Barchent in Ulm beschreibt die Autorin in der fiktiven Geschichte über die moderne Kaufmannstochter anschaulich. Doch für Ulmer Leser wird es nicht viel Neues über das historische Ulm geben - eine Prise Sozialgeschichte hätte dem Roman durchaus gut getan. Vielleicht gibt es die ja reichlicher im nächsten historischen Roman Susann Rosemanns. Er soll wieder in Ulm spielen. Dann geht es um eine Gauklerin, die nicht nur ihr eigenes Seelenheil, sondern auch das ihres Vaters retten muss, verrät die Autorin.

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