Von Montag an ist die Kienlesbergstraße einspurig gesperrt

Von Montag an können Autofahrer in Ulm stadtauswärts nicht mehr über die Kienlesbergstraße Richtung Lehrertal fahren - in diese Richtung ist die Strecke für den Verkehr gesperrt. Doch muss das wirklich sein?

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Blick vom SWU-Glaspalast auf die Kienlesberg-Wohnresidenz: Künftig den Bahntunnel unter sich und die neue Straßenbahnbrücke vor sich.  Foto: 

Gesperrt! Von Montag an können Autofahrer in Ulm stadtauswärts nicht mehr über die Kienlesbergstraße Richtung Lehrertal fahren. Das hat unterschiedliche Bedeutungen für Auto-, Bus- und Radverkehr. In eineinhalb Monaten wird auch nur noch die Stadteinwärtsspur der Neutorbrücke für den Autoverkehr offen sein. Bewohner und Besucher des Michelsberges müssen sich dann durch die – stark baustellenbelastete – Karlstraße und die Frauenstraße quälen. Das alles wegen des Baus einer Brücke, die sich einmal über fast 300 Meter hinweg für die neue Straßenbahnlinie 2 über die Bahnanlagen spannen wird. Wir stehen am Anfang eines Großkampfes, dem sich der Straßenverkehr in den kommenden Jahren ausgesetzt sieht.

Ulm geht unkommoden Zeiten entgegen. Denn das, was am „Gasbuckel“ rund um die Neutorbrücke anläuft, ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf Umstände, Umleitungen, Umwege, Sperrungen, Behinderungen, Erschwernisse, die mit dem Bau der Linie 2 verbunden sein werden. Nehmen doch während dieser Anstrengung auch die Baustellenbetriebe am Sedelhof und für die Tiefgarage am Hauptbahnhof ihren Lauf . . .

Muss das sein? Braucht Ulm das? Müssen wir das erdulden? Antworten mag zum Start des Baus der Linie 2, der vier Jahre in Anspruch nehmen wird, ein Blick zurück in die bewegte, fast 120 Jahre alte Geschichte der Straßenbahn geben. Die Tram hat Aufs und Abs hinter sich, nicht nur weil wegen der Ulmer Topografie Berge zu überwinden sind.

Ende der 20er Jahre, zu ihrer Blütezeit, erschloss ein Vier-Linien-Netz ganz Ulm mit der Straßenbahn, die sogar nach Neu-Ulm fuhr. Nach dem Krieg bedurfte es im Zuge des Autozeitalters aller politischen Vehemenz, um sie vor dem Aus zu bewahren. Nur die Kernlinie 1 wurde nicht durch den Autoverkehr überrollt. Die Renaissance der Schiene in der Stadt, ihr Zurück auf Start, ist gekoppelt mit der Abkehr des verkehrspolitischen Ideals einer autogerechten Stadt. Zwar scheiterte noch Ende der 90er Jahre ein Fünf-Linien-Konzept an einem Bürgerentscheid. Dennoch gelang schon wenig später und ohne größere Widerstände der Ausbau der Linie 1 nach Böfingen. Auf ihn folgt nun logischerweise der Ausbau um eine zweite Linie.

Ulm setzt, anders als Neu-Ulm, im Nahverkehr auf die Schiene und befindet sich in guter Gesellschaft von Städten wie Freiburg, Karlsruhe, Heilbronn, Saarbrücken. Wo dies geschieht, liegen volkswirtschaftliche Berechnungen zugrunde. Sie besagen auch für die Linie 2, dass der Nutzen, den die Tram der Allgemeinheit einfährt, höher ist als die Kosten.

An Bussen wird gerne ihre Flexibilität gerühmt. In Wahrheit fahren sie im Nahverkehr aber eben auch nicht alle Winkel einer Stadt an, sondern verkehren wie der komfortablere und daher besser akzeptierte Schienenverkehr auf durchgehenden Routen. Die Straßenbahn hat den Vorteil, dass sie in kurzer Zeit größte Fahrgastmengen befördern kann. Das wird nicht alle, aber manche Verkehrsprobleme lösen auf den extrem durch das Kommen und Gehen von Schülern, Studenten, Besuchern und Personal bevölkerten Wissenshügeln Kuhberg und Eselsberg. Davon wird – der Kreis schließt sich hier – am Ende der ganze Straßenverkehr profitieren. Dieses Ende ist aber erst von 2019 an. So lange gilt: durchhalten.

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Kommentare

22.08.2015 23:52 Uhr

baustelle

Alles geht wenn man will.
Diejenigen die immer auf die Baustellen schimpfen sollte man einmal fragen.

Wie wäre es wenn der Deutsche Staat die Städte und Gemeinden einfach einmal überhaupt nichts mehr machen würden, die Schaufel und den Spaten in der Ecke lassen.
Einige Jahre einfach nichts. Das hat große Vorteile. keine Baustellen, freie Fahrt für jedermann und die über hohen Schulden werden getilgt.
Ein Deutschland fünf oder noch mehr Jahre ohne Baustellen, was für eine tolle Sache, und Lärm über den alle maulen gibt es auch nicht mehr. Holla-Holla,

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22.08.2015 17:40 Uhr

"Wir stehen am Anfang eines Großkampfes"

Sehr gut, Herr Thierer!

Die gewohnt miese Stimmung der Autofahrer, wenn sie mal warten müssen, nochmals so richtig anheizen, bevor die Baustellen beginnen! Gleich Ihr erstes Wort im Text:
- "Gesperrt!" Ein Volltreffer! Oder in der Einleitung:
- "Doch muss das wirklich sein?" Ha, das sitzt! Jetzt nur nicht nachlassen!
- "Muss das sein? Braucht Ulm das?" Wahnsinn! Der Blutdruck steigt unaufhörlich! Einer geht noch!
- "Müssen wir das erdulden?" Sagenhaft, wie Sie das Volk demoralisieren, Herr Thierer! Jetzt den Gnadenschuß!! Los, tun Sie's!!
- "Nehmen doch während dieser Anstrengung auch die Baustellenbetriebe am Sedelhof und für die Tiefgarage am Hauptbahnhof ihren Lauf" Haha, jaaaa, jetzt röcheln sie nur noch, die Ulmer Autofahrer! Was für ein jämmerliches Bild, aber was für ein grandioses Finale!

- "[...] nur ein kleiner Vorgeschmack auf Umstände, Umleitungen, Umwege, Sperrungen, Behinderungen, Erschwernisse [...]" Ja, ja, is gut, is gut! Nun beruhigen Sie sich doch wieder, Herr Thierer! Sie wollen doch wohl nicht, daß die Autofahrer plötzlich mit dem Bus fahren!

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