Münsterpfarrer Peter Schaal-Ahlers gibt Führung nur für Männer

Was das Bauwerk mit der Rolle von Männern zu tun hat, erklärt Pfarrer Peter Schaal-Ahlers bei einer Führung – nur für Männer.

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Petrus war eine der sechs Stationen.  Foto: 

Wann ist ein Mann ein Mann?, fragte Sänger Herbert Grönemeier bereits im Jahre 1984 und schon damals schien das gängige Rollenbild ins Wanken zu geraten. Mehr als 30 Jahre später sieht es noch schlechter aus, sagt Münsterpfarrer Peter Schaal-Ahlers und provoziert seine ausschließlich männlichen Zuhörer mit folgenden Thesen: Es gibt keine männlichen Beschützer mehr, der Mann ist eine lächerliche Figur geworden, nicht wissend, ob er Softie sein soll oder der starke Typ zum Anlehnen. Selbst Männer mit Bart sind süß.

Was das Ulmer Münster mit der Rolle der Männer zu tun hat, welche Orte darin und welche Kunstwerke Orientierung und Gedankenanstoß sein können, das wollte der Pfarrer bei einer Führung unter dem Titel „Mann, oh Mann?“ zeigen.

Schaal-Ahlers nimmt das gigantische Bauwerk als Symbol für eine Zeit, in der Männer noch nicht zweifeln mussten. „Ein Mehrgenerationen-Bauwerk, ohne Finanz- und Zeitplan, aber auch ein Abbild des Größenwahnsinns“, sagt er, und seine Zuhörer starren den Turm hinauf. „Eine Männerphantasie, dieses Ausmaß“, fährt der Münsterpfarrer fort. Und ein Ort der Freiheit, weil man dort nicht bedrängt werde. Man könne einfach sein. Im Münster macht der 55-Jährige an fünf Stationen Halt und setzt die Orte beispielsweise in Beziehung zu Körper und Geist, Verletzung und Sünde, Bedingungslosigkeit, Schwäche und Größe, Freiheit, Liebe, Ehe und Geburt. Ein Halt ist auch die umstrittene Figur des Erzengel Michael, der „eine Herausforderung ist, uns mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen.“ Wer ihn entfernen wolle, mache es sich zu leicht.

Am Schluss steht der Tod. Der Pfarrer zitiert den amerikanischen Filmregisseur Woody Allen: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben: Mir wäre es aber lieber, ich wäre nicht dabei.“ Alle lachen, „aber das Zitat drückt aus, wie schwer es ist, die eigene Endlichkeit zu akzeptieren“.

Was bleibt? „Über solche Themen zu sprechen, fällt Männern meist schwer“, meint einer der Teilnehmer. Die Führung habe gut getan.

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