Vom Kitsch zum Trend

Seidenblumen und Plastikpflanzen in der heutigen Zeit? Zwei gelernte Kunsthandwerkerinnen zeigen in ihrem Ulmer Atelier "Callas" Geschmack, Schmuck und täuschend echte Gewächse.

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    Floristin Susanne Raffel arrangiert täuschend echte Kunstblumen. Fotos: Matthias Kessler
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Wer kennt das nicht? Kitschige Kunstblumenarrangements bei Großtanten, die neben Wandtellern im Regal ein tristes Dasein fristen und einen unangenehmen Plastikgeruch verströmen. Dass Kunstblumen auch stilvolle und individuelle Accessoires sein können, beweist schon das fröhlich dekorierte Werbe-Fahrrad, das vor dem Schaufenster des Kunstpflanzenateliers "Callas" in der Salzstadelgasse steht. Von ihm geht ein Charme aus, der sich auch im Inneren des kleinen Ladens widerspiegelt.

Die Inhaberinnen Susanne Raffel, gelernte Floristin, und Brigitte Matthes-Uetz, gelernte Goldschmiedin, dekorieren nicht nur den Drahtesel, sondern auch ihren Verkaufsraum jahreszeitlich entsprechend. Immer mit viel Liebe zum Detail. Gerade leuchten Gestecke von saftigem Grün über zartes Rosa bis hin zu dunklem Violett im Schauraum. "Im Sommer bevorzugen die Kunden Rosen und frische Farben, in der kalten Jahreszeit kräftigere Töne. Diesen Herbst liegen vor allem Dahlien in Beerentönen im Trend", sagt Susanne Raffel.

Einzelne Blüte, Bund oder üppiges Gesteck? Die Käufer stehen vor der Qual der Wahl. "Manche bringen ihre eigenen Gefäße mit und wir setzen ihre Wünsche um", sagt die Floristin.

Das schlechte Image der künstlichen Blumen schwinde zunehmend. "Kunstpflanzen sind im Kommen. Vor allem, weil sie immer echter wirken. Außerdem kann man nie vergessen, sie zu gießen", fügt sie zwinkernd hinzu. Aber ein Strauß, der nicht echt ist, nicht duftet und dazu noch einstaubt? Die wenigsten verschenken Kunstblumen. "Die Mehrheit kauft für den Eigenbedarf." Männer verirren sich bisher eher selten in das Geschäft. Und dabei sind Kunstpflanzen eine prima Lösung für den Floraliebhaber ohne grünen Daumen.

Dieses Grün sieht natürlichen Gewächsen mittlerweile zum Verwechseln ähnlich. Das liegt daran, dass Imitate früher fast ausschließlich aus Kunststoff, inzwischen aber meist aus Textilien bestehen. "Außerdem bemüht man sich heute viel mehr, die Blume authentischer wirken zu lassen", sagt die 45-jährige. "Callas" bezieht seine Pflanzen von deutschen Firmen. Diese entwerfen die "unechten" Blüten, Stängel und Blätter und lassen sie dann in China produzieren.

Ob für draußen oder drinnen, die Auswahl ist groß. Eine künstliche Buchskugel im anthrazitfarbenen Topf hält jedem Wetter stand, eine synthetische Zamioculcas wird nie zu hoch und eine unvergängliche Orchidee bringt Farbe in jede noch so dunkle Ecke. Und wem die Wohnaccessoires allein nicht genügen, der gönnt sich ein schickes Schmuckstück. Den hinteren Ladenbereich zieren Ketten, Armreife und Ringe in allen Farben und Größen sowie glitzernde Ohrstecker. Alles teils von einem dänischen Designer-Label, teils von Brigitte Matthes-Uetz selbst entworfen und hergestellt. Die Goldschmiedin hat ihre Werkbank direkt gegenüber der Floristen-Arbeitsfläche eingerichtet. Die Verspieltheit der Arbeiten zeigt sich auch in den aufwendig beklebten kleinen Schmuckschächtelchen. Manche ziert ein kleiner Froschkönig auf einer durchsichtigen Kugel, auf anderen funkeln Perlen in allen Farben und Formen.

Seit 2004 arbeiten Susanne Raffel und Brigitte Matthes-Uetz zusammen. Damals noch unter dem Label "Leichtsinn", das Filztaschen vertrieb. Mit den Jahren hat sich so einiges verändert. Die beiden haben zahlreiche Messen besucht, viel ausprobiert und viel dazugelernt. Vor zwei Jahren eröffneten sie schließlich "Callas - Kunstblumen, Dekoration und Schmuck". Damit haben sich die beiden Frauen einen Traum erfüllt: Design, Selbstständigkeit und eigener Stil.

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