Vom Feld direkt auf den Teller

Der "Tag der Regionen" findet bundesweit zum 14. Mal statt - nur an Ulm ist er bisher vorübergegangen. Das ändert sich mit Aktionen am Wochenende. Außerdem soll es eine Arbeitsgruppe zum Thema geben.

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Hendrik Mächler (links) und Martin Grünitz überreichen OB Ivo Gönner ein Paket mit regionalen Köstlichkeiten. Besonders freut sich der Oberbürgermeister über die "Medizin" in Form von Obstbrand. Foto: Matthias Kessler

Das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung wächst und damit die Erkenntnis, dass es gut ist, regionale Produkte zu kaufen. Nur wissen viele nicht, woher sie die bekommen sollen. Da setzt Hendrik Mächler, Geschäftsführer der Ulmer Marketing-Agentur "Regiokompass" mit seiner Online-Plattform "regionale Produkte" an. Das Prinzip ist einfach: Man gibt seinen Wohnort ein und bekommt eine Liste von Produzenten, die regionale Erzeugnisse anbieten.

Da das Ganze bisher mehr oder weniger virtuell stattfindet, nutzt Mächler jetzt in Zusammenarbeit mit der lokalen Agenda 21 Ulm den "Tag der Regionen", um Händler und Idee auch real vorzustellen. Im Zentrum der Aktivitäten steht an diesem Samstag der Ulmer Wochenmarkt, an dem sich die Händler zwischen 8 und 14 Uhr vorstellen. Was genau los ist, ist eine Überraschung, sagt Mächler. "Die Händler haben sich einiges überlegt." Außerdem am Samstag geboten: Zum Slow-Food-Stammtisch im Café Liquid gibt es zwischen 15 und 19 Uhr Maultaschen aus der Manufaktur von Annedore Wust in Mietingen, die dort probiert werden können. Und im Hermannsgarten am oberen Ende der Hasensteige am Kuhberg bietet der BUND zwischen 14.30 und 18 Uhr selbst gepressten Apfelsaft von der vereinsbetriebenen Streuobstwiese. Dort wohnen auch einige Bienenvölker, die zu besichtigen sind. Für Kaffee und Kuchen ist ebenfalls gesorgt.

Auch am Genießermarkt in der Hafengasse an diesem Sonntag sind Mächler und die lokale Agenda beteiligt. "Es wird einiges Regionales geben", kündigt Mächler an.

Trotz der ganzen Aktionen sieht er Luft nach oben. "Wir haben versucht, in Ulm ein Samenkorn zu legen", formuliert es Mächler. Er hofft, dass selbiges aufgehen wird und der "Tag der Regionen" im kommenden Jahr noch größer wird. Das Potenzial sei zumindest da, denn die Region hat zahlreiche lokale Produzenten zu bieten. "Das könnte vergleichbar zur Energiewoche werden", ergänzt Martin Grünitz, der stellvertretende Vorsitzende der lokalen Agenda 21 Ulm. Um das Thema "regionale Produkte" forciert angehen zu können, soll in Kürze eine eigene Arbeitsgruppe dafür gegründet werden, kündigt er an.

Was den Ulmer OB betrifft, stoßen Mächler und Grünitz jedenfalls auf offene Ohren. "Regionale Produkte sind wertvoller als so manches Bio-Siegel vom Discounter", meint Ivo Gönner, der von den beiden anlässlich des "Tag der Regionen" ein Paket voller Kostproben überreicht bekam: Alblinsen, Obstbrand, selbst gemachtes Chutney, Bier, Kräuteröl - die Region hat einiges zu bieten. Nur Wein fehlt. "Der ist ja auch ungenießbar", sagt Gönner in Bezug auf den Versuch in der Vergangenheit, auf dem Kuhberg Wein anzubauen. Große Traditionen hätten dagegen die Obstbrände, Most und Saft aus Früchten von den heimischen Streuobstwiesen.

Überhaupt, man müsse wieder lernen, mit den Jahreszeiten zu leben, betont Gönner. "Wir haben uns daran gewöhnt, dass es Dinge wie Tomaten oder Erdbeeren das ganze Jahr über gibt." Das entspricht aber natürlich nicht den natürlichen Wachstumsperioden. Wer regionale Produkte kauft, bekommt wieder ein Gefühl dafür, wann die Zeit für bestimmte Feldfrüchte gekommen ist.

In diesem Punkt könne auch die lokale Agenda mit Bildungsarbeit ansetzen, ergänzt Grünitz. Denn abgesehen davon, dass man sich wieder viel mehr auf den Zwetschgendatschi freut, wenn man weiß, dass es ihn nur im Herbst gibt: Erdbeeren einmal um die Welt zu schippern, um sie hierzulande auch im Winter essen zu können, ist tödlich für die CO2-Bilanz und damit fürs Klima. Einer der Gründe, warum "regional" und "Bio" gut zusammenpassen.

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