Vom Dreck in Ulm

Zustandsbeschreibung von Straßen und Plätzen in Ulm: vermüllt, verdreckt, vernachlässigt. Eine Ganzjahresaufrege, nicht bloß sommers.

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Kleiner Sündenfall: Dass immer und überall Müll hinterlassen wird, regt viele Ulmer auf.  Foto: 

Immer am Schwörmontag, wenn die Getränkebecher überschwappen und in der Folge die City zugemüllt ist, schwappt auch die Volksseele über. Doch die Frage, wie sauber eine Stadt sein muss, erhitzt die Gemüter nicht nur im Sommer. Sie hat allzeit Konjunktur und erreicht regelmäßig auch den Ratstisch.

Erst recht, wenn wie in einem halben Jahr Kommunalwahl ist. Denn mit der Forderung nach verschärfter Sauberhaltung der öffentlichen und privaten, öffentlich zugänglichen Flächen lässt sich allemal punkten. Schien der Ruf im Rat nach verstärktem Einsatz der städtischen Entsorgungsbetriebe Ebu und nach verschärften Bußgeldern für private Abfallsünder bislang den CDU-Altvorderen Herbert Dörfler und Siegfried Keppler vorbehalten, so muss uns seit den Haushaltsberatungen nicht bange sein um den Saubermännernachwuchs im Gemeinderat. Jedenfalls echauffierte sich Helga Malischewski (FWG) mächtig über „untragbare Zustände am hellen Sonntagmorgen in der Fußgängerzone“. Was umgehend ihren SPD-Kollegen Hartmut Pflüger auf den Plan rief, der außer der öffentlichen auch die private Hand in der Pflicht sieht, für ein gepflegteres Ulm zu sorgen.

Dies wiederum war das Stichwort für den OB, seine Sicht der Dinge darzulegen. Ivo Gönner, der bei jeder Gelegenheit die Verantwortung des Privatmannes im Gemeinwesen beschwört, ist ja der bekannteste Ulmer Stadtbummler und als solcher immer auf der Höhe der Zeit. Ja, das waren noch Zeiten, „als man halt den Lehrbuben oder s’Lehrmädle zum Kehren hinausgeschickt hat“ – und diese auch noch ohne Murren den Besen in die Hand nahmen, um den Hof zu kehren. Heute sei es oft so, „dass die, die das größte Wort führen, wie die Stadt auszusehen hat oder zu gestalten und wie sie auf- und auszubauen ist, gar nicht in der Stadt wohnen, sondern irgendwo draußen“.

Um sodann zurückzukehren zur Frage, wie der Vermüllung Einhalt zu gebieten sei. Also: „Es besteht die Pflicht, vor seinem Laden sauber zu machen – auch am Sonntag.“ Und: „Entweder man beauftragt Ebu und zahlt. Oder man beauftragt einen Privaten und zahlt. Oder man kehrt selber.“ Oder lässt den Lehrling kehren, wenn man einen hat.

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Kommentare

11.12.2013 16:19 Uhr

Dreck in Ulm

Schwörmontag ist natürlich immer schlimm. Aber zwischenzeitlich finde ich hat die Stadt das ganz gut im Griff. 1 - 2 Tage danach ist gut aufgeräumt. Die Wildpinkler die dir in den Garten machen, das wär noch ein Thema.

Ansonsten ist die Stadt mit der Reinigung nicht professionell unterwegs. Müll liegt teilweise sehr lange herum. Oft bedarf es erst einer Beschwerde, bis an eigentlich täglich zu reinigenden Stellen etwas passiert.

Im Blindengarten fehlt seit Monaten der Mülleimer. Klar den haben vermutlich ein paar Betrunkene rausgerissen, deswegen ist offensichtlich niemand mehr zuständig. Die Stadt wartet wahrscheinlich darauf, bis der Übeltäter ihn wieder einbuddelt. Oder dann doch die zitierte Privatperson?

Am oberen Donauturm häuft sich - trotz mehrfachen Hinweis an Ordnungskräfte - der wilde Müllberg. Irgendwann läuft man vorbei und ärgert sich hoffentlich nicht mehr. Ob das der richtige Weg ist?

Wenns die Verursacher es nicht schaffen, den Müll in Müllbehälter zu geben, bleiben nur 2 Möglichkeiten:

1. mehr Kontrollen oder/und
2. täglich sichtbare Reinigung

Das betrifft übrigens auch die Schmierereien / Graffitis. Die bekommt wohl auch keiner in den Griff. Es sieht eher so aus, als ob das großzügig toleriert wird. Das müsste eigentlich einen Tag später weg oder überpinselt sein, dann würde den Sprayern auch irgendwann die Lust vergehen.

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10.12.2013 09:34 Uhr

Antwort auf „@ Ivo Gönner: auch am Sonntag!”

Für jeden Mist gibts eine App! Warum nicht eine, mit der man den Mist den andere hinterlassen, melden kann. Oder per Email, SMS, Web....

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09.12.2013 22:40 Uhr

@ Ivo Gönner: auch am Sonntag!

tja Herr Gönner, die Stadt Ulm hat ja ein Scherbentelefon eingerichtet - sehr lobenswert! ABER leider ist abends und wochenends kein Anrufbeantworter geschaltet, um die Sauereien wenigstens zu erfassen. Ob das den Stadtsäckel sehr belasten würde?

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