Vincent Peirani und Emile Parisien im Stadthaus

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Sie gehören derzeit zu den angesagten Interpreten im europäischen Jazz: Vincent Peirani, der hochgewachsene Lockenkopf aus Nizza, ist am Akkordeon ein Vielharmoniker; besonders die Rhythmus-Parts und Bässe spielt er aberwitzig schnell. Sein Duopartner Emile Parisien ist am Sopransaxophon ebenfalls  ein technischer Überflieger.

Voller Energie

Gemeinsam mischten sie am Montagabend im Ulmer Stadthaus wie auf ihrem gleichnamigen Album die Belle Époque auf, orientierten sich dabei an Altmeistern und Vorbildern wie Richard Galliano oder Sidney Bechet. Und wurden von ihrem Publikum lautstark für ihren musikalischen Auftritt gefeiert.

Und da war reichlich Bewegung drin, wenn die beiden französischen Jazzer im Laufe des Konzerts durch enge Musette-Gassen rasten, den Swing die Treppen des Montmartre hinunterkullern ließen und mit jugendlicher Leichtigkeit auch die höchsten technischen Hürden nahmen. Emile Parisien war dabei gar so voller Energie, dass er mit seinem elastischen Linksfuß zu Luft-Schlenzern ansetzte. Und Peirani, der Mann, der sein Akkordeon barfuß spielt, da bei seinem Spieltempo ansonsten wohl viel zu oft die Socken qualmen würden, hat längst auch den Blues der Seine-Metropole verinnerlicht.

In der Summe war das sehr französisch eingefärbter Jazz, komplex und mit Hürden gespickt, so richtig berühren konnte die Leistungsschau allerdings immer dann, wenn die Melancholie mit ins Spiel kam. Ja, Peirani kann auch Schwermut. Und wie. Erst solistisch intensiv, dann im Duo-Format geradezu hymnisch aufgepeitscht. Starke Momente. Doch schon bald gab man sich wieder dem Rausch der Geschwindigkeit und jazzabstrahierten Musette-Mustern mit geplanten kleineren Unfällen hin. Das war sehr stark.

Das große Gefühl aber fehlt

Respekt vor dieser Gemeinschaftsarbeit. Was allerdings fehlte, war das ganz große Gefühl. Klar, wenn Vincent Peirani die zweite Stimme zur Melodie singt oder gar zum Scat-Meister wird, perkussiv loslegt, während Emile Parisien feinfühlig mit Übertönen und Schwebungen jongliert – dann war das ganz großartig. Das Herz wurde dennoch nur selten wirklich ganz tief berührt.

Am Ende spielten die beiden Musiker aus Frankreich inklusive Zugaben auch nur wenig mehr als 70 Minuten – bejubelt und gefeiert von einem begeisterten Publikum im Stadthaus. Aber trotz allem – da fehlte was. Nicht nur ein paar Minuten mehr. Doch für das Einfangen der Seele haben die zwei Herren ja nun wirklich noch reichlich Zeit.

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