Scherer-Ensemble verpackt die Reformation in Lieder

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Reformation in Wort und Ton.  Foto: 

„Was vom 14. bis 16. Jahrhundert in Ulm geschah, ist paradigmatisch für die Geschichte des Protestantismus.“ So lautete eine der spannenden Thesen, die Berndt Hamm in seinem Vortrag „Die Antriebskräfte der Reformation in ihrer Vielstimmigkeit“ herausstellte. Der Kirchenhistoriker begeisterte die vielen Zuhörer im Stadthaus aber vor allem, als er sich gegen „konfessionelle Monokultur“ aussprach und ein Loblied auf die „Pluralität des Christentums“ anstimmte.

Hamms Vortrag war die perfekte Einstimmung auf das, was unmittelbar darauf und nur einen Steinwurf weit entfernt im Chorraum des Münsters vom Scherer-Ensemble mit anderen Mitteln ins Werk gesetzt wurde. Was dort zu hören war, stand ebenfalls unter dem Motto „Vielstimmige Reformation“, und auch hier wurden im wahrsten Sinne des Wortes Loblieder gesungen, aber solche auf die Reformation. Und die war weder besonders zimperlich, noch tolerant, sondern im Gegenteil geprägt von einer „Eskalation der Unduldsamkeit“. Und so verwunderte es nicht, dass Ensemble-Leiter Thomas Müller, bekanntermaßen ein Schatzgräber in Sachen Ulmer Musikgeschichte, bei aller Begeisterung für „seine“ Preziosen auf Distanz ging: „Singen heißt nicht, sich den Inhalt der Lieder zu eigen zu machen.“ Dabei hatten er und seine Mitstreiter vor allem die Tiraden gegen Juden, Muslime oder den Papst im Blick, die einst eifernd gesungen, wenn nicht gar gegrölt, wurden und heute zum Teil unerträglich sind.

Luthers Lied „So treiben wir den Babst hinaus“ ist so ein Stück, schön zu singen, aber schwer zu verdauen. Das Programm des ungemein inspirierenden, lehrreichen Abends, toll gesungen und von Lautenist Markus Munzer-Dorn stimmungsvoll begleitet, war tatsächlich so vielschichtig und -stimmig, dass Ulms klingende Reformationsgeschichte mitten im Herzen der Stadt zu leben begann.

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