Viele Männer-Muskeln undalles glänzend in Öl verpackt

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Gekreische wie bei einem Teenie-Konzert, als sich der Vorhang öffnet. Gekreische, als die ersten Muskelpakete auf der Bühne des Congress-Centrums ins Rampenlicht treten. Wo die Chippendales auftauchen, zeigen sich Junggesellinnen-Krönchen. Frauen jeglichen Alters hoffen, wenigstens einmal die Waschbrettbäuche der Mucki-Männer berühren zu dürfen.

Die Damen werden belohnt. Als die ersten durchgeschwitzten Hemdchen von den Körpern gerissenen werden und ins Publikum fliegen, entstehen regelrechte Rangeleien um das Stück Stoff. Nur manche behalten auch vor der Bühne kühlen Kopf. „Das wird aber zuhause erstmal gewaschen“, mahnt Helga Granisch, deren 18-jährige Tochter Sophie gerade ein solch begehrtes Achselshirt ergattert hat.

Schon nach zehn Minuten sieht man auf der Bühne die ersten entblößten Knackärsche. Das Gekreische nimmt weiter zu. Man will sich in Position bringen, denn jetzt ist das Publikum dran. Die Aussicht, auf Tuchfühlung gehen zu können, heizt die Fans nochmals an. Wahllos werden schließlich die Damen auserkoren, die in der ausverkauften Halle die Bühne erklimmen dürfen, um selbst ihre Frivolität zu beweisen. Unter Anleitung.

Bananen im Einsatz

Eine hochschwangere Frau soll ihre Hüften um einen der Muskelmänner schwingen, eine zweite Dame gar auf einem der begehrten Herren Beischlaf simulieren. Natürlich sind beide voll bekleidet. Was den Fremdschäm-Pegel angeht, ist der Höhepunkt zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht. Die dritte junge Frau stellt an einer Banane  ihre Fertigkeiten beim Oralverkehr unter Beweis.

Wer zu den Chippendales geht, weiß, was er erwarten darf und dann auch bekommt. Im CCU wurden alle Klischees vermeintlicher Frauenträume bedient: vom sexy Bauarbeiter über den schönen Kapitän bis hin zum wilden Musiker. Und alles glänzend in Öl verpackt. Der Klassiker darf selbstverständlich nicht fehlen: Ein Mann in Polizisten-Kostüm, der sich dessen gekonnt entledigt – das lässt den Lärm erneut größer werden.

Nicht nur anhand der Uniformen ist klar, woher das anrüchige Spektakel kommt: Aus den USA, Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Es geht bei den Shows um primäre Instinkte, um Äußerlichkeiten und um nackte Haut. Das kann und will auch niemand bestreiten, der hier auftritt oder zuschaut. Die künstlerische Performance interessiert so wenig, wie die Tatsache, ob beim Gesangsauftritt im Kindergarten die richtigen Töne getroffen werden. Das Publikum ist immer verzückt.

„Hauptsache, sie stehen auf der Bühne“, sagte Tanja aus Ulm, ohne den Blick von den zehn Männern zu wenden, die sich gerade wieder nackig machen. Dieses Mal sind es Matrosen-Uniformen, derer sie sich nach und nach entledigen. „Welcher Mann würde sich nicht ein solches Gekreische wünschen, wenn er den Hosenstall öffnet“, stellt sie pragmatisch fest, und offenbart damit, warum sie ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will.

Mehr als taktsicher wackelnde Hintern gab es bei dem Auftritt der „Break the rules“-Tour von den Chippendales letztlich nicht zu sehen. Das letzte Stück Intimsphäre wurde stets gut durch Hände, Hüte oder Handtücher verdeckt. Ein kleines Geheimnis und Platz für Phantasie soll schließlich doch noch bleiben.

Gründung Die Chippendales wurden 1979 in Los Angeles von Somen Banerjee gegründet. Banerjee, gelernter Drucker aus Indien, kaufte 1975 in Los Angeles eine Bar, die er zum Club „Chippendales“ machte. Das Programm: Frauen-Schlammschlachten und erotische Männertänze ausschließlich für weibliches Publikum. Das Chippendales war der erste US-Club, in dem sich Männer  auszogen.

Auf Tour Zu Beginn der 80er Jahre begann Banerjee mehrere Stripper-Teams auf Tour zu schicken. Damals kam der Choreograf Nick DeNoia dazu, der die Organisation übernahm und sich einen Großteil der Rechte sicherte. Es kam zum  Streit. 1987 wurde DeNoia erschossen, Banerjee stand unter Verdacht. Er wurde 1993 verhaftet. In der Nacht, bevor das Urteil gesprochen werden sollte, erdrosselte er sich im Alter von 47 Jahren.

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