Viel Stehvermögen, auch ohne Viagra

Was für ein Jubel! Endlich ist die Schmach getilgt. Die Neu-Ulmer Stadtrats- und Verwaltungsauswahl konnte sich fußballerisch erstmals gegen Ulm durchsetzen. Zweifacher Torschütze: Rainer Juchheim.

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  • So sehen Sieger aus: Rainer Juchheim (rechts im linken Bild) freut sich über zwei Tore und den Pokal. Und so sehen Verlierer aus: Thomas Kienle (rechtes Bild Mitte) weist Michael Joukov (links) den rechten Weg. Foto: Oliver Schulz / privat 1/2
    So sehen Sieger aus: Rainer Juchheim (rechts im linken Bild) freut sich über zwei Tore und den Pokal. Und so sehen Verlierer aus: Thomas Kienle (rechtes Bild Mitte) weist Michael Joukov (links) den rechten Weg. Foto: Oliver Schulz / privat
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Die beiden Niederlage schmerzten: 2010 gabs ein vernichtendes, am Selbstbewusstsein doch arg kratzendes 1:8, im vergangenen Jahr ein knappes 1:2. Zweimal trat eine Neu-Ulmer Stadtratsauswahl, unterstützt von Kollegen aus der Verwaltung, gegen Ulm an. Zweimal zog man den Kürzeren. Das schlug aufs Gemüt, ist seit Donnerstag aber Geschichte. Mit 2:0 gingen die Neu-Ulmer am Donnerstagabend in Ludwigsfeld erstmals als Sieger vom holprigen Nebenplatz. Zweifacher Torschütze war Grünen-Stadtrat Rainer Juchheim, mit 65 Jahren zugleich der Älteste unter allen Akteuren. Respekt!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die Ulmer hatten an diesem Sommerabend tatsächlich nicht den Hauch einer Chance, allenfalls hätte sie das drohende Gewitter retten können. Ein 0:4 oder ein 0:6 wäre auch möglich gewesen. Ulms Sturmtank Michael Joukov bleib insgesamt blass, Uwe Peiker, ein echter Linksaußen, setzte nur im Ansatz zu einem gefährlichen Flügellauf an. Und es nützte auch wenig, dass Thomas Kienle, der Schwarze mit den knallroten Schuhen, bemüht war, Ordnung in die Ulmer Unordnung zu bringen.

Die beiden Niederlagen waren für die Neu-Ulmer Mannschaft Doping genug. Man strotzte nur so vor Kraft. Indes: Der Geist war bei dem einen oder anderen willig, das Fleisch mitunter schwach. Und so mancher Akteur wie Uli Frommer oder Thomas Kast fasste sich schon nach ein paar Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht ans Knie oder an den Oberschenkel. Also blieb dem Ulmer Medizinmann Hans-Walter Roth nichts anderes übrig, als zum Auto zu rennen, eine große Schachtel zu holen. "Mullbinden, Pflaster, Verhüterli", so preiste er seine mitgebrachten Utensilien lautstark an, was die dritte Neu-Ulmer Bürgermeisterin Christa Wanke nach einem Blick über den Sportplatz schlagfertig mit den Worten kommentierte: "Vielleicht wäre ja Viagra doch angebrachter."

Und die Ulmer erwiesen sich als faire Verlierer. "Jetzt stimmt das Verhältnis unter den beiden Städten wenigstens wieder", sagte der Ulmer FWG-Rat Reinhold Eichhorn, "zwei Drittel der Siege für Ulm, ein Drittel für Neu-Ulm".

Natürlich ist so ein Feierabendkick, wenns dann drauf ankommt, immer eine erste Sache, es wurde dennoch viel geflachst und viel gelacht - auf dem Platz vielleicht weniger, aber unter den Zuschauern und am Ende beim gemeinsamen Umtrunk dann um so mehr. Nächstes Jahr gibt es eine Neuauflage, dann wieder auf Ulmer Gemarkung.

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